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Rohstoffe, Lieferketten, Wettbewerb: Der neue EU-USA-Pakt und die deutsche Wirtschaft

Zwar streiten die EU und die USA über vieles, beim Thema Rohstoffe und Lieferketten ziehen sie aber an einem gemeinsamen Strang. Mitten in den transatlantischen Spannungen wächst ein Bereich, in dem Washington und Brüssel enger zusammenrücken: Die Versorgung mit kritischen Rohstoffen und die Resilienz der Lieferketten. Die im April vereinbarte Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und den USA zur Sicherung strategischer Mineralien ist weit mehr als ein industriepolitisches Signal. Sie ist der Versuch, globale Lieferketten neu zu ordnen – und die Abhängigkeit von China zu reduzieren.
Im Fokus stehen Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Grafit oder Seltene Erden. Sie bilden die Grundlage für nahezu alle Zukunftstechnologien: Elektrofahrzeuge, Batteriespeicher, Windkraftanlagen und Solarmodule ebenso wie Halbleiter, Medizintechnik, Werkzeugmaschinen oder moderne Verteidigungssysteme. Ohne kritische Rohstoffe gibt es weder grüne Transformation noch digitale Souveränität.
Die Herausforderung ist bekannt: China kontrolliert heute weite Teile der globalen Wertschöpfungsketten – nicht nur durch eigene Rohstoffvorkommen, sondern vor allem durch massive Investitionen in Raffination, Verarbeitung und industrielle Integration. Genau hier setzen die USA und die EU an. Geplant sind gemeinsame Standards, koordinierte Handelsmaßnahmen und der Aufbau diversifizierter Lieferketten. Diskutiert werden sogar Instrumente wie grenzangepasste Preisuntergrenzen, um heimische Industrien zu stärken.
Für deutsche Unternehmen ist das hochrelevant. Denn es geht längst nicht mehr nur um Rohstoffpolitik, sondern um Marktzugang, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und strategische Positionierung. Die USA verfolgen dabei eine ausgesprochen aktive Agenda. Washington spricht nicht ausschließlich mit der Europäischen Union – im Gegenteil. In den vergangenen Monaten hat die US-Regierung eine Rohstoffpartnerschaft nach der anderen geschlossen und investieren Milliarden in eigene Reserven und Beteiligungen an Rohstoffunternehmen. Ihr Ziel ist klar – die Stärkung der eigenen industriellen Basis und ein privilegierter Zugang zu kritischen Materialien.
Deutsche Unternehmen sollten diese Entwicklung genau beobachten, denn auch sie beziehen strategische Rohstoffe und Vorprodukte aus den USA. Gleichzeitig sind sie wichtiger Lieferant für hochspezialisierte Materialien und veredelte Komponenten in amerikanische Schlüsselindustrien, etwa für Halbleiter, Verteidigung, Luftfahrt oder Elektromobilität. Die neuen Allianzen der USA können Chance und Risiko zugleich für sie sein. Beteiligungen an gemeinsamen Fonds, Investitionen in neue Lieferketten oder Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette könnten künftig erhebliche Wettbewerbsvorteile schaffen. Andererseits könnte sich die Lieferbedingungen für europäische Akteure erschweren, wenn künftige Strukturen ohne sie ablaufen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob sich Unternehmen mit den neuen Rohstoffallianzen beschäftigen sollten – sondern wie früh.
US-Generalkonsul Scott Woordard weiß das. Bevor er sein Amt als Generalkonsul am US-Generalkonsulat in Hamburg, dessen Amtsbezirk die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern umfasst im August 2025 antrat, war er nämlich kommissarischer stellvertretender Leiter für Energiewettbewerbsfähigkeit und Lieferketten in der Abteilung für Energieressourcen des US- Außenministeriums, die für die diplomatische Arbeit des Ministeriums im Bereich Energietechnologien und Lieferketten, einschließlich kritischer Mineralien, zuständig ist.
Am 16. Juni ist der Generalkonsul zu Gast in der Sitzung des Gesprächskreises USA. Sprechen wird er über viele Themen der transatlantischen Zusammenarbeit, aber insbesondere diesen neuen Pakt und die Chancen, die sich für deutsche Unternehmen daraus ergeben. Der Gesprächskreis findet von 15:00 – 16:30 Uhr im Rahmen eines Feierabend-Imbiss statt. Unternehmen, die nicht Mitglied des Kreises sind, aber Interesse an einem persönlichen Kennenlernen und Austausch mit Scott Woodard oder dem Thema haben, sind als Gäste herzlich willkommen. Eine Anmeldung kann auf der Event-Webseite erfolgen.
Aus unserem Veranstaltungsprogramm rund um die USA
Chancen nutzen, Risiken kennen: Experten beraten am 22. Juni zum USA-Geschäft
Verträge, Steuern, Fachkräfte: Wer in den USA erfolgreich wachsen will, braucht mehr als Marktchancen. Am 22. Juni erhalten Unternehmen in individuellen Beratungsgesprächen mit erfahrenen US-Experten praxisnahe Einschätzungen und konkrete Lösungen für das operative US-Geschäft. Details zu Inhalt, Ablauf und Organisation des Workshops finden sich im Veranstaltungskalender – Nr. 20609 der IHK Hannover.
Fitter for FDA! US-Label Compliance für Lebensmittel & Nahrungsergänzungsprodukte
Der gemeinsam von BMLEH und IHK Hannover angebotene Online-Workshop bietet deutschen Unternehmen eine umfassende Möglichkeit sich mit den US-amerikanischen Dos and Don‘ts der Kennzeichnung von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsprodukten auseinanderzusetzen. Der Workshop findet vom 29. Juni – 1. Juli 2026 jeweils von 08:30 Uhr – 13:30 Uhr online statt. Details zu Inhalt, Ablauf und Organisation des Workshops finden sich im Veranstaltungskalender - Nr. 19980 der IHK Hannover.
Stand: 11.05.2026