SIHK-Pressemeldung

Industrie unter Druck – Unternehmen stellen sich strategisch breiter auf

Angesichts der anhaltend hohen wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen stellen sich zahlreiche Industrieunternehmen in Südwestfalen strategisch breiter auf. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammern Arnsberg, Hagen und Siegen, an der sich 483 Industrieunternehmen beteiligt haben.
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (57 Prozent) sieht einen Diversifizierungsbedarf im eigenen Unternehmen. Davon geben etwa 32 Prozent an, das Portfolio in den letzten Jahren bereits diversifiziert zu haben; 25 Prozent planen dies für die nächsten Jahre.
„Viele Unternehmen prüfen derzeit sehr genau, wie sie ihre vorhandenen Kompetenzen für zusätzliche Anwendungen und Märkte nutzen können. Dabei geht es nicht nur um neue Produkte, sondern häufig auch um die Weiterentwicklung bestehender Technologien und Geschäftsmodelle“, so Jörg Nolte, Hauptgeschäftsführer der IHK Arnsberg, Hellweg Sauerland.
Besonders groß sind die Erwartungen im Bereich Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. 46 Prozent der Unternehmen sehen hier Chancen für ihr Geschäft. Besonders Unternehmen aus der Metallverarbeitung, dem Maschinenbau und der Automotive und Zulieferindustrie prüfen verstärkt, wie sich bestehende Kapazitäten künftig auch für sicherheitsrelevante Anwendungen einsetzen lassen.
Neben der Erschließung neuer Märkte bleibt die technologische Transformation ein zentrales Zukunftsthema. Acht von zehn Industriebetrieben sehen einen hohen Handlungsbedarf bei Digitalisierung, Datenverarbeitung und Künstlicher Intelligenz. Diese Entwicklungen werden zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.
Um Unternehmen bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder und der Entwicklung innovativer Marktstrategien zu unterstützen, begleitet die SIHK zu Hagen gemeinsam mit ihren Partnern diesen Prozess im Rahmen der „Industrieoffensive Märkische Region“. Die Initiative bietet branchenspezifische Netzwerkveranstaltungen, Unternehmerreisen sowie Workshops zum applikationsunabhängigen Denken an. Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, vorhandene Kompetenzen und Technologien für neue Anwendungen und Märkte nutzbar zu machen.
„Die Region verfügt über eine starke Industrie und technologische Expertise“, betont SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat. „Gerade in neuen Marktsegmenten ergeben sich daraus Chancen, bestehende Stärken weiterzuentwickeln und neue Perspektiven zu erschließen.“
Ausgangspunkt dieser Entwicklung ist der anhaltend schwierige wirtschaftliche Rahmen. Hohe Energie- und Rohstoffpreise, Unsicherheiten in internationalen Lieferketten sowie steigende Standortkosten belasten viele Betriebe. Dies zeigt sich auch in der Investitionsbereitschaft: Nur 14 Prozent der Unternehmen planen derzeit höhere Investitionen, während 36 Prozent mit einem Rückgang rechnen und viele Vorhaben verschieben oder ganz aufgeben.
Diese Rahmenbedingungen wirken sich zunehmend auf die strategische Ausrichtung der Betriebe aus. Dr. Thilo Pahl, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen:
„Die aktuelle Situation ist für viele Betriebe Herausforderung und Treiber zugleich. Wir sehen eine Industrie, die unter Druck nicht stehen bleibt, sondern sich verändert. Viele Unternehmen suchen gezielt nach neuen Geschäftsfeldern, weil die bisherigen Märkte allein keine ausreichende Perspektive mehr bieten. Damit gehen sie jedoch auch unternehmerische Risiken ein.“
Neben neuen Geschäftsfeldern gewinnen auch internationale Kooperationen und strategische Partnerschaften an Bedeutung. Ziel vieler Unternehmen ist es, ihr Geschäftsmodell widerstandsfähiger aufzustellen und zusätzliche Standbeine zu entwickeln.
Zugleich bleibt klar: Ob aus dieser Transformation neue Wachstumsimpulse entstehen, hängt maßgeblich von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.