Handel

Einzelhandel: Weniger Betriebe, aber stabile Nahversorgung

Im Rahmen des „Konsensprojekt Großflächiger Einzelhandel" wurde seit 2003 bereits zum fünften Mal eine flächendeckenden Erhebung und Analyse des stationären Einzelhandels durchgeführt, um eine einheitliche und vergleichbare Datengrundlage zu dessen Entwicklung im Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover zu erhalten. Die aktuelle Untersuchung wurde von der CIMA Beratung + Management GmbH aus Hannover erarbeitet.
Was und wo wurde untersucht?
Erfasst wurden stationäre Einzelhandelsbetriebe im Untersuchungsraum – vom Kiosk bis zum Möbelhaus. Betrachtet wurden unter anderem Zahl der Betriebe, Verkaufsflächen, Sortimente und Standortlagen. Der Untersuchungsraum umfasst die Region Hannover einschließlich der Landeshauptstadt, die Landkreise Celle, Hameln-Pyrmont, Hildesheim, Holzminden, Nienburg/Weser ohne die Stadt Nienburg/Weser, Schaumburg sowie die Städte Peine und Walsrode.
Wichtigste Ergebnisse im Überblick:
  • Betriebe und Verkaufsflächen: Im Rahmen der Vollerhebung „Konsensprojekt Großflächiger Einzelhandel 2025/2026“ wurden im Untersuchungsraum 2025 insgesamt 9.488 Einzelhandelsbetriebe mit rund 3.735.633 Quadratmetern Verkaufsfläche erfasst. Gegenüber der Vorerhebung im Jahr 2016 ist die Zahl der Betriebe um 19,8 Prozent (-2.339) zurückgegangen, die Verkaufsfläche um 6,8 Prozent (-273.363 m2). Dies deutet laut Gutachten darauf hin, dass vor allem kleinere Betriebe aus dem Markt ausscheiden, während größere Standorte ihre Marktposition eher behaupten können. Die Verkaufsflächenausstattung ist von 1,88 m2/EW auf 1,76 m2/EW zurückgegangen.
  • Periodischer Bedarf: Bei alltäglichen Produkten wie Lebensmitteln oder Gesundheit und Körperpflege liegt die Verkaufsfläche im Untersuchungsraum leicht über dem Vergleichswert von 2016 (Lebensmittel: + 2 %) bzw. auf dem damaligen Niveau (Gesundheit und Körperpflege: + - 0).
  • Aperiodischer Bedarf: Deutlich rückläufig sind hingegen die Verkaufsflächen im aperiodischen Bedarf, also bei Waren, die nicht täglich gekauft werden – etwa Bekleidung (- 20 %), Schuhe und Lederwaren (- 21 %), Elektroartikel (- 20 %) oder Sportartikel (- 27 %). Viele dieser Sortimente haben traditionell eine wichtige Bedeutung für Innenstädte und Ortskerne und sind zugleich besonders stark von Online-Handel, veränderten Konsumgewohnheiten und Konzentrationsprozessen betroffen. Dieser Wandel hat mehrere Ursachen: Viele Kundinnen und Kunden kaufen anders ein als noch vor einigen Jahren, vergleichen Angebote online und erwarten zugleich gut erreichbare, moderne und leistungsfähige Standorte. Gleichzeitig gewinnen größere Betriebsformen und Filialisten Marktanteile, während kleinere und nicht-filialisierte Fachgeschäfte stärker unter Druck geraten. Hinzu kommen demografische Veränderungen und gestiegene Erwartungen an Service, Verfügbarkeit und Aufenthaltsqualität.
  • Standortkennzahlen Nachfrageseite: Die Einzelhandelsrelevante Kaufkraft für den Untersuchungsraum liegt bei 99,1. Vorn liegen die Region Hannover mit 101,2 und die Landeshauptstadt Hannover mit 100,0, am Tabellenende der Landkreis Holzminden mit 94,1 sowie die Stadt Stadthagen mit 89,0.
  • Standortkennzahlen Angebotsseite 1 (Betriebe/Verkaufsflächen): Bei der Anzahl der Betriebe liegt die Region Hannover mit 4821 mit weitem Abstand vorn vor dem Landkreis Hildesheim mit 1.151. Die geringste Anzahl an Betrieben weist der Landkreis Nienburg/Weser mit 309 auf. Auch bei den Verkaufsflächen entfällt der Löwenanteil mit 1,932.009 m2 auf die Region Hannover. Auf Platz 2 folgt auch hier der Landkreis Hildesheim mit 451.598 m2. Die geringste Verkaufsflächenanzahl weist hier der Landkreis Holzminden auf (112.833 m2). Den geringsten Rückgang bei den Betrieben weist der Landkreis Schaumburg mit minus 15,3 Prozent auf, den stärksten der Landkreis Holzminden mit minus 27,1 Prozent. Bei der Entwicklung der Verkaufsfläche verbucht der Landkreis Nienburg/Weser mit minus 3,0 Prozent die geringsten Verluste, der Landkreis Hildesheim mit minus 8,5 Prozent die größten Rückgänge.
  • Standortkennzahlen Angebotsseite 2 (Verkaufsflächenausstattung): Bei der Verkaufsflächenausstattung im periodischen Bedarf liegt der Landkreis Holzminden mit 0,72 m2/EW vorn – die Region mit 0,55 m2/EW hinten. Bei der Verkaufsflächenausstattung im aperiodischen Bedarf liegt der Landkreis Schaumburg mit 1,43 m2/EW an der Spitze – der Landkreis Nienburg/Weser mit 0,75 m2/EW am Tabellenende.
  • Das Gutachten bewertet die Entwicklung nicht als flächendeckenden Substanzverlust. Vielmehr bestätigt die Untersuchung ein weiterhin leistungsfähiges, allerdings durch strukturelle Veränderungen geprägtes Einzelhandelsangebot im Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover. Die Nahversorgung erweist sich insgesamt als stabil. Zugleich ist vor allem der aperiodische Bereich vom Wandel betroffen und erfordert daher eine aktive Gestaltung des Transformationsprozesses. Für die Städte und Gemeinden im Untersuchungsraum heißt das: Innenstädte und Ortskerne bleiben wichtige Handelsstandorte, müssen ihre Attraktivität aber breiter absichern. Neben dem Einzelhandel gewinnen Gastronomie, Dienstleistungen, Kultur, Wohnen, Arbeiten, Bildung, Verwaltung und Freizeit weiter an Bedeutung.
Ergebnisse für die Region Hannover
  • Auch in der Region Hannover ist der Strukturwandel sichtbar: Im Regionsgebiet wurden 2025 insgesamt 4.821 Einzelhandelsbetriebe mit rund 1,93 Millionen Quadratmetern Verkaufsfläche erfasst. Damit entfallen 50,8 Prozent der erhobenen Betriebe und 51,7 Prozent der erhobenen Verkaufsflächen im Untersuchungsraum auf die Region Hannover. Gegenüber 2016 ist die Anzahl der Betriebe um 20,0 Prozent zurückgegangen, die der Verkaufsflächen um 8,0 Prozent.
  • Die Versorgungsfunktion der Region Hannover bleibt stark. Die Region kommt auf ein einzelhandelsrelevantes Nachfragevolumen von rund 7,60 Milliarden Euro, dem ein rechnerischer Einzelhandelsumsatz von rund 8,07 Milliarden Euro gegenübersteht. Daraus ergibt sich eine Handelszentralität von 106 Prozent. Dies bedeutet, dass der Einzelhandel in der Region Hannover rechnerisch mehr Umsatz erzielt, als allein aus der Nachfrage der eigenen Bevölkerung zu erwarten wäre. Dabei prägt insbesondere das Angebot der Landeshauptstadt Hannover mit einer Handelszentralität von 119 Prozent die Einzelhandelsausstattung der Region. Als Oberzentrum verfügt Hannover über einen überregionalen Einzugsbereich und bindet Kaufkraft über das eigene Stadtgebiet hinaus.
Das vollständige, 76-seitige Gutachten ist abrufbar unter www.netzwerk-ewh.de
Wofür werden die Ergebnisse genutzt?
Die Ergebnisse des „Konsensprojekts Großflächiger Einzelhandel" dienen als Grundlage für die gesamte Einzelhandelsplanung, insbesondere für die raumordnerische Steuerung großflächiger Einzelhandelsvorhaben – also Einzelhandelsbetrieben mit aktuell mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche – und für kommunale Einzelhandelskonzepte sowie als Grundlage für die Wirtschaftsförderung. Die großräumige Einzelhandelsanalyse ist für die teilnehmenden zwölf Städte und Landkreise des Erweiterten Wirtschaftsraums Hannover (EWH) sowie den Landkreis Holzminden eine wichtige Arbeitsgrundlage für die weitere Entwicklung des Einzelhandels im Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover.
Gerade im Einzelhandel enden Einzugsbereiche und Kaufkraftströme nicht an Stadt- oder Kreisgrenzen. Neue Standorte, Erweiterungen oder Verlagerungen großflächiger Einzelhandelsvorhaben können Auswirkungen auf Innenstädte, Ortskerne und Nahversorgungsstrukturen in mehreren Kommunen haben. Die gemeinsame Datenbasis erleichtert es, mögliche Auswirkungen fachlich fundiert zu bewerten, transparent zu diskutieren und einzuordnen und tragfähige und verträgliche Lösungen zu entwickeln. Damit unterstützen sie die regionale Abstimmung sowie die Weiterentwicklung von Innenstädten, Ortskernen und Nahversorgungsstandorten.
Hintergrund zum Netzwerk Erweiterter Wirtschaftsraum Hannover (EWH)
Das Netzwerk EWH ist ein Zusammenschluss von 16 Städten, Gemeinden und Landkreisen in Niedersachsen. Mitglieder sind die Städte Celle, Hameln, Hannover, Hildesheim, Nienburg/Weser, Peine, Stadthagen, Walsrode sowie die Landkreise Celle, Hameln-Pyrmont, Heidekreis, Hildesheim, Nienburg/Weser, Peine, Schaumburg und die Region Hannover.
Ziel ist es, die regionale Zusammenarbeit in wichtigen fachlichen und kreisüberschreitenden Kooperationsfeldern zu stärken. Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind unter anderem Stadt- und Regionalentwicklung, Einzelhandel, Innenstädte und Ortskerne, Planungsprozesse sowie der öffentliche Personennahverkehr. Weitere Informationen: www.netzwerk-ewh.de
Kontakte für Rückfragen:
Region Hannover FB 61 – Planung und Raumordnung Geschäftsstelle Netzwerk Erweiterter Wirtschaftsraum Hannover Martin Rode – Prinzenstraße 12, 30159 Hannover Tel. 0511 – 616 – 22 503
Zur Information: Die IHK Hannover arbeitet seit vielen Jahren als Gast im Forum für Stadt- und Regionalentwicklung mit, dem Kreis der Stadt- und Regionalplaner der Landkreise und großen Städte des Erweiterten Wirtschaftsraums Hannover, der die Einzelhandelsgutachten im Rahmen des „Konsensprojekts großflächiger Einzelhandel“ auf den Weg bringt und fachlich betreut.
Stand: 05.08.2026