PPWR
Musteranschreiben Lieferkette de/en
Nachfolgend finden Sie das Musterschreiben in deutscher und englischer Sprache. Gerne können Sie den Text auf Ihre betrieblichen Anforderungen und Erfahrungen anpassen:
Ms. Jessika Roswall
Commissioner for Environment, Water Resilience and a Competitive Circular Economy European Commission
Rue de la Loi 200
1049 Brussels
Belgium
Commissioner for Environment, Water Resilience and a Competitive Circular Economy European Commission
Rue de la Loi 200
1049 Brussels
Belgium
Sehr geehrte Frau Roswall,
als mittelständischer Unternehmer aus Deutschland wende ich mich heute mit einer eindringlichen Bitte an Sie. Mit der geplanten Anwendung der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) seit dem 12.08.2026 drohen uns erhebliche zusätzliche Belastungen, die mein Unternehmen und zahlreiche weitere mittelständische Betriebe vor große praktische Herausforderungen stellen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, die PPWR an entscheidenden Stellen praxisgerechter auszugestalten.
Wir bekennen uns zu nachhaltigem Wirtschaften und sehen die Notwendigkeit, Verpackungsabfälle zu reduzieren. Die Schaffung einer praktikablen und berechenbaren PPWR ist unerlässlich, um dieses Ziel zu erreichen. Dennoch müssen wirtschaftliche Realitäten und regulatorische Anforderungen Hand in Hand gehen. Dies sehen wir durch einzelne Vorgaben der PPWR gefährdet.
Besonders problematisch sind die Anforderungen zur Identifizierung des verantwortlichen Erzeugers auf Verpackungen. Für zahlreiche Handelsunternehmen und Großhändler, die im Streckengeschäft (Dropshipping) tätig sind, kann diese Verpflichtung erhebliche Auswirkungen auf bestehende Geschäftsmodelle haben. So beziehen viele Händler Verpackungen oder verpackte Produkte über Lieferantennetzwerke und vertreiben diese unter eigener Marktpräsenz an ihre Kunden. Werden auf der Verpackung die Kontaktdaten des tatsächlichen Lieferanten oder Herstellers sichtbar ausgewiesen, besteht die Gefahr, dass Kunden diese Informationen unmittelbar nutzen, um Geschäftsbeziehungen unter Umgehung des Großhändlers aufzubauen. Dies würde die wirtschaftliche Funktion des Großhandels erheblich beeinträchtigen.
Nach der PPWR muss ein verantwortlicher Erzeuger identifizierbar sein. In vielen Fällen wäre daher der tatsächliche Hersteller oder Lieferant auf der Verpackung zu benennen. Für Handelsunternehmen, deren Geschäftsmodell auf der Vermittlung zwischen Hersteller und Endkunde beruht, führt dies jedoch zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen. Die Regelung läuft damit Gefahr, etablierte Vertriebsstrukturen zu beeinträchtigen, ohne dass hierdurch ein zusätzlicher Nutzen für Verbraucher oder Umwelt entsteht.
Zwar eröffnet die sogenannte Erzeugerfiktion nach Artikel 21 PPWR grundsätzlich die Möglichkeit, dass sich ein Händler selbst als Erzeuger ausweist und die entsprechenden Verpflichtungen übernimmt. Damit könnte vermieden werden, dass die Kontaktdaten des tatsächlichen Lieferanten auf der Verpackung erscheinen. Allerdings führt dies in der Praxis zu einer vollständigen Übertragung der Erzeugerverantwortung auf den Händler. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen stellt dies einen zusätzlichen rechtlichen und administrativen Aufwand dar, der häufig außer Verhältnis zum angestrebten Zweck steht.
Wir schlagen daher folgende Anpassungen vor:
- Klarstellung der Kennzeichnungsvorschriften: Es sollte ausdrücklich zulässig sein, dass der für die Einhaltung der PPWR verantwortliche Wirtschaftsakteur angegeben wird, ohne dass zwingend die Kontaktdaten des tatsächlichen Herstellers oder Vorlieferanten offengelegt werden müssen.
- Schaffung einer „Responsible Economic Operator“-Lösung: Analog zu anderen EU-Rechtsakten sollte die Angabe eines verantwortlichen Wirtschaftsakteurs genügen, der für Behörden erreichbar ist und die Pflichten der PPWR erfüllt.
- Schutz legitimer Geschäftsinteressen: Die PPWR sollte ausdrücklich berücksichtigen, dass Handels- und Großhandelsunternehmen ihre Lieferantenbeziehungen schützen können, sofern die Rückverfolgbarkeit und Marktüberwachung weiterhin gewährleistet sind.
Der freie Binnenmarkt ist ein Kernversprechen der Europäischen Union. Regulierung sollte Transparenz und Nachhaltigkeit fördern, ohne dabei bewährte Vertriebs- und Handelsstrukturen unverhältnismäßig zu beeinträchtigen. Kleine und mittelständische Unternehmen bilden das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Ihre Wettbewerbsfähigkeit muss auch unter der PPWR erhalten bleiben.
Ich bitte Sie daher dringend, sich dieser Problematik anzunehmen und sich für eine praxistaugliche und verhältnismäßige Lösung einzusetzen.
Freundliche Grüße
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Dear Ms. Roswall,
As a trade business owner from Germany, I am writing to you today with an urgent request. The planned implementation of the Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) as of August 12, 2026, threatens to impose significant additional burdens on us, which could jeopardize my company’s economic viability. There is an urgent need to amend the PPWR.
We are committed to sustainable business practices and recognize the need to reduce packaging waste. Creating a practical and predictable PPWR is essential to achieving and ensuring this goal. Nevertheless, future business operations and regulation must go hand in hand. We believe the PPWR jeopardizes this balance.
The requirements for identifying the responsible producer on packaging are particularly problematic. For many retail companies and wholesalers engaged in drop shipping, this obligation could have a significant impact on existing business models. For example, many retailers source packaging or packaged products through supplier networks and sell them to their customers through their own online stores. If the contact information of the actual supplier or manufacturer is clearly displayed on the packaging, there is a risk that customers will use this information directly to establish business relationships while bypassing the wholesaler. This would significantly impair the economic function of the wholesale trade.
Under the PPWR, a responsible producer must be identifiable. In many cases, therefore, the actual manufacturer or supplier would have to be named on the packaging. For retail companies whose business model is based on acting as an intermediary between the manufacturer and the end customer, however, this leads to significant competitive disadvantages. The regulation thus risks undermining established distribution structures without providing any additional benefit to consumers or the environment.
While the so-called “producer fiction” under Article 21 of the PPWR does, in principle, allow a retailer to identify itself as the producer and assume the corresponding obligations—thereby avoiding the need to display the actual supplier’s contact information on the packaging—in practice, this results in a complete transfer of producer responsibility to the retailer. For small and medium-sized enterprises in particular, this represents an additional legal and administrative burden that is often disproportionate to the intended purpose.
We therefore propose the following adjustments:
- Clarification of labeling requirements: It should be expressly permitted to identify the economic operator responsible for compliance with the PPWR without being required to disclose the contact details of the actual manufacturer or upstream supplier.
- Creation of a “Responsible Economic Operator” solution: Similar to other EU legal acts, it should be sufficient to designate a responsible economic operator who is accessible to authorities and fulfills the obligations under the PPWR.
- Protection of legitimate business interests: The PPWR should explicitly recognize that retail and wholesale companies can protect their supplier relationships, provided that traceability and market surveillance remain ensured.
The free internal market is a core promise of the European Union. A regulation that, in practice, can only be complied with by large corporations with their own compliance departments undermines this promise. Small and medium-sized enterprises—the backbone of the European economy—are not protected by this regulation but are instead excluded from cross-border trade.
I urge you to address this issue and advocate for a practical solution.
I urge you to address this issue and advocate for a practical solution.
Best regards