SIHK-Pressemeldung
SIHK-Nachfolgetag: Mit Mut und Verantwortung die Zukunft gestalten
Wie gelingt der Generationswechsel im Mittelstand? Welche Herausforderungen müssen Unternehmerinnen und Unternehmer meistern, wenn sie ihren Betrieb übergeben oder übernehmen wollen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des SIHK-Nachfolgetags am 13. Oktober in Hagen. Unter dem Motto „Unternehmen weiterdenken. Zukunft übergeben.“ brachte die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) Unternehmer, Nachfolgeinteressierte sowie Vertreter aus Wirtschaft und Politik zusammen.
Wie anspruchsvoll, aber auch chancenreich eine Unternehmensnachfolge sein kann, verdeutlichte SIHK-Vizepräsident Alexander Alberts bereits zur Begrüßung. Der Unternehmer führt die Gustav Alberts GmbH & Co. KG in Herscheid, die seit 1852 in fünfter Generation besteht.
„Nachfolge bedeutet nicht, einfach das weiterzumachen, was die Generation vorher gemacht hat. Es geht vielmehr darum, zu verstehen, was man bewahren sollte und was man verändern muss“, betonte Alberts.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Themas ist enorm: Nach Berechnungen von IHK NRW stehen in Nordrhein-Westfalen innerhalb von zehn Jahren rund 305.000 Familienunternehmen mit insgesamt 1,8 Millionen Beschäftigten vor einem Generationswechsel. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt von Unternehmen und Arbeitsplätzen, sondern auch um die Zukunftsfähigkeit ganzer Wirtschaftsregionen.
Wie eine Unternehmensnachfolge in der Praxis gelingen kann, zeigten beim SIHK-Nachfolgetag verschiedene Unternehmerpersönlichkeiten. Andreas Luthe, Vorstandsvorsitzender des VfL Bochum 1848, setzte mit seiner Keynote Impulse zu Führung, Verantwortung und Veränderung. Einblicke in unternehmerische Erfahrungen gab unter anderem Marius Overkott von der Röder Hausverwaltung GmbH aus Wetter.
Über die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgreicher Übergaben in Nordrhein-Westfalen diskutierten Dr. Ralf Mittelstädt (Hauptgeschäftsführer IHK NRW), Ingo Otten (Bürgschaftsbank NRW) und Vanessa Gosch (Geschäftsführerin Althaus Gosch, Hemer).
Ein Höhepunkt war die Verleihung des Nachfolgepreises NRW 2026 durch IHK NRW und die Bürgschaftsbank NRW. Ausgezeichnet wurden beispielhafte Unternehmensnachfolgen in den Kategorien „Positiver Wandel“, „Beste Vorbereitung“ und „Mut zum Unternehmertum“.
Mit dem Nachfolgetag unterstrich die SIHK die Bedeutung frühzeitiger Nachfolgeplanung. Alberts ermutigte insbesondere diejenigen, die vor einer Unternehmensübernahme stehen: „Haben Sie Respekt vor dieser Aufgabe, aber haben Sie keine Angst vor ihr.“ Denn Nachfolge bedeute nicht nur, dass etwas ende, sondern vor allem, dass etwas weitergehe.
IHK NRW und Bürgschaftsbank NRW würdigen unternehmerischen Mut, positive Veränderungen und sorgfältig vorbereitete Unternehmensübernahmen
Erfolgreiche Unternehmensnachfolgen sichern Arbeitsplätze, bewahren unternehmerisches Know-how und schaffen neue Perspektiven. Im Rahmen des diesjährigen Nachfolgetags der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) wurde gestern der Nachfolgepreis.NRW 2026 verliehen. Ausgezeichnet wurden vier Nachfolger, die zeigen, wie vielfältig der Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit sein kann.
Mit dem Preis würdigen IHK NRW und die Bürgschaftsbank NRW gelungene Unternehmensübergaben und das Engagement der Menschen, die Verantwortung für bestehende Betriebe übernehmen. Die Preisträger stehen beispielhaft für die Chancen, die eine Nachfolge bietet, und für ihren Beitrag zur Zukunft des Wirtschaftsstandorts Nordrhein-Westfalen.
Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer von IHK NRW, erklärt: „Unternehmensnachfolge ist eine zentrale Zukunftsaufgabe für unseren Wirtschaftsstandort. Werden Betriebe erfolgreich übergeben, bleiben Arbeitsplätze, Wissen und gewachsene Kundenbeziehungen erhalten. Zugleich bringen Nachfolger neue Ideen und Impulse ein. Die diesjährigen Preisträger zeigen, welche Chancen eine Unternehmensübernahme bietet. Wir wollen deshalb noch mehr Unternehmer dazu ermutigen, ihre Nachfolge frühzeitig zu planen, und mehr Menschen dafür gewinnen, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.“
Neben unternehmerischem Mut ist eine solide Finanzierung entscheidend für das Gelingen einer Übernahme. Ingo Otten, Leiter Kreditabteilung der Bürgschaftsbank NRW, betont: „“Wer ein Unternehmen übernimmt, investiert nicht nur in die eigene Zukunft, sondern auch in die Zukunft eines bestehenden Betriebs und seiner Mitarbeitenden. Dafür braucht es neben einer überzeugenden Idee auch Finanzierungspartner, die an das Vorhaben glauben. Gerade wenn die erforderlichen Sicherheiten fehlen, können Bürgschaften den entscheidenden Unterschied machen. Wir wollen dazu beitragen, dass gute Nachfolgekonzepte nicht an der Finanzierung scheitern. Die vier Preisträger zeigen eindrucksvoll, welches unternehmerische Potenzial in gelungenen Nachfolgen steckt.“
Die Preisträger des Nachfolgepreises.NRW 2026
Auf dem Bild: Die Preisträger 2026 + Dr. Nikolaus Paffenholz / Nina Felek (Moderation) / Christine Währisch (Referatsleiterin, Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie des Landes NRW), Dr. Ralf Mittelstädt (Hauptgeschäftsführer IHK NRW) / Ingo Otten (Leiter Kreditabteilung Bürgschaftsbank NRW)
Kategorie „Positiver Wandel“: Dr. Jan Nicolas Klug, rubitec GmbH
(Laudatio: Ingo Otten, Leiter Kreditabteilung Bürgschaftsbank NRW)
Vom Geschäftsführer zum Unternehmer: Dr. Jan Nicolas Klug hat die rubitec GmbH in Bochum übernommen und nutzt den Wechsel in die unternehmerische Verantwortung, um das hochspezialisierte Technologieunternehmen weiterzuentwickeln. Mit Investitionen in Gebäude und moderne Anlagen, der Erschließung neuer Anwendungsfelder und einer engen Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum, stellt Klug die Weichen für weiteres Wachstum. Die Jury würdigte seinen Gestaltungswillen und die Verbindung aus technologischer Kompetenz, Investitionsbereitschaft und strategischer Weiterentwicklung.
Kategorie „Mut zum Unternehmertum“: Aschkan Akbari, Pleister Mühle
(Laudatio: Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer IHK NRW)
Nach einem Rückschlag wieder durchstarten: Aschkan Akbaris Weg zum eigenen Unternehmen begann als Küchenhilfe. Bereits mit 24 Jahren wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit, musste jedoch sein erstes Unternehmen nach kurzer Zeit aufgeben. Seinen Traum vom eigenen Restaurant verlor er trotzdem nicht aus den Augen und übernahm Anfang 2024 den traditionsreichen Landgasthof Pleister Mühle in Münster, in dem er zuvor bereits als Assistent der Geschäftsführung tätig war. Mit neuen gastronomischen Angeboten, Investitionen und einer sehr teamorientierten Führung entwickelte er den Betrieb erfolgreich weiter. Für die Jury ist sein Weg ein besonderes Beispiel für unternehmerische Beharrlichkeit und den Mut, nach einer Niederlage einen neuen Anlauf zu wagen.
Kategorie „Mut zum Unternehmertum“: Frauke Baumert, BabyOne OWL
(Laudatio: Christine Währisch, Referatsleiterin im Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie des Landes NRW)
Von der Industrie in den Einzelhandel: Nach rund 30 Jahren Berufserfahrung in der Industrie entschied sich Frauke Baumert für einen grundlegenden beruflichen Neuanfang. Sie übernahm drei BabyOne-Fachmärkte in Ostwestfalen – obwohl sie zuvor weder im Einzelhandel noch in der Branche für Baby- und Kleinkinderprodukte tätig gewesen war. Mit ihrer Führungserfahrung, einem klaren Blick auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen und neuen Impulsen für Sortiment, Prozesse und Kundenansprache gestaltet sie die Zukunft der drei Standorte. Die Jury überzeugte insbesondere ihre Bereitschaft, eine etablierte Karriere hinter sich zu lassen, sich in ein völlig neues Geschäftsfeld einzuarbeiten und Verantwortung für gleich drei Betriebe zu übernehmen.
In der Kategorie „Mut zum Unternehmertum“ vergab die Jury den Preis in diesem Jahr gleich zweimal. Beide Nachfolgegeschichten überzeugten auf unterschiedliche Weise so sehr, dass sich die Jury bewusst für eine doppelte Auszeichnung entschied.
Kategorie „Beste Vorbereitung“: Christopher Stahlhacke, AKQUISOR e.K.
(Laudatio: Alexander Alberts, Vizepräsident SIHK zu Hagen)
Mit Erfahrung, Weitsicht und einem klaren Plan in die Selbstständigkeit: Christopher Stahlhacke fand sein Nachfolgeunternehmen über die Unternehmensnachfolgebörse nexxt-change. Vor der Übernahme des auf B2B-Neukundengewinnung spezialisierten Dienstleisters Langer setzte er sich intensiv mit dessen Geschäftsmodell, wirtschaftlichen Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten auseinander. Dabei konnte er auf seine langjährige Erfahrung im industriellen Vertrieb zurückgreifen. Nach der Übernahme stellte er das Unternehmen unter dem neuen Namen AKQUISOR strategisch und organisatorisch neu auf: mit digitalisierten Prozessen, klareren Verantwortlichkeiten, modernen Arbeitsbedingungen und zusätzlichen Dienstleistungen. Die Jury würdigte insbesondere die systematische Prüfung des Übernahmevorhabens und die konsequente Umsetzung seiner unternehmerischen Vorstellungen.
Die Industrie- und Handelskammern in NRW bieten Übernehmern landesweite Angebote in Form von individuellen Beratungen, regelmäßigen Nachfolgereports mit regionalen Auswertungen, Seminaren, Zertifikatslehrgängen, Nachfolgepools, Unternehmenswerkstatt, Netzwerkmöglichkeiten und vielem mehr an, um bei der Nachfolgeplanung zu unterstützen. Gerne können sich Interessierte an ihre IHK vor Ort wenden. Finanzielle Unterstützung bei Nachfolgen und Existenzgründungen bietet die Bürgschaftsbank NRW, die mit ihren Bürgschaften und Garantien als zuverlässiger Partner bei der Absicherung von Krediten fungiert.