8 min
Lesezeit
Wettbewerbsfähigkeit stärken: Infrastruktur ausbauen
Eine solide Infrastruktur ist essenziell für die wirtschaftliche Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit einer Region. Um die Standortattraktivität zu gewährleisten, müssen Investitionen in diesem Bereich zügiger vorangetrieben werden. Es gilt, den Investitionsstau zu lösen und Infrastruktur bedarfsgerecht zu erweitern. Der Verkehrsträgermix ist bedarfsabhängig zu gestalten und sollte keinen ideologischen Vorgaben folgen, die in der Praxis nicht funktionieren. Was sich 2025 getan hat.
- Kommunale Wärmepläne: Weichen stellen für grüne Wärme in Sachsen-Anhalt
- Finanzierung der Energiewende: Wärmeversorgung: Gutes in die Breite tragen
- Innenstädte brauchen neue Impulse: Weißenfels im Wandel
- Best practice Unternehmensbeispiele: "Go green" im Pharmapark Dessau
- Auf dem Weg zur Klimaneutralität: Erste Lösungen in Reichweite
Kommunale Wärmepläne: Weichen stellen für grüne Wärme in Sachsen-Anhalt
Damit Wärme in Deutschland immer grüner und die Energiewende erfolgreich bewältigt werden kann, brachten im Jahr 2025 bundesweit Kommunen ihre Wärmepläne voran. Denn die für die Wärmeversorgung benötigte Energie stammt zu zwei Dritteln aus fossilen Brennstoffen. Gleichzeitig soll sie abgesichert werden und bezahlbar bleiben.
In Halle (Saale) steckt das größte Potenzial dafür im Ausbau des Fernwärme- und Stromnetzes sowie in der Erschließung klimaneutraler Wärmequellen. Mithilfe eines umweltökonomischen Ansatzes sollen ökologische Aspekte eng mit wirtschaftlichen und sozialen verbunden werden. Im September 2025 startete die vorgesehene Bürgerbeteiligung zum Entwurf des Kommunalen Wärmeplans, im Frühjahr 2026 wird der Stadtrat final darüber entscheiden.
Mit nur rund 38.000 Einwohnern hat die Stadt Weißenfels zwei Jahre länger Zeit für diesen Prozess. Besonders ist hier, dass die Stadtwerke auch zwölf eingemeindete Ortschaften mitversorgen. Dabei soll nun ebenfalls auf Fernwärme und einen Ringschluss der drei heute noch autark betriebenen Fernwärmenetze gesetzt werden, ergänzt von Strom und grünen Gasen. Der sich abzeichnende Energiemix, der für die Bewältigung der Energiewende in beiden Städten herangezogen wird, setzt also stark auf die Nutzung öffentlicher Ressourcen und das Schließen lokaler Stoffkreisläufe, was gleichzeitig die regionale Unabhängigkeit wesentlich erhöhen und vor dem Hintergrund der zurückliegenden Energiepreiskrise wertvolles Potenzial bilden kann.
Ein weniger klares Bild zeigte sich indes in der Gemeinde Muldestausee in Anhalt-Bitterfeld. Die 11.500 Einwohner eines Zusammenschlusses aus 13 Ortschaften gründeten ein Energieeffizienznetzwerk, um die Kommunale Wärmeplanung gemeinsam in die Hand zu nehmen. Hier wurde jedoch schnell klar, dass zwar jenes, jedoch nicht die Erstellung eines Wärmeplanes gefördert werde. Eine weitere Achillesferse: Die geplante Solaranlage auf ehemaligem Kippengelände galt zwar als grundsätzlich politisch ausdrücklich empfohlene Maßnahme, die Vorstellungen der zuständigen öffentlichen Beteiligten waren jedoch nicht in Einklang zu bringen.
Drei große Fragen blieben im Jahr 2025 in den Kommunen noch unbeantwortet:
- Wie kann der enorme Investitionsmehrbedarf finanziert werden?
- Wie sind hinreichend Ingenieure und Fachkräfte zu gewinnen, die die Pläne umsetzen?
- Wie werden Wärmeplanungs- und Gebäudeenergiegesetz so verzahnt, dass den Planungen auch verbindliche Umsetzungen folgen?
Finanzierung der Energiewende: Wärmeversorgung: Gutes in die Breite tragen
Es ist ein milliardenschweres Gemeinschaftsprojekt, die Wärmeversorgung in Deutschland bis 2045 klimaneutral zu gestalten. Gelingen kann das nur im Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Für die stärksten Träger der Energiewende, allen voran die kommunalen Energieversorger, erfordert das vor allem viel Planungssicherheit.
Wie das enorme Transformationsvorhaben finanziert werden kann (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 3571 KB), darüber diskutierten IHK-Vizepräsident Matthias Lux (Stadtwerke Halle GmbH) und der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Finanzdienstleistungen der IHK Halle-Dessau, René Viehstädt (Deutsche Kreditbank DKB AG), im Oktober 2025 in der Mitteldeutschen Wirtschaft. Den Mehrbedarf an Investitionen der Stadtwerke Halle bis 2034 in Höhe von 1,2 Milliarden Euro beschreibt Geschäftsführer Matthias Lux als grundsätzlich zu bewältigen. Beim Einsatz von Fremd- und Eigenkapital werde zum Beispiel bereits seit Beginn des Prozesses gemeinsam mit der Stadt Halle als Gesellschafterin nach der besten Lösung gesucht, doch das allein reiche nicht.
Blick in den Energiepark Dieselstrasse in Halle (Saale)
Mit einem Kreditvolumen von rund 17 Milliarden Euro größte Finanziererin der Energiewende, spielt die DKB bereits von Beginn an eine wichtige Rolle bei der Realisierung entsprechender Vorhaben. Das sei möglich, weil die Organisation stetig angepasst, die eigenen Kompetenzen erweitert und Partnernetzwerke, auch zu anderen Banken und Finanzierungspartnern, ausgebaut würden, erläuterte Viehstädt.
Was zur Finanzierung der Transformationsvorhaben im Interview mit beiden zur Sprache kam, hier kompakt zusammengefasst:
- In Deutschland stammen inzwischen bereits über 50 Prozent des Bruttostroms aus regenerativen Quellen, ab jetzt müssten jedoch Preise viel stärker in den Fokus rücken.
- Für den Erfolg des Vorhabens ist es wesentlich, dass die Stadtwerke Halle in den nächsten Jahren Eigenkapital als Finanzierungsbasis stärken. Möglich werde dies u. a. durch ein Effizienz- und Ergebnissteigerungsprogramm.
- Ohne Fördermittel keine Energiewende: Bundesprogramme sollten ausfinanziert sein, der angekündigte Investitionsfonds für die Energieinfrastruktur müsse nun zügig terminiert und ausgestaltet, Genehmigungsprozesse verkürzt und Technikstandards gesetzt werden, um die entstehende Marktdynamik zu erhalten.
- Klare und verlässliche Ziele, viel Gestaltungsspielraum und mehr Preissignale wären für eine optimale Marktentwicklung in den nächsten Jahren hilfreich.
- Die Versorgungsunabhängigkeit müsse neben der Versorgungssicherheit stärker im Vordergrund stehen, denn neue eigene Technologien brächten mit ihrer Weiterentwicklung auch neue Handlungsoptionen für die Preisgestaltung mit sich.
Abschließend betonten beide, dass Vieles bereits gut funktioniere und Projekte erfolgreich umgesetzt wurden, dies nun jedoch noch mehr in die Breite getragen werden müsse.
Innenstädte brauchen neue Impulse: Weißenfels im Wandel
Jüdenstraße in Weißenfels
Bevölkerungs- und Kaufkraftverlust nach der Wende, Einkaufszentrum auf der grünen Wiese und jahrelanger Verlust an Lebensqualität: Bis Anfang 2026 will Weißenfels mit einem neuen Einzelhandels- und Zentrenkonzept auch die Planungssicherheit für Investoren erhöhen, um das Interesse an der Innenstadt zu stärken.
Um die Innenstadt von Weißenfels wieder zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt zu machen, sieht Oberbürgermeister Martin Papke einen Lösungsansatz in der Gestaltung eines neuen attraktiven Nutzungsmixes in Verbindung mit der nötigen Infrastruktur.
Einen langen Atem und gute Ideen bewies er dabei zum Beispiel, als er Unternehmerin Karolin Schubert zu einer reibungslosen Umsetzung ihres eigenen Konzeptmixes im Zentrum verhalf. Ihr Café Marche, das sich in direkter Nähe zu ihrer Physiotherapie und ihrem Schuhgeschäft befindet, zeigt, was Innenstädte wieder attraktiver machen kann: mehr Dienstleistung, Genuss- und Wohlfühlangebote, hinter denen Unternehmer mit dem beständigen Glauben stehen, dass sich Qualität am Ende durchsetzt.
Papke nutzt dazu nicht nur das Engagement eines Arbeitskreises, er begibt sich auch direkt selbst auf die Suche, warum Häuser unsaniert bleiben und fördert deren Sanierung dann gezielt, indem er Fördermittel organisiert und auf die zügige Bearbeitung von Bauanträgen achtet. Daneben setzt Papke auf den direkten Kontakt und die Vernetzung der Innenstädter.
Da war es nur naheliegend, dass die IHK-Geschäftsstelle Weißenfels auch ihre Unternehmensschmiede in Schuberts Café stattfinden ließ, bei der Gründungsinteressierte und Gründer alle acht Wochen auf hilfreiche Impulse und Ansprechpartner treffen, die Gründungshürden mildern.
Best practice Unternehmensbeispiele: "Go green" im Pharmapark Dessau
Wunderschöner Blick auf den Biopharmapark Dessau
Wie neue Dienstleistungsangebote dabei helfen können, eine Brücke zwischen den Herausforderungen der Energiewende und dem Bedarf regional ansässiger Unternehmen zu schlagen, lässt sich am Beispiel der TEW Servicegesellschaft im Biopharmapark Dessau (TEW) zeigen.
Mit den inzwischen mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wirkt das Unternehmen seit mehr als 30 Jahren als “unsichtbare Kraft im Hintergrund” daran, dem gesamten Versorgungsgebiet des Biopharmaparks mit 136 Hektar Fläche und über 2.700 Mitarbeitern international agierender Unternehmen wie IDT Biologika, Merz, Oncotec oder Ceva eine besonders werthaltige Erzeugung ihrer Produkte zu ermöglichen. TEW realisiert das, in dem es sich als Standortbetreiber und -dienstleister ganzheitlich um die Peripherie bemüht, die einen attraktiven Wirtschaftsstandort ausmacht.
Aktuell gehören dazu im Namen des ökologischen Wandels und der digitalen Transformation auch der Einsatz erneuerbarer Energiequellen, die eine möglichst klimaneutrale Energie- und Wasserversorgung gewährleisten und die Unternehmen im Park damit nicht nur von dieser Aufgabe entlasten, sondern ihnen zugleich eine Grundlage ihres Markterfolgs schaffen. Und auch die Standortentwicklung im Park profitiert davon, weil die Attraktivität für weitere Ansiedlungen wächst.
Um die Energieversorgung vor Ort bis 2035 vollständig nachhaltig zu gestalten, wurde 2025 mit dem Bau einer 12-Megawatt-Photovoltaikanlage begonnen, die ab dem dritten Quartal 2026 “grünen Strom” für etwa 30 Prozent der im Park benötigten Elektroenergie liefern wird. Dabei wird stets auf planbare und möglichst verlässliche Energiepreise geachtet.
Auf dem Weg zur Klimaneutralität: Erste Lösungen in Reichweite
Manche Industriezweige stehen in besonderem Maß vor der Herausforderung, Lösungswege für ihre hohen prozessbedingt austretenden CO2-Emissionen zu finden, die nicht durch eine Abschaffung fossiler Energieträger zu begrenzen sind. Kohlendioxid weiterzuverwenden, könnte hier Abhilfe schaffen.
Betroffen ist zum Beispiel die Zementindustrie, bei der das Kohlendioxid prozessbedingt durch die Verarbeitung des Kalksteins austritt. Der Einsatz des sogenannten CCUS-Verfahrens (Carbon Capture, Utilisation and Storage), das einen entscheidenden Baustein für die Transformation zur Klimaneutralität schaffen könnte, war jedoch gesetzlich bisher nicht geregelt.
Im Jahr 2025 brachte die neue Bundesregierung eine Novellierung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG) auf den Weg, mit dem es nun kommerziell im industriellen Maßstab möglich werden soll, CO2-Emissionen abzuscheiden, in Produkten zu binden oder unterirdisch zu speichern.
Bis zu einer Kreislaufwirtschaft des Kohlenstoffs ist es jedoch noch ein langer Weg: Erkenntnisse des IW zeigen, dass die Akzeptanz deutschlandweit mit zunehmender Nähe des eigenen Wohnortes zu CO2-Pipelines oder einem CCUS-Industriestandort deutlich sinkt. Initiativen wie das Forum Rathenau e. V. organisieren entsprechende Dialoge und Debatten mit dem Ziel, marktfähige Lösungen zu finden.
Unternehmen wie die Schwenk Zement GmbH & Co. KG und die Thomas-Gruppe erwarten dabei auch mehr Geschwindigkeit und technologieoffene Rahmenbedingungen von der Politik.
Zur Carbon-Management-Strategie informiert das Bundeswirtschaftsministerium online.
Kontakt
Hendrik Senkbeil