Positionen
Wirtschaft und Verteidigung - IHK-Organisation als zentrale Klammer
Sicherheit, Verteidigungsfähigkeit und wirtschaftliche Stärke sind heute enger miteinander verbunden. Die IHK-Organisation bringt die Perspektive der Unternehmen in die sicherheitspolitische Diskussion ein und setzt sich dafür ein, dass neue Anforderungen mit Wettbewerbsfähigkeit, Investitionsfähigkeit und praxistauglichen Rahmenbedingungen verbunden werden.
IHKs als Schnittstelle zur Wirtschaft
Die sicherheitspolitische Zeitenwende betrifft längst nicht nur Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Leistungsfähige Infrastruktur, industrielle Kapazitäten, Fachkräfte, technologische Kompetenzen und verlässliche internationale Lieferketten sind Voraussetzungen für die Handlungsfähigkeit von Wirtschaft und Staat.
Die IHKs übernehmen dabei eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen Unternehmen, Politik, Verwaltung und Bundeswehr. Sie informieren über aktuelle Entwicklungen, nehmen Bedarfe und Hemmnisse der Unternehmen auf, bringen diese in politische Entscheidungsprozesse ein und schaffen Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung.
Bei internationalen Fragestellungen ergänzt das weltweite Netz der Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) diese Arbeit. Die AHKs unterstützen Unternehmen beim Zugang zu Auslandsmärkten, vermitteln Geschäftspartner und begleiten den Aufbau grenzüberschreitender Kooperationen und Lieferketten.
Was aus Sicht der IHK-Organisation jetzt wichtig ist
- Infrastruktur schneller modernisieren: Verkehrswege, Energieversorgung und digitale Netze müssen leistungsfähig und verlässlich sein. Planungs- und Genehmigungsverfahren sollten deshalb deutlich beschleunigt werden. Gleichzeitig müssen Rechtssicherheit und die Entwicklungsmöglichkeiten bestehender Unternehmen gewahrt bleiben.
- Fachkräfte und Verteidigungsfähigkeit zusammendenken: Bundeswehr und Wirtschaft benötigen vielfach dieselben knappen Fachkräfte. Wehrdienst und Reserve müssen deshalb so ausgestaltet werden, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen nicht unverhältnismäßig belastet werden. Betriebliche Belange und eine angemessene Kompensation bei Freistellungen sind zu berücksichtigen.
- Verlässliche Rahmenbedingungen für Defence schaffen: Unternehmen investieren nur dann langfristig in zusätzliche Kapazitäten, Technologien und Personal, wenn Nachfrage und Rahmenbedingungen planbar sind. Notwendig sind schnellere Beschaffungsprozesse, weniger Bürokratie, geeignete Finanzierungs- und Förderbedingungen sowie bessere Zugänge für Mittelstand und Start-ups.
- Resilienz stärken, Doppelregulierung vermeiden: Wirtschaftsschutz, Cybersecurity und widerstandsfähige Infrastruktur gewinnen an Bedeutung. Neue gesetzliche Anforderungen müssen jedoch aufeinander abgestimmt, verhältnismäßig und insbesondere für KMU praktikabel ausgestaltet werden.
- Technologische Souveränität stärken: Europa sollte eigene Fähigkeiten bei Schlüsseltechnologien, kritischen Komponenten und Rohstoffen ausbauen und einseitige Abhängigkeiten reduzieren. Technologische Souveränität bedeutet dabei nicht vollständige Autarkie, sondern mehr Wahlmöglichkeiten, eigene Kompetenzen und belastbare Partnerschaften.
- Europäische Wertschöpfung stärken und Märkte offenhalten: Eine leistungsfähigere europäische industrielle Basis stärkt auch die Verteidigungsfähigkeit. Pauschale „Buy European“- oder Local-Content-Vorgaben sieht die IHK-Organisation jedoch kritisch. Sicherheitsinteressen sollten gezielt berücksichtigt werden, ohne unnötige Handelshemmnisse und zusätzliche Bürokratie zu schaffen.
- Innovation schneller in die Anwendung bringen: Start-ups und innovative Mittelständler können wichtige Beiträge zu neuen sicherheits- und verteidigungsrelevanten Technologien leisten. Dafür müssen Erprobung, Beschaffung und Skalierung besser zusammenspielen und Unternehmen früher Zugang zu Bedarfsträgern erhalten.
- Internationale Kooperationen erleichtern: Verteidigungsfähigkeit wird zunehmend europäisch und im Bündnis gedacht. Grenzüberschreitende Lieferketten und industrielle Kooperationen gewinnen damit an Bedeutung. IHKs und AHKs können Unternehmen dabei unterstützen, geeignete Partner und Märkte zu identifizieren und internationale Netzwerke aufzubauen.
25. August 2026