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Reichenbächer: „Dieser Irrsinn lähmt uns unheimlich!“
Volle Auftragsbücher, trotz hoher Belastungen: Eine Gießerei aus Bad Lobenstein sieht sich durch Bürokratie, Energiekosten und unnötige Regulierung ausgebremst. Geschäftsführer Dr. Holger Reichenbächer warnt vor unangenehmen Folgen für den Standort.
Es ist heiß in den Hallen der Feinguß Lobenstein GmbH. Kein Wunder, im Gießereibetrieb wird flüssiger Stahl mit fast zweitausend Grad zu verschiedensten Metallprodukten verarbeitet. Bei Feinguß setzen sie auf Handarbeit made in Ostthüringen. Der Geschäftsführer, Dr. Holger Reichenbächer, ist aktuell jedoch nicht besonders glücklich. Nicht wegen seines Betriebes, sondern vielmehr aufgrund der deutschen Wirtschaftspolitik.
Gefangen im „Bürokratiedschungel“
Dr. Holger Reichenbächer ist seit 2015 einer der beiden Geschäftsführer von Feinguß Lobenstein.
Das Verhältnis zwischen den Verwaltungsaufgaben und der Produktion sei in Deutschland inzwischen „ungesund“, so Geschäftsführer Reichenbächer. Feinguß ersticke wie viele andere im behäbigen „Bürokratiedschungel“. Der Gusseisenhersteller stört sich etwa an den langen Genehmigungsverfahren für den Export von Wehrtechnik.
Die Verteidigungsindustrie ist mittlerweile der zweitgrößte Abnehmer der Firma. „Ein halbfertiges Gussteil, das irgendwann mal in einen Panzer verbaut wird, bekommt die gleiche Bürokratie wie der fertige Panzer“, beklagt Reichenbächer. Der polnische Partner der Firma müsse so bis zu neun Monate auf Teile aus Bad Lobenstein warten. Das sei zu lang, unwirtschaftlich und hemme die Attraktivität des Standortes.
Mehr Aufträge, aber höhere Kosten
Feinguß bedient circa 400 Kunden mit bis zu 200 verschiedenen Stahllegierungen.
Dabei konnte die deutsche Industrie doch Ende des letzten Jahres Positives vermelden. Für den Dezember 2025 bescheinigte das Statistische Bundesamt den deutschen Industrieunternehmen ein deutliches Auftragsplus. Mit fast acht Prozent erhöhten sich die Bestellungen den vierten Monat in Folge. Auch bei Feinguß erlebten sie nach schwierigen Jahren eine leichte Erholung: „Unser Auftragseingang ist aktuell gut und reichlich“, sagt Holger Reichenbächer.
Ein Aufatmen gibt es in der Lobensteiner Gießerei aber trotzdem noch nicht. Vor allem die immer weiter steigenden Kosten für Energie und Löhne fressen die Einnahmen sofort wieder auf, so der Geschäftsführer weiter.
Regulierung steht im Weg
Der Staat greife in jeder Hinsicht zu stark in den freien Markt ein. Dadurch erhöhe er entweder die Kosten oder verhindere Möglichkeiten, diese zu reduzieren, erklärt Reichenbächer. Die Mindestlohnerhöhung habe das Unternehmen dazu gezwungen, die Gehälter der Beschäftigten insgesamt zu erhöhen. „Die Hälfte unserer Kosten geben wir für die Bezahlung unseres Personals aus. Das ist dann schon schmerzhaft, wenn der Gesetzgeber dort an der Kostenschraube dreht“, meint der Geschäftsführer.
Wir haben so wenige Fachkräfte, also werden sich die Löhne ohnehin dem Markt anpassen.Dr. Holger Reichenbächer – Geschäftsführer Feinguß Lobenstein GmbH
Auch die Oberflächenbehandlung der Gussteile übernimmt Feinguß selbst.
Und auch beim Blick auf die Energiekosten verdunkelt sich die Miene des Feinguß-Chefs. Stark gestiegene Gaspreise, Schwankungen bei Netzentgelten, die CO2-Steuer – die Liste der Belastungen ist lang. „Uns fehlen aktuell einfach noch die technischen Alternativen für die Gasversorgung. Wir bemühen uns sehr, bei der Dekarbonisierung voranzukommen, aber auch da werden uns wieder Steine in den Weg gelegt.“ Konkret bezieht sich Reichenbächer auf die Kapazität der bereits installierten Photovoltaikanlage.
Auch hier erwartet der Geschäftsführer lange und aufwendige Genehmigungsverfahren bei den Netzbetreibern – selbst dann, wenn durch eine mögliche Erweiterung der Anlage nur die Grundlast gedeckt werden soll. Bürokratische Hürden, die zusätzlich Geld kosten, machen die Energiewende für Firmen unattraktiv, ist sich Reichenbächer sicher.
Zukunft ungewiss
Vom Fleischwolf für den Metzger bis zum Repetierverschluss für Gewehre – die Feinguß-Teile sind „Unikate“.
All das führt dazu, dass Firmen wie Feinguß wieder einmal an der Preisschraube drehen müssen. Unzufriedene Abnehmer sind die Folge. „Wenn wir gezwungen sind, unsere Preise aufgrund externer Faktoren immer weiter zu steigern, dann springen uns irgendwann die Kunden ab“, befürchtet Reichenbächer. Das habe dann auch Folgen für die Arbeitsplätze in der Region, ergänzt der Geschäftsführer: „Wir mussten in den letzten Jahren unsere Belegschaft von 220 auf 180 Mitarbeiter reduzieren.“ Seiner Einschätzung nach ist der deutsche Industriestandort noch weit von einer Erholung entfernt.
Denn nach den positiven Zahlen am Ende des vergangenen Jahres brachen die Aufträge der deutschen Industrie im Januar schon wieder deutlich ein, so das Statistische Bundesamt. Ein herber Rückschlag – und so wünschen sich viele Unternehmer, wie Holger Reichenbächer, vor allem eins: endlich Entlastungen bei Steuern, Lohnzusatzkosten, Bürokratie und Energie.
Feinguß Lobenstein GmbH
Seit über 60 Jahren produziert Feinguß Lobenstein Gussteile für die Industrie. Der größte Kunde des Unternehmens ist die Nahrungs- und Verpackungsmittelbranche. Fast ein Fünftel des Umsatzes generiert die Firma etwa mit der Herstellung von Gehäusen für Fleischwölfe oder Räucheröfen. Mit großer Präzision werden bei Feinguß aus Wachsmodellen über Keramikformen Gussteile, die in Serie produziert werden können. In den vergangenen Jahren setzte der Industriebetrieb auf Modernisierung – ein verjüngtes Führungsteam, ein gestärkter Vertriebsprozess und Investitionen in eine automatisierte Keramikformerei.
feinguss-lobenstein.de
Seit über 60 Jahren produziert Feinguß Lobenstein Gussteile für die Industrie. Der größte Kunde des Unternehmens ist die Nahrungs- und Verpackungsmittelbranche. Fast ein Fünftel des Umsatzes generiert die Firma etwa mit der Herstellung von Gehäusen für Fleischwölfe oder Räucheröfen. Mit großer Präzision werden bei Feinguß aus Wachsmodellen über Keramikformen Gussteile, die in Serie produziert werden können. In den vergangenen Jahren setzte der Industriebetrieb auf Modernisierung – ein verjüngtes Führungsteam, ein gestärkter Vertriebsprozess und Investitionen in eine automatisierte Keramikformerei.
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