Stagnation verfestigt sich – Unsicherheit bleibt hoch

Halle (Saale), 5. Mai 2026. Die regionale Wirtschaft tritt zum Jahresbeginn 2026 weiter auf der Stelle. Tragfähige Wachstumsimpulse sind weiterhin nicht erkennbar. Angesichts schwacher Nachfrage, steigender Kosten und anhaltend hoher politischer Unsicherheit setzt sich die strukturelle Wachstumsschwäche der regionalen Wirtschaft fort. Zu diesem Ergebnis kommt die IHK in ihrem aktuellen Konjunkturbericht.
Zusätzliche Sorgen bereite vielen Unternehmen der neue Konflikt im Nahen Osten, erläutert IHK Konjunkturexperte Danny Bieräugel:
„Die gestiegenen Preise für Kraftstoff, Energie und Rohstoffe belasten einen großen Teil der Unternehmen und verschärfen den ohnehin hohen Kostendruck.“
Da neben den Kosten auch die Unsicherheit zugenommen habe, fällt der Blick nach vorn entsprechend zurückhaltend aus:
„Trotz kleiner saisonaler Aufhellungen bleiben die Erwartungen insgesamt pessimistisch. Investitionsabsichten und Beschäftigungspläne werden daher vielfach auf das Notwendigste beschränkt“, so Bieräugel weiter.
IHK Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Thomas Brockmeier betont das Risiko steigender Arbeitskosten, das bei den Rückmeldungen der Unternehmen einen historischen Höchstwert erreicht. Eine Begrenzung des Anstiegs der Arbeitskosten sei daher dringend erforderlich. Neben der Entwicklung der Löhne wirkten vor allem steigende Lohnnebenkosten als Kostentreiber. Hier habe die Politik konkrete Einflussmöglichkeiten:
„Reformen der Sozialsysteme bei Grundsicherung, Gesundheit und Rente müssen zügig angegangen werden. Die vorliegenden Entwürfe der Kommissionen bilden eine gute Grundlage, die ernsthaft diskutiert werden sollte“, so Brockmeier.

Die Ergebnisse des IHK-Konjunkturberichtes im Einzelnen

In der Industrie verschärft sich der Kostendruck weiter, während die Hoffnung auf eine nachhaltige Besserung gering bleibt. Auftragseingänge und Gesamtumsätze gehen erneut zurück, der Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten bleibt niedrig. Zusätzliche Belastungen entstehen durch geopolitische Spannungen und unsichere außenwirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Das Baugewerbe startet schwierig in das Jahr. Witterungsbedingt verschobene Baumaßnahmen führen zu einem deutlichen Rückgang der aktuellen Geschäftslage. Zugleich sinkt das Geschäftsklima. Dies unterstreicht die schwierige Lage einer Branche, die zwischen gestiegenen Zinsen, hohen Kosten und nachlassender Nachfrage anhaltend unter Druck steht.
Im Dienstleistungsgewerbe trübt sich die Geschäftslage wieder ein. Der anhaltende Kostendruck sorgt seit längerem für Unsicherheit bei der Bewertung der aktuellen Situation. Insbesondere steigende Arbeitskosten haben sich zu einem wesentlichen Belastungsfaktor entwickelt. Trotz einer leichten Aufhellung setzt sich die Beschäftigungszurückhaltung fort.
Im Handel hellt sich das Geschäftsklima nach der sehr düsteren Stimmung im Vorquartal wieder etwas auf. Die Stimmungsaufhellung bleibt jedoch fragil. Angesichts einer erneut anziehenden Inflation erscheinen die erwarteten Umsatzzuwächse unsicher. Bei den Beschäftigungs- und Investitionsabsichten signalisieren die Unternehmen weiterhin Zurückhaltung.
Im Verkehrsgewerbe nimmt der Kostendruck weiter zu, während sich die konjunkturelle Entwicklung der Branche im Leerlauf befindet. Die im Zuge des Iran Krieges gestiegenen Kraftstoffpreise treffen auf eine ohnehin angespannte Ertragslage, da auch andere Kosten – etwa für Personal, Versicherungen und Ersatzteile – weiter zulegen.
Zur Methodik:
Für den Konjunkturbericht befragt die IHK viermal im Jahr eine repräsentative Stichprobe ihrer Mitgliedsunternehmen. Diese geben dabei unter anderem an, wie sie ihre aktuelle Geschäftslage bewerten und welche Entwicklung sie zukünftig erwarten.
Die Umfragedaten aus den verschiedenen Branchen werden um saisonale Effekte bereinigt, nach Branchen gewichtet und ausgewertet. Indexwerte zeigen jeweils den Saldo zwischen dem Anteil positiver und negativer Einschätzungen.
Lesebeispiel: Wenn 30 Prozent der befragten Unternehmer die Geschäftslage als schlecht einschätzen, 50 Prozent als neutral und 20 Prozent als gut, dann beträgt der resultierende Wert -10 Punkte. Der Gesamtindex fasst Lagebewertung und Erwartungen zusammen.
Sowohl die Befragung als auch die Auswertung und Hochrechnung der Ergebnisse erfolgen nach anerkannten wissenschaftlichen Methoden. Im südlichen Sachsen-Anhalt nehmen regelmäßig etwa 600 Unternehmen an der Befragung teil.
Die IHK Halle-Dessau ist die gemeinsame Stimme von 52.000 Unternehmen im südlichen Sachsen-Anhalt. Ihre Mitglieder sichern 400.000 Arbeitsplätze und tragen mit jährlich 30 Milliarden Euro maßgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vereint die IHK Gesamtinteressenvertretung, Dienstleistungen und hoheitliche Aufgaben.