Industrielle Transformation
DIHK-Studie zeigt Handlungsbedarf beim Wasserstoffhochlauf
Der Markthochlauf für Wasserstoff in Deutschland droht hinter den politischen Zielen zurückzubleiben, Eine im Auftrag der DIHK erstellte Studie zeigt, wo die Knackpunkte liegen und was jetzt getan werden muss.
Deutschland hat sich zur Treibhausgasneutralität bis zum Jahr 2045 verpflichtet. Wasserstoff gilt dabei als unverzichtbarer Baustein der industriellen Transformation. Doch der Weg von der Strategie in die Praxis erweist sich als steiniger als erwartet: Projekte laufen langsamer als geplant, Investoren warten ab, und Unternehmen können den Umstieg weder wirtschaftlich begründen noch vertraglich absichern.
DieStudie "Meilensteine für einen erfolgreichen Wasserstoffhochlauf bis 2040" , die die r2b energy consulting GmbH im Auftrag der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) erstellt hat, analysiert den aktuellen Stand des Wasserstoffhochlaufes entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Produktion über Import und Infrastruktur bis hin zur Abnahme durch Industrieunternehmen. Sie kombiniert Literaturanalysen und Marktdaten mit praxisnaher Expertise aus dem Netzwerk der Industrie- und Handelskammern, leitfadengestützten Unternehmensinterviews sowie Gesprächen mit sechs Auslandshandelskammern. Daraus leitet sie konkrete Handlungsempfehlungen und ein Maßnahmenpaket mit klaren Meilensteinen bis 2040 ab.
Die dringensten Forderungen an die Politik lauten:
- RFNBO-Kriterien pragmatisch reformieren: Die Anforderungen der Delegierten Verordnung (Europäische Union) 2023/1184 und der 37. Bundesimmissionsschutzverordnung an den Strombezug für die Elektrolyse sind übermäßig restriktiv und erhöhen Kosten, ohne einen ökologischen Mehrwert zu erzeugen. Zu den Vorschlägen zählt unter anderem, das Zusätzlichkeitskriterium bis 2040 zu verlängern, das Zeitgleichheitsgebot zu lockern und direktverbundene Elektrolyseure nicht länger zu benachteiligen.
- Netzentgeltregime für Elektrolyseure klären: Die Unsicherheit über künftige Netzentgelte blockiert Investitionsentscheidungen. Eine frühzeitige, rechtssichere Festlegung durch die Bundesnetzagentur ist zwingend erforderlich – mit Anreizen für systemdienliche Fahrweise und standortgerechten Regeln.
- Book-and-Claim als Übergangslösung einführen: Solange das physische Wasserstoffnetz noch nicht flächendeckend verfügbar ist, muss ein robustes Book-and-Claim-Modell es Produzenten und Abnehmern ermöglichen, die regulatorischen Eigenschaften von Wasserstoff unabhängig vom physischen Molekülfluss zu handeln – analog zu den europaweit etablierten Herkunftsnachweisen für Ökostrom.
- Wasserstoffspeicher als systemrelevante Infrastruktur absichern: Der Hochlauf großskaliger Speicherkapazitäten muss unverzüglich politisch und regulatorisch angeschoben werden, um die langen Entwicklungsvorlaufzeiten nicht zu verschlafen.