Freihandelsabkommen

Grünes Licht aus Brüssel: Mercosur-Abkommen soll vorläufig angewandt werden

Am 26. Februar 2026 wurde das Mercosur-Freihandelsabkommen in Montevideo und Buenos Aires mit deutlichen Mehrheiten ratifiziert. Damit haben diese beiden Staaten der Europäischen Union den Weg geebnet, das Abkommen auch vor der finalen Zustimmung durch das Europäische Parlament vorläufig anzuwenden – einen Weg, den die Europäische Union nun auch gehen will:
Einen Tag später kündigte die Präsidentin der Europäische Kommission an, Ursula von der Leyen, an, dass der Prozess zur vorläufigen Anwendung des Abkommens eingeleitet werde. Nach dem Austausch von Verbalnoten, die den Willen zur vorläufigen Anwendung formell festhalten, kalkuliert die Kommission etwa zwei Monaten für den Verfahrensprozess. Im Mai könnte es also was werden – ein konkretes Datum wurde allerdings nicht genannt.
Mit dieser Entscheidung beendet die Europäische Kommission die Unsicherheit, die nach der Abstimmung im Europäisches Parlament am 21. Januar entstanden war. Damals befand man sich nach fast 26 Jahren Verhandlungen eigentlich auf der Zielgeraden – die Mehrheit der EU--Mitgliedsstaaten für das Mercosur-Abkommen war erreicht und das Abkommen offiziell unterzeichnet. Doch dann beschloss das Parlament mit knapper Mehrheit, den Europäischen Gerichtshof zu ersuchen, zu prüfen, ob das Abkommen mit den EU-Verträgen vereinbar ist – eine Überprüfung, die Jahre dauern kann.
Eine vorläufige Anwendung ist jedoch möglich. Denn das EU-Mercosur-Abkommen besteht aus zwei Teilen: einem umfassenden Partnerschaftsabkommen und einem Interim-Handelsabkommen. Während das Partnerschaftsabkommen als politischer Teil von allen EU-Mitgliedstaaten ratifiziert werden muss, regelt das Interim-Handelsabkommen ausschließlich den Handel. Es soll bis zum vollständigen Inkrafttreten des Partnerschaftsabkommens eigenständig gelten und wird als sogenanntes „EU-only-Abkommen“ eingestuft – eine nationale Ratifizierung ist prinzipiell nicht erforderlich. Sobald mindestens ein Mercosur-Staat das Abkommen ratifiziert hat, kann es auch ohne die Zustimmung des EU-Parlaments vorläufig in Kraft treten. Und genau das ist nun der Fall: Nicht nur ein, sondern sogar zwei EU-Mercosur Staaten, Uruguay und Argentinien, haben das Abkommen am 26. Februar mit deutlichen Mehrheiten ratifiziert. Und die Europäische Union hat einen Tag später die vorläufige Anwendung beschlossen.
Die vorläufige Anwendung ermöglicht es Unternehmen in der Europäischen Union sowie in Uruguay und Argentinien, bereits vor dem formellen Inkrafttreten von neuen Zollregeln und weiteren Vorteilen zu profitieren. Ab Mai könnten die ersten Zölle fallen. Nicht für alle Produkte. Und auch nicht komplett auf null. Doch diverse Produkte profitieren bereits von sofortiger Zollfreiheit, während für andere der gestaffelte Abbau beginnt und damit der Startschuss für eine schrittweise Senkung gegeben ist.
Uruguay und Argentinien haben also den Weg bereitet - Brasilien und Paraguay werden voraussichtlich bald folgen, wie von der EU-Kommission erwartet wird. Und dann wird von einer der größten Freihandelszonen der Welt nicht mehr nur geredet, sondern mit ihr gearbeitet. Eine riesige Chance für deutsche Unternehmen, die bisher durch Zölle von 15 bis 40 Prozent insbesondere gegenüber dem Wettbewerb aus China klar im Nachteil waren. Dieser Wettbewerbsnachteil wird nun systematisch abgebaut.
Online: Das EU-Mercosur Partnerschaftsabkommen – was es verspricht und was jetzt möglich ist.
14. April von 14 bis 16 Uhr
Die IHK Hannover organisiert am 14. April ein Online-Briefing, das für Unternehmen die Rahmenbedingungen, Zeithorizont sowie Anwendung und Umsetzung des Abkommens einordnet. Ergänzt wird dies durch einen pointierten Überblick über die einzelnen Märkte und Branchen. Darüber hinaus haben Teilnehmende die Möglichkeit, sich für individuelle digitale Beratungsgespräche mit Fachexpertinnen und Fachexperten aus Asunción, Buenos Aires, Montevideo und São Paulo anzumelden. Details zu Programm und Anmeldung finden sich auf der Event-Webseite.
Stand: 02.03.2026