High Performance bei Zukunftstechnologie und Begleitung

Fast 200.000 Dienstleistungsunternehmen haben sich seit Beginn der 1990er Jahre im südlichen Sachsen-Anhalt gegründet. Genau 26.700 zählte die Branche Ende 2021. Kommen gute Ideen und eine serviceorientierte Begleitförderung zusammen, öffnet der Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft vielen Dienstleistern beste Entwicklungsmöglichkeiten.
zwei junge Männer mit Brille
Die ersten Produkte aus der Ideenschmiede von André (l.) und Lucas Brendler sind marktreif: eine hochkonzentrierte Säure in Pulverform soll helfen, Lebensmittel lange haltbar und verträglich zu machen. Eine natürliche Alternative zu herkömmlichen Konservierungsstoffen made in Bitterfeld-Wolfen. © IHK Halle-Dessau/Uwe Köhn
André und Lucas Brendler warten nicht gern, wenn sie eine gute Idee haben. Etwa die, die sich im wahrsten Sinne des Wortes auf einem Widerspruch in unserem Alltag „speist“. Zum einen steigt die Nachfrage nach Convenience- Lebensmitteln, die mit herkömmlichen Konservierungsstoffen haltbarer gemacht werden. Zum anderen legen immer mehr Verbraucher Wert darauf, sich nachhaltiger und gesünder zu ernähren. Ohne herkömmliche Konservierungsstoffe.
„Das aufzulösen, da wollten wir ran. Und zwar noch während des Studiums“, erinnert sich Lucas Brendler und suchte mit seinem Bruder deutschlandweit nach einem flexibel anmietbaren Chemielabor. Das fanden beide im Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen (TGZ), wo sie das dortige Schülerlabor auf Tagesbasis nutzen konnten. Mit Erfolg.
Gemeinsam wollen wir Ideen und Gründern zum Durchbruch verhelfen.

Sven Horn,
IHK-Geschäftsstellenleiter

Global aktiv, lokal verwurzelt

Inzwischen sind André und Lucas Brendler nicht nur Diplom-Wirtschaftsingenieure, gemeinsam haben sie Ende letzten Jahres auch die SAMPOCHEM GmbH gegründet und sich dauerhaft im TGZ Bitterfeld-Wolfen angesiedelt. Das Patentverfahren für ihre Technologie, mit natürlichen Säureträgern die Haltbarkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit von Lebensmitteln zu verbessern, steht kurz vor dem Abschluss. Die neuen Zusatzstoffe für den Einsatz in Back- und Fleischwaren befinden sich in der Endphase der Entwicklung. Noch in diesem Jahr sollen die ersten marktreifen Produkte folgen. Klappt das, dann verspricht das Geschäftsmodell von SAMPOCHEM Nutzen darüber hinaus. Denn während die Brendlers vor allem Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb im Blick haben, soll die eigentliche Produktion über Lohnhersteller erfolgen und die Wertschöpfung insgesamt stark regional ausgerichtet sein. Dazu passt auch der Wahlspruch der Gründer: Global aktiv. Lokal verwurzelt.

Wirtschaftsförderung braucht mehr Vernetzung

SAMPOCHEM ist nur ein Beispiel dafür, welche Chancen der Umbau der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaneutralität auch für neue Dienstleistungen bietet und mit welchem Tempo neue Ideen auf den Markt drängen. Bei André und Lucas Brendler dauerte die Entwicklung ihres Verfahrens bis heute kurz vor der Patentierung nicht einmal ein Jahr.
„Wollen wir solchen für den Strukturwandel enorm wichtigen Ideen und Gründern zum Durchbruch verhelfen, brauchen wir eine optimierte und flexible Begleitung der Wirtschaftsförderung vor Ort“, sagt Sven Horn, IHK-Geschäftsstellenleiter in Dessau-Roßlau. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen GmbH, Steve Bruder und Elena Herzel, der Geschäftsführerin der Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Anhalt-Bitterfeld mbH (EWG) vernetzt er die Gründungsberatung aller drei Partner in Bitterfeld-Wolfen so, dass sie alles aus einer Hand bietet, was für Gründende relevant ist.
„Damit wollen wir vor allem in den Bereichen Chemie, Green Tech und bei industriellen Dienstleistungen zeigen, wie attraktiv die Region als „Zukunftsort“ geworden ist. Bruder fängt bei den scheinbar kleinen Dingen an: „Oft fehlt es zu Beginn an Kapital für ein eigenes Labor, um Ideen auszuprobieren und zu testen. Wir bieten es.“ Im Rahmen der auf den Weg gebrachten Strategie des TGZ bis 2030 sollen genau solche flexiblen Angebote ausgebaut werden. Hinzu kommt, Bruder und sein Team ermöglichen Zugriff auf das Netzwerk vor Ort. „Mit IHK und EWG sichten wir alle vorhandenen Förderinstrumente, suchen die geeignetsten aus und bringen sie gemeinsam auf den Weg.“

Wirtschaftsförderer bündeln ihre Kräfte unter einem Dach

Im „Haus der Wirtschaft“ in Bitterfeld-Wolfen bündeln TGZ, IHK und EWG ihre Angebote und Kräfte. Neben Laboren, Technika, Büro- und Seminarräumen sowie einer Genehmigungsfähigkeit nach BImSchG finden Unternehmer und Gründer hier auch einen exklusiven Zugang zur Infrastruktur einer der größten Chemieparks Mitteleuropas. Und außerdem:
  • Vermittlung von Beratungskompetenz aus dem Beraterpool des TGZ in den Bereichen Buchführung, Marketing, Kommunikation, Arbeits- und Umweltschutz, Sicherheit sowie Unterstützung bei diesen Themen
  • Türen öffnen zur regionalen Wirtschaft, Verwaltung und Politik sowie zu den Hochschulen und Institutionen im südlichen Sachsen-Anhalt, Magdeburg und Leipzig
  • Unterstützung beim Beantragen von Genehmigungsverfahren, Einrichtung der Büro-, Labor- und Technikbereiche
  • Zugang zu sämtlichen Beratungsleistungen und Netzwerken der Industrie- und Handelskammer
  • Beratungsangebote in Sachen Unternehmensgründung, -begleitung und -führung (ego.-Wissen)
  • Beratungen zu Förderprogrammen und Finanzhilfen (gemeinsam mit der Investitionsbank Sachsen- Anhalt)

Punktgenaue, individuelle Begleitung

Bei SAMPOCHEM etwa reichte das vom Startup-Coaching mit Workshops zu Finanzen und Marketing im Accelerator- Programm auf dem halleschen Weinberg Campus sowie einer Kontaktanbahnung zu Forschungseinrichtung über die Beantragung und eine Mentorenschaft beim Ego.Start-Gründerstipendium bis hin zum Check prinzipieller Förderfähigkeit des Vorhabens und einer
sechs Menschen stehen auf dem Dacht neben einer Solaranlage
Vom Dach des Hauses der Wirtschaft hat man einen weiten Blick in die Region Bitterfeld-Wolfen. Und gut lachen, wenn eine Kooperation wirtschaftliche Früchte trägt: IHK-Geschäftsstellenleiter Sven Horn, EWG-Chefin Elena Herzel, die Gründerbrüder Lucas und André Brendler, Martina Bosse, Gründungsberaterin bei der EWG und TGZ-Leiter Steve Bruder (v. l. n. r.). © IHK Halle-Dessau/Uwe Köhn
unkomplizierten elektronischen Antragstellung bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt. Hinzu kommen gestaffelte Mietsätze im TGZ-Mietlabor und die Option, bei Bedarf flexibel zusätzliche Büros, Technik und Labore anzumieten.
Für André und Lucas Brendler sind all das „bundesweit einzigartige Startbedingungen für junge Chemieunternehmen. Das gemeinsame Begleitangebot aller Wirtschaftsförderer vor Ort, Kontakte zum Chemiepark Bitterfeld- Wolfen oder anderen Gründern beim EWG-Gründerstammtisch oder die Unterstützung bei der Suche nach Servicedienstleistern vom Kontaktbüro der IHK, dank dieser Vernetzung konnten wir schnell in der Region Fuß fassen.“ High Performance in Zukunftstechnologie und deren Begleitung.

Schneller, direkter, digitaler

Nachgefragt bei: Steve Bruder, Geschäftsführer der TGZ Bitterfeld-Wolfen GmbH

Der Strukturwandel verändert auch die Dienstleistungswirtschaft. Was merken Sie davon vor Ort?
Dass vieles schneller, direkter und digitaler wird. Die Ansiedlung von SAMPOCHEM ist ein Seismograph dafür. Für gute Ideen in technologisch anspruchsvollen Bereichen fehlt es heute oft an der nötigen Infrastruktur, um schnell zur Marktreife zu gelangen. Diese Infrastruktur wird immer häufiger via Netzrecherche gefunden. Nach möglichst schneller Klärung des Rahmens geht es los.
Wie stellen Sie sich darauf ein?
Wir schärfen unser Profil mit Themen wie geschlossene Stoffkreisläufe und Wachstumsbranchen wie Chemie und Green Tech. Das machen wir sichtbarer und verbinden es mit einer passfähigen, flexibler nutzbaren Infrastruktur. Rund wird die Sache schließlich mit einer vernetzten Wachstumsbegleitung aller Wirtschaftsförderer vor Ort.