Wasserstoffhochlauf
Nationaler Wasserstoffrat veröffentlicht neue Bedarfsprognose
Kernaussage der Studie ist, dass Wasserstoff trotz eines derzeit schleppenden Markthochlaufs langfristig eine unverzichtbare Säule für eine klimaneutrale und wettbewerbsfähige Industrie sowie für die Energieversorgung Deutschlands bleibt. Die Prognose verdeutlicht, dass der Wasserstoffbedarf bis zur Mitte des Jahrhunderts erheblich ansteigen wird und insbesondere die Industrie der wichtigste Nachfragesektor sein wird. Aktuelle Informationen zum Wasserstoffhochlauf in unserer Region bietet der Wasserstoff-Summit am 8. Juli (ausgebucht).
Der Nationale Wasserstoffrat (NWR) hat am 25. Juni 2026 seine aktualisierte Prognose zum künftigen Wasserstoffbedarf in Deutschland veröffentlicht. Nach Einschätzung des NWR wird der Bedarf an Wasserstoff und Wasserstoffderivaten in den späten 2040er-Jahren zwischen 275 und 555 Terawattstunden (TWh) liegen. Dies entspricht rund 8,25 bis 16,65 Millionen Tonnen Wasserstoff pro Jahr. Für die Industrie wird eine Nachfrage von 140–300 TWh prognostiziert. Der Verkehrssektor (75–135 TWh) sowie die Strom- und Fernwärmeversorgung (60–120 TWh) bleiben dahinter zurück. Die Prognose des Wasserstoffrates orientiert sich am Ziel einer vollständig klimaneutralen Wirtschaft sowie einer resilienten Energieversorgung der Industrie.
Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft kommt nur schleppend voran
Der NWR stellt fest, dass der Aufbau der Wasserstoffwirtschaft derzeit deutlich hinter den Erfordernissen zurückbleibt. Als wesentliche Hemmnisse werden insbesondere die ungünstigen regulatorischen Rahmenbedingungen sowie schwierige Finanzierungsbedingungen genannt. Dadurch geraten derzeit zahlreiche Projekte entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette unter Druck oder werden verschoben beziehungsweise aufgegeben.
Industrie bleibt wichtigster Nachfragesektor
Die Industrie wird auch langfristig der bedeutendste Abnehmer von Wasserstoff sein. In der Stahlindustrie könnten Wasserstoff basierte Direktreduktionsanlagen künftig einen Bedarf von bis zu 400.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr erzeugen und damit eine wichtige Ankernachfrage schaffen. Voraussetzung bleibt jedoch die Verfügbarkeit von klimaneutralem Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen. Die Chemieindustrie wird mit einem Bedarf von 107 bis 243 TWh voraussichtlich die größte Nachfrage erzeugen. Gegenüber der Prognose aus dem Jahr 2024 wurde der erwartete Bedarf jedoch nach unten korrigiert. Gründe sind unter anderem Produktionsrückgänge, hohe Energiekosten und unzureichende regulatorische Rahmenbedingungen.
Differenziertes Bild im Verkehrssektor
Im Verkehrsbereich wird Wasserstoff künftig vor allem im Schwerverkehr eine Rolle spielen. Für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge wird nur noch eine geringe Bedeutung erwartet. Dagegen steigt der Bedarf im Bus- und Schwerlastverkehr voraussichtlich auf rund 17 TWh zu Beginn der 2030er-Jahre. Zusätzliche Impulse könnten durch die neue Förderung für Wasserstoff-Lkw und Wasserstofftankstellen entstehen. Ziel ist der Aufbau einer Infrastruktur für mehrere tausend Fahrzeuge bis 2030. Darüber hinaus wird ein wachsender Wasserstoffbedarf für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe (E-Fuels), insbesondere für den Luftverkehr, erwartet.
Wachsende Bedeutung im Energiesektor
Auch im Strom- und Wärmesektor nimmt die Bedeutung von Wasserstoff mit zunehmendem Ausbau erneuerbarer Energien zu. Der NWR prognostiziert einen steigenden Bedarf von 5–30 TWh (2035) bis zu 60–120 TWh (2045). Der Einsatz von Wasserstoff soll insbesondere zur Absicherung der Stromversorgung sowie für die klimaneutrale Fernwärmeerzeugung beitragen.