Pressemeldung vom 20. April 2022

Krieg in der Ukraine und Inflationsprobleme verschlechtern Wirtschaftsentwicklung

Konjunkturbericht: Steigende Preise sind das größte Geschäftsrisiko für Unternehmen
Der Krieg in der Ukraine und die steigende Inflation verschlechtern die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und Hamburg. Das ergab der aktuelle Konjunkturbericht der Handelskammer Hamburg und des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). „In der Hamburger Wirtschaft herrscht große Verunsicherung“, sagt Dr. Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. „Viele Unternehmen rechnen mit einem Rückgang ihrer Exporte. Für Deutschlands führenden Außenhandelsstandort sind das düstere Aussichten.“ Rund jedes dritte Unternehmen (35,7 Prozent) rechnet mit einer Verschlechterung der eigenen Geschäftslage in den kommenden Monaten. Grund für die deutliche Verschlechterung der Wirtschaftsentwicklung sind vor allem die steigenden Energie- und Rohstoffpreise. Für sieben von zehn Unternehmen sind sie mittlerweile eines der größten Geschäftsrisiken. Vor einem Jahr galt das nur für jedes vierte Unternehmen. Diese Kostensteigerungen und unterbrochenen Lieferketten treffen vor allem die Industrie.
Auch der Multimetallanbieter Aurubis mit Hauptsitz in Hamburg ist betroffen. Allerdings kann das energieintensive Unternehmen diese höheren Kosten aktuell durch gute Metallpreise und eine hohe Nachfrage nach seinen Produkten ausgleichen. „Unsere Metalle sind die Basis für die Megatrends unserer Zeit und werden in vielen Bereichen unserer Gesellschaft vor allem jetzt in der Krise benötigt, von Energie- bis Medizin- und Informationstechnik. Unser Hauptprodukt Kupfer ist das nachhaltige Energiewendemetall und wird stark gebraucht, um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Für eine sichere und diversifiziertere Versorgung mit Gas unterstützen wir daher die Bestrebungen, schnellstmöglich schwimmende LNG-Terminals in Deutschland zu installieren. In Hamburg-Moorburg finden sich durch die bereits vorhandene Weiterleitungsinfrastruktur die besten Voraussetzungen für eine mögliche Inbetriebnahme noch diesen Herbst“, sagt Ulf Gehrckens, Executive Vice President Energy & Climate Affairs der Aurubis AG.
Aurubis investiert außerdem schon seit Jahren in strategische Projekte, um den Ausbau erneuerbarer Energie zu unterstützen und alternative Energieträger einzusetzen – so zum Beispiel einen eigenen Solarpark am Standort Pirdop in Bulgarien, der Ausbau der Industriewärme und die Power-to-Heat Anlage zum Ausgleich volatiler Stromerzeugung in Hamburg sowie Tests zum Einsatz von Wasserstoff in der Kupferproduktion. „Für die notwendige Infrastruktur und wettbewerbsfähige Preise zum Einsatz von Wasserstoff setzen wir weiterhin stark auf die Unterstützung und Förderung der Politik. Technologisch ist die Umstellung machbar – und wir sind bereit dafür, brauchen jedoch global wettbewerbsfähige Energiepreise“, betont Ulf Gehrckens.
Auch die Aussichten für die deutsche Wirtschaft insgesamt sehen schlechter aus als noch zum Jahresanfang. „Die erhoffte Erholung der Wirtschaft nach zwei Jahren Corona-Pandemie ist durch den Krieg in der Ukraine deutlich gebremst“, sagt Prof. Dr. Michael Berlemann, wissenschaftlicher Direktor des HWWI. „Die nochmals kräftige Verteuerung von Energie, aber auch von anderen Rohstoffen, dürfte angesichts der geopolitischen Verwerfungen zumindest auf mittlere Sicht den Inflationsdruck auf allen Stufen erhöhen. Bei anhaltendem Krieg in der Ukraine und zunehmendem Umfang gegenseitiger Sanktionen droht die Gefahr einer tiefen Rezession.“
Zum Hintergrund:
Die Auswertung der Konjunkturbefragung zum Ende des I. Quartals 2022 basiert auf insgesamt 594 Antworten Hamburger Unternehmen. Nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine, aufkeimende Inflation sowie ein anhaltend dynamisches Corona-Infektionsgeschehen prägten den Befragungszeitraum vom 22. März bis 7. April 2022. Der Geschäftsklimaindikator, ein Mittelwert aus den Bewertungen der aktuellen und künftigen Geschäftslage, weist einen Wert von 95,6 (Skala 0 bis 200) aus. Vor drei Monaten lag dieser bei 114,8. 
Alle Zahlen finden Sie unter: www.hk24.de/konjunktur
Konjunkturprognose des HWWI vom 2. März 2022:  www.hwwi.org
HWWI-Rohstoffpreisindex im März 2022:  www.hwwi-rohindex.de