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MEINUNG ZUR WIRTSCHAFTSPOLITIK

Kontrollwahn kostet Wohlstand!

Rekord-Pleiten, Abwanderung, keine Investitionen – der deutschen Wirtschaft geht es schlecht. Politiker übertreffen sich täglich mit Reformideen. Aber: In der Krise reicht Symbolpolitik nicht aus. Deutschland braucht jetzt einen Staat als Ermöglicher.
Die aktuellen Zahlen der Firmeninsolvenzen in Deutschland zeigen: Die Wirtschaft leidet nicht mehr nur unter einer kleinen Erkältung – sie hat eine schwere Grippe. Anfang des Jahres meldete das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (IWH), dass die Zahl der Firmenpleiten so hoch ist wie zuletzt vor 20 Jahren. 2025 gingen jeden Tag 48 Personen- und Kapitalgesellschaften insolvent. Was in Zahlen nüchtern ausgedrückt wird, bedeutet in der Realität einen historischen Verlust von Wertschöpfung.

Auch Ostthüringer Firmen unter Druck

Die Zahlen des IWH sind dramatisch: Vergangenes Jahr gab es fünf Prozent mehr Insolvenzen als im Zuge der Finanzkrise 2009. Experten gehen davon aus, dass die Lage weiter angespannt bleiben wird. Auch an Ostthüringer Firmen geht dieser Trend nicht spurlos vorbei. Kurz vor dem Jahreswechsel meldete der Traditionsbetrieb Jenaer Leiterplatten GmbH Insolvenz an. Bereits im Juli schloss der Automobilzulieferer Eissmann Automotive Dagro sein Werk in Gera und plant, die Produktion nach Osteuropa zu verlagern.
Diese Beispiele zeigen deutlich: Der Standort Deutschland wird zunehmend unattraktiv. Es braucht tiefgreifende Reformen.

Nachsteuern reicht nicht mehr aus

Die Krise der deutschen Wirtschaft ist kein oberflächliches Problem. Sie geht tiefer – ist geprägt von strukturellen Defiziten und politischem Missmanagement. Die Unternehmen werden mit Bürokratie überhäuft. In den letzten drei Jahren mussten Betriebe deutschlandweit über 325.000 Arbeitnehmer einstellen, um die gewachsene Bürokratie zu bewältigen, meldete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Ende 2025. Das heißt im Umkehrschluss: Papierkram statt Werkbank – das ist die teure Realität für viele Unternehmer.
Und die Politik? Sie hat große Pläne, verspricht Bürokratieabbau, beschwört den Papierschredder. Doch die Unternehmen merken von den angekündigten Entlastungen nichts. Es braucht kein „One in, one out“, sondern einen gezielten Bürokratierückbau.

Eine Frage des Mindsets

Bei der Abschaffung hemmender Bürokratie braucht es zunächst eins: einen Mentalitätswandel. Aktuell verfügt der Staat über einen ausgeprägten Kontrollwahn. Staatliche Regulierung ist von Misstrauen und dem erhobenen Zeigefinger geprägt. Dieses oberlehrerhafte Selbstverständnis hemmt Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft.
Das Land braucht einen Staat, der sich als Ermöglicher sieht – als Dienstleister der Firmen. Das Vertrauen in die unternehmerische Selbstverantwortung muss oberstes Gebot der Wirtschaftspolitik in Bund, Land und Kommune werden.

Prädikat: Unbezahlbar!

Dass sich die Eissmann-Gruppe gegen den Produktionsstandort in Gera entschieden hat und ihre Produktion ins Ausland verlagert, ist kein Einzelfall. Standen über viele Jahre Motive der Markterkundung bei Auslandsinvestitionen im Vordergrund, ist seit kurzem die Kosteneinsparung dominant. Der Standort Deutschland ist zu teuer. Vor allem gestiegene Arbeits- und Lohnnebenkosten sowie horrende Energiepreise belasten die Unternehmen.
Zusätzlich braucht es endlich eine breit angelegte Absenkung der Stromsteuer, die allen Firmen zugutekommt. Die Energiepolitik muss sich vornehmlich um die Versorgungssicherheit kümmern. Die Energiewende kann nur dann funktionieren, wenn sie effizient und technologieoffen organisiert wird.

Gemeinsam gegen den Abschwung

Die IHK Ostthüringen steht weiter an der Seite der regionalen Unternehmen. Wir werden nicht müde, die Forderungen der hiesigen Wirtschaft gegenüber der Politik zu vertreten. In Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen und zahlreichen Gesprächen mit Abgeordneten vermitteln wir immer wieder den Ernst der wirtschaftlichen Lage. Es ist jetzt entscheidend, dass die drohende Deindustrialisierung durch kluge politische Weichenstellungen verhindert wird.
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