IHKN-Studie: Hohe Ausbildungsbereitschaft, schwierige Besetzung der Plätze

Die niedersächsischen Unternehmen halten auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten an ihrem Ausbildungsengagement fest. Mehr als 70 Prozent der befragten Betriebe planen, ihr Ausbildungsangebot auf dem bisherigen Niveau zu halten oder sogar auszuweiten. Gleichzeitig wird die Besetzung freier Ausbildungsplätze zunehmend schwieriger. Das zeigt die im Mai 2026 unter 1600 Ausbildungsbetrieben der sieben niedersächsischen Industrie- und Handelskammern durchgeführte Ausbildungsumfrage 2026 der IHK Niedersachsen (IHKN).
Nur noch 53,4 Prozent der Ausbildungsbetriebe konnten im vergangenen Jahr alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Von den Unternehmen, denen dies nicht gelang, erhielt rund ein Viertel überhaupt keine Bewerbung. Trotz insgesamt steigender Bewerberzahlen fällt es vielen Unternehmen schwer, geeignete Nachwuchskräfte zu finden.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Ausbildungsmarkt zunehmend durch Passungsprobleme geprägt wird. Viele Jugendliche konzentrieren sich bei der Suche auf wenige Berufe oder einen engen regionalen Umkreis. Gleichzeitig berichten die Unternehmen von wachsenden Anforderungen bei der Nachwuchsgewinnung und -begleitung.
Besonders deutlich werden die Herausforderungen bei den Ausbildungsvoraussetzungen. 94,4 Prozent der befragten Betriebe stellen Defizite bei der Ausbildungsreife fest. Genannt werden unter anderem Schwächen bei mathematischen Grundlagen, im sprachlichen Ausdruck sowie bei Belastbarkeit und sozialen Kompetenzen. Viele Unternehmen investieren deshalb zusätzlich in Nachhilfeangebote, Vorbereitungskurse und individuelle Unterstützungsmaßnahmen. Rund ein Drittel der Betriebe bildet gezielt auch Jugendliche mit Lernschwierigkeiten aus.
Aus Sicht der niedersächsischen Wirtschaft bleibt die Stärkung der Berufsorientierung eine zentrale Aufgabe. Schülerinnen und Schüler sollten frühzeitig praxisnahe Einblicke in Betriebe und Ausbildungsberufe erhalten, um realistische Vorstellungen von beruflichen Möglichkeiten und Anforderungen zu entwickeln. Gleichzeitig sehen die Unternehmen Handlungsbedarf bei der Vermittlung grundlegender Kompetenzen, die für einen erfolgreichen Übergang von der Schule in die Ausbildung erforderlich sind.

Stand: 31.07.2026