Südwestfälische Wirtschaft
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Gefragte Zulieferer

Sicherheit „Made in Südwestfalen“

Von intelligenten Computersystemen über Hochleistungswerkstoffe bis hin zur Präzisionstechnik: Immer mehr mittelständische Unternehmen aus der Region entwickeln Schlüsseltechnologien für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
Wenn von Sicherheits- und Verteidigungsindustrie die Rede ist, denken viele zunächst an Panzer, Flugzeuge oder große Rüstungskonzerne. Tatsächlich beginnt moderne Verteidigungstechnologie jedoch deutlich früher – bei hochspezialisierten Zulieferern, die Schlüsselkomponenten, intelligente Materialien oder digitale Systeme entwickeln. Auch im Märkischen Südwestfalen sind Unternehmen beheimatet, deren Technologien heute in sicherheitskritischen Anwendungen rund um den Globus eingesetzt werden.
Die veränderte geopolitische Lage, steigende Verteidigungsausgaben in Europa und der Ausbau sicherheitsrelevanter Infrastruktur eröffnen vielen mittelständischen Betrieben neue Perspektiven. Gefragt sind längst nicht mehr ausschließlich klassische Wehrtechnik oder Waffensysteme. Vor allem Innovationen aus den Bereichen Digitalisierung, Werkstofftechnik und Produktionstechnologie gewinnen zunehmend an Bedeutung – Bereiche, in denen zahlreiche Unternehmen der Region seit Jahrzehnten über ausgewiesene Kompetenzen verfügen.

Innovationen aus Lüdenscheid

Ein Beispiel ist die Hotset GmbH aus Lüdenscheid. Das 1973 gegründete Unternehmen wird heute in dritter Generation von CEO Daniel Honsel gemeinsam mit Geschäftsführer Sven Braatz geführt und beschäftigt weltweit ca. 350 Mitarbeitende an sechs Standorten. Im Stammwerk in Lüdenscheid entwickelt Hotset innovative Lösungen für die industrielle Beheizungs- und Wärmetechnik. „Als Zulieferer und Entwicklungspartner begleiten wir unsere Kunden in Kunststoff-, Oberflächen- und Heißkanaltechnik, Werkzeugbau, Gießereiwesen, Lebensmittel- und Verpackungstechnik sowie vielen weiteren Industriezweigen bei der Optimierung thermodynamischer Prozesse. Seit einigen Jahren kommen unsere Produkte zudem verstärkt in den Produktionsprozessen für die Sicherheits- und Verteidigungstechnik zum Einsatz“, erklärt Daniel Honsel.
Mit seiner US-Tochter hat sich das Unternehmen sogar als Lieferant für das amerikanische Verteidigungsministerium qualifiziert und kann sich an entsprechenden Ausschreibungen beteiligen. Für Honsel zeigt sich daran deutlich, dass moderne Verteidigungsfähigkeit längst nicht mehr allein von den Endprodukten abhängt, sondern ebenso von leistungsfähigen industriellen Systemkomponenten.
Wir beteiligen uns beispielsweise beim Thermomanagement für Drohnen, damit diese in großen Flughöhen operieren können.
Mit der Mitgliedschaft im Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) unterstreicht hotset zudem seine strategische Ausrichtung. „Wir wollen mit unseren Produkten einen Beitrag dazu leisten, dass Europa langfristig sicher und wehrfähig bleibt“, betont Honsel. Die stärkere Ausrichtung auf sicherheitsrelevante Anwendungen bringt allerdings auch neue Herausforderungen mit sich. „Uns ist durchaus bewusst, dass wir dadurch verstärkt in das Visier von Cyberkriminellen geraten.“ Entsprechend wurden die eigenen Maßnahmen zur Cybersicherheit konsequent ausgebaut.

Robuste IT aus Meinerzhagen

Wie wichtig digitale Sicherheit inzwischen geworden ist, zeigt auch die iesy GmbH aus Meinerzhagen. Gegründet wurde das Unternehmen 1966 in Kierspe, bevor es 2009 seinen Stammsitz nach Meinerzhagen verlagerte. In dem damals speziell konzipierten Neubau im Industriegebiet Darmche wurde bis zum heutigen Tag stetig investiert. Heute wird das Unternehmen von Martin Steger, Inhaber und CEO, sowie CCO Dennis Nejdrowski geführt. iesy beschäftigt aktuell rund 50 Mitarbeitende und entwickelt robuste Embedded-Computer und IT-Systeme für militärische Fahrzeuge, mobile Gefechtsstände, Feldkommunikation sowie kritische Infrastrukturen wie Leit- und Steuerungssysteme im Schienenverkehr.
Unsere kundenspezifischen Rechner sind für extreme Umweltbedingungen ausgelegt und erfüllen höchste Anforderungen an Ausfallsicherheit und Cyberschutz.
So kommen iesy-Systeme etwa in Führungs- und Kommunikationssystemen militärischer Fahrzeuge zum Einsatz, wo Ausfallzeiten schlicht nicht vorgesehen sind. Gleichzeitig verfolgt iesy konsequent das Ziel der digitalen Souveränität: Hard- und Software werden weitgehend im eigenen Haus entwickelt, um größtmögliche Unabhängigkeit und Sicherheit zu gewährleisten – ein Ansatz, der angesichts zunehmender Cyberbedrohungen immer wichtiger wird.
„Unsere Stärke liegt im Design spezialisierter modularer Embedded Plattformen – von der ersten Konzeption bis zur Serienfertigung. Wir entwickeln passgenaue Lösungen, die den strengen Vorgaben sicherheitskritischer Bereiche gerecht werden“, erklärt Dennis Nejdrowski. iesy ist im Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) engagiert und damit eng in die verteidigungspolitische Industrievernetzung eingebunden. Auch auf regionaler Ebene ist das Unternehmen aktiv: Dennis Nejdrowski leitet seit Mai 2026 das FachForum Wirtschaft und Gesamtverteidigung der SIHK zu Hagen und bringt die Perspektive des Mittelstands so direkt in den Dialog zwischen Industrie, Politik und Streitkräften ein. „Technologische Souveränität ist heute ein entscheidender Faktor für Sicherheit und Handlungsfähigkeit: Die Einsatzbereitschaft moderner Systeme hängt davon ab, wie stabil und transparent die zugrundeliegenden Elektronik-Lieferketten aufgebaut sind – nicht erst auf dem Gefechtsfeld, sondern schon in der Entwicklung“, betont er.
Die zwei Unternehmen stehen stellvertretend für zahlreiche spezialisierte Mittelständler in Südwestfalen. Viele ihrer Kompetenzen stammen ursprünglich aus dem Maschinenbau, der Automobilindustrie oder der industriellen Fertigung. Heute übertragen sie dieses Know-how zunehmend auf sicherheitsrelevante Anwendungen. Dabei entstehen keine kompletten Waffensysteme – wohl aber Schlüsseltechnologien, ohne die moderne Sicherheits- und Verteidigungssysteme kaum denkbar wären.
Für den Wirtschaftsstandort Südwestfalen eröffnet diese Entwicklung neue Chancen. Mit hoher Innovationskraft, ausgeprägter Materialkompetenz und großer industrieller Fertigungstiefe verfügt der Mittelstand über beste Voraussetzungen, sich als verlässlicher Partner in europäischen Wertschöpfungsketten zu etablieren. Sicherheit entsteht damit nicht erst auf dem Gefechtsfeld, sondern bereits in den Entwicklungsabteilungen, Laboren und Produktionshallen der Region.