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Pop-up-Markt soll Geraer Innenstadt beleben
Händler, Gastronomen und kleine Labels machen den Marktplatz für einen Tag zum Erlebnisraum. In Gera soll der Pop-up-Markt neue Kundschaft in die Innenstadt ziehen – mit Musik, regionalen Ständen und gemeinsamer Initiative.
Samstag, 4. Juli, zehn Uhr, buntes Treiben auf dem Marktplatz in Gera – Händler und Gastronomen aus der Region haben am ersten Ferientag ihre Stände aufgebaut. Kunden lehnen über den Verkaufstischen, Kinder versuchen sich im Dosenwerfen und auf der Bühne spielt eine Indie-Band. Für einen Tag wird der Geraer Marktplatz zum Bummelparadies – ein echter Pop-up-Markt mit 70 Ständen. „Das ist viel mehr als ein Markt. Es ist ein richtiges Erlebnis“, sagt Co-Organisatorin Steffi Sonntag. Ihr gehört die Second Hand Boutique in Gera – ein Modeladen für gebrauchte Kleidungsstücke.
Im Second-Hand-Laden von Steffi Sonntag finden Kunden handverlesene Damenmode und Accessoires.
Menschen in die Städte
Für ihren Second-Hand-Laden wählt Steffi Sonntag jedes Kleidungsstück persönlich aus.
Steffi Sonntag hat an diesem Vormittag viel zu organisieren, trotzdem nimmt sie sich Zeit für jedes Gespräch. „Wir wollen, dass die Leute wieder mehr in die Innenstadt kommen“, erklärt sie und nimmt einen Schluck aus dem Coffee-to-go-Becher, den sie in der Hand hält. Für Sonntag bietet der Pop-up-Markt eine große Chance, denn die Geraer Innenstadt verlor in den letzten Jahren immer mehr Geschäfte. Fast jeder zweite Laden stehe leer, berichtete die Ostthüringer Zeitung im Mai 2025. Damals waren rund 130 Läden verwaist, so die Zeitung unter Berufung auf das Stadtplanungsamt. Gera ist dabei kein Einzelfall. In ganz Deutschland verschwinden Läden, Geschäfte und Filialen. Der Handelsverband (HDE) geht davon aus, dass 2026 etwa 5.000 stationäre Einzelhandelsunternehmen verschwinden werden. Dabei seien Neueröffnungen bereits gegengerechnet, teilte der HDE im März mit.
Die Folgen der Demografie und Digitalisierung sind also auch in den Innenstädten zu spüren. Online shoppen, statt selbst in den Laden zu gehen, ist für viele Menschen zu einer bequemen Alternative geworden. Ältere Ladenbesitzer finden zudem nur schwer Nachfolger, die das Geschäft weiterführen. So wird es ruhiger in den Fußgängerzonen, vor allem, weil junge Laufkundschaft fehlt.
Highlight: Stadtbesuch
JohnHill-Geschäftsführer und Gründer Sebastian John ist Experte, wenn es um Augengesundheit geht.
Egal, ob Laden, Restaurant oder Café – der Kampf um Aufmerksamkeit für die eigene Marke hat sich in den digitalen Raum verlagert und die Konkurrenz ist riesig: Online-Marktplätze, Lieferplattformen, Streaming und Home Entertainment – aufzufallen ist dabei zwingend notwendig, wenn auch ungleich schwerer. Mit neuen Angeboten wie zum Beispiel dem Pop-up-Markt schaffen es Händler und Gastronomen gemeinsam, die Innenstadt erlebbar zu machen, meint Mitorganisator und Unternehmer Sebastian John. „Diese speziellen Events klappen auch in Gera gut“, ist er sich sicher. John ist der Geschäftsführer des Optikgeschäftes JohnHill direkt neben dem Geraer Rathaus.
Damit Events wie der Pop-up-Markt funktionieren, brauche es vor allem Zusammenarbeit und einen hohen Qualitätsanspruch, so John weiter. „Die Leute wollen etwas Ordentliches geboten bekommen. Wir legen sehr viel Wert auf gute Stände sowie ein ansprechendes Marketing.“ Das Wichtigste seien jedoch engagierte Menschen, die planen, werben und einfach „richtig Bock haben“. So können nicht nur junge Erwachsene und Familien in die Städte gezogen werden, sondern eben auch die Händler.
Der Geraer Pop-up-Markt fand 2026 zum zweiten Mal statt.
Experimentieren erlaubt
Der Pop-up-Markt biete auch kleinen Labels eine Chance, die selbst noch gar keinen eigenen Laden hätten, erzählt Steffi Sonntag beim Blick auf die Stände. Der Markt ermögliche es ihnen, ihre Produkte unter realen Bedingungen zu testen. „Die Besitzer können sich hier ausprobieren und kommen so vielleicht sogar auf den Geschmack, einen eigenen Laden aufzumachen“, erklärt Sonntag weiter. „Wenn wir es noch zusammen mit der Wirtschaftsförderung besser hinbekommen, die leeren Läden auch unkompliziert zur Verfügung zu stellen, dann wäre das klasse“, fügt Sebastian John an. Beide Unternehmer wünschen sich mehr Mut für neue Formen des Einzelhandels. Es ist etwa von dauerhaft verfügbaren Gemeinschafts-Pop-up-Stores die Rede, in dem mehrere kleine Anbieter ihre Produkte präsentieren können, ohne selbst ständig vor Ort sein zu müssen.
Elisabeth Kotschew ist seit circa einem Jahr Citymanagerin der Stadt Gera.
Mehr Menschen in die Innenstädte zu locken, da sind sich Steffi Sonntag und Sebastian John sicher, funktioniere vor allem über Events. Pop-ups sind dabei nur eine Möglichkeit, auch Kultur- oder Sportveranstaltungen direkt in den Innenstädten können Menschen anziehen. „Wir von der Stadt Gera versuchen, das zu ermöglichen. Der Markt ist groß und eine tolle Location. Den freien Platz sollten wir nutzen“, sagt Citymanagerin Elisabeth Kotschew. Beim diesjährigen Pop-up-Markt hat das funktioniert. Über den Tag verteilt kamen Tausende Besucher auf den Marktplatz. Und die Organisatoren haben bereits begonnen, für das nächste Jahr zu planen.
Heimat shoppen Thüringen
Mit der IHK-Kampagne „Heimat shoppen“ sollen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Aktionen in Thüringer Innenstädten begleitet werden – darunter Feste, Märkte und Veranstaltungen. Ziel ist es, die Innenstädte als attraktive Erlebnisräume zu stärken. Die Kampagne macht sichtbar, wie stationärer Handel, Gastronomie und lokale Dienstleister gemeinsam zur Lebensqualität vor Ort beitragen. Gleichzeitig soll die regionale Wirtschaft unterstützt werden.
Hier geht es zum Instagram-Kanal von Heimat Shoppen Thüringen: instagram.com/heimatshoppenthr
Hier geht es zum Instagram-Kanal des Pop-up-Marktes Gera: instagram.com/pop_up_markt_gera
Mit der IHK-Kampagne „Heimat shoppen“ sollen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Aktionen in Thüringer Innenstädten begleitet werden – darunter Feste, Märkte und Veranstaltungen. Ziel ist es, die Innenstädte als attraktive Erlebnisräume zu stärken. Die Kampagne macht sichtbar, wie stationärer Handel, Gastronomie und lokale Dienstleister gemeinsam zur Lebensqualität vor Ort beitragen. Gleichzeitig soll die regionale Wirtschaft unterstützt werden.
Hier geht es zum Instagram-Kanal von Heimat Shoppen Thüringen: instagram.com/heimatshoppenthr
Hier geht es zum Instagram-Kanal des Pop-up-Marktes Gera: instagram.com/pop_up_markt_gera
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