Auszeichnen durch Qualität

Die Gesellschaft für Oberflächentechnik mbH in Jena setzt voll auf Zukunft. Das mittelständische Unternehmen hat seit 2019 mehr als sechs Millionen Euro in neue Anlagen und Maschinen investiert. Ziele sind Automatisierung und Energieeffizienz. Doch teure Energie und schlechte Standortbedingungen machen GOT zu schaffen. Die Folge: Auftragsrückgang und Kurzarbeit.
Chris Choitz kennt in seiner Firma jeden Winkel. Das ist zu spüren, wenn er durch die Betriebshallen der Gesellschaft für Oberflächentechnik mbH oder kurz GOT im Gewerbegebiet Jena-Göschwitz läuft. Seit 33 Jahren ist er im Betrieb – hat sich hochgearbeitet zum Prokurist und Betriebsleiter: „Ich habe in den Jahren so ziemlich jede Stufe im Unternehmen durchlaufen“, erzählt er stolz. Die GOT ist ein Oberflächenveredler, betreut seine Kunden von der Planung bis zur Anfertigung. In den letzten sieben Jahren hat die Firma umfassend in neue Maschinen investiert. Eine der neuesten Errungenschaften ist eine Lackieranlage für Groß- und Verkleidungsteile. Sie ist robotergetrieben und automatisiert. „Beim händischen Lackieren ist immer mit geringfügigen Verunreinigungen, wie Staubeinschlüssen, zu rechnen. Das ist mit der neuen Lackieranlage nahezu vollständig ausgeschlossen“, so der Betriebsleiter. Lackierte Produkte können dadurch sofort verkauft werden und müssen seltener in die Nachbearbeitung.
Ein weiteres Ziel der Investitionen ist die Steigerung der Energieeffizienz. Dazu wurde Anfang 2025 in einen Batteriespeicher mit künstlicher Intelligenz investiert. Der Speicher soll im Herbst diesen Jahres montiert werden und dann den Einsatz der betriebseigenen Photovoltaikanlage und des gasbetriebenen Blockheizkraftwerks steuern sowie bei Bedarf den Stromeinkauf regeln. „Die KI ermittelt, welche Stromquelle gerade am günstigsten ist und welche wir aus preislicher Sicht nutzen sollten“, erklärt Chris Choitz. Die GOT erhofft sich dadurch eine finanzielle Entlastung bei den Energiekosten.

Immer wieder Neustart

Die Gesellschaft für Oberflächentechnik ist Expertin im Sich-neu-erfinden. Im Februar 1992 wurde das Unternehmen aus dem volkseigenen Betrieb Carl Zeiss Jena ausgegründet. 23 Mitarbeiter zählte die Produktionsstätte zu dieser Zeit. Gemeinsam mit einem Partner kaufte der aktuelle Geschäftsführer Andreas Buttler die Firma 2003, nachdem sich der damalige Konzerneigentümer von der GOT trennen wollte. Nur zwei Jahre später zwingt ein Großbrand das Unternehmen zum Umzug in ein Ausweichobjekt. 2007 ist das neue Produktionsgebäude am alten und jetzigen Standort in Jena-Göschwitz mit neuen Anlagen wieder aufgebaut. 2019 beginnt die GOT dann eine Investitionsoffensive. Ungefähr zehn Prozent des Umsatzes fließen seitdem jährlich in neue Maschinen. 90 Mitarbeiter können dadurch heute auf dem aktuellsten Stand der Technik arbeiten.
Bei der Produktpalette ist sich die GOT treu geblieben, fokussiert sich als produzierender Dienstleister seit jeher primär auf den Bereich der Medizintechnik. Die Firma bearbeitet, lackiert oder beschichtet beispielsweise Gehäuse von Sehtestgeräten oder Operationsmikroskopen. Abhängig ist das Unternehmen dabei von Aufträgen großer Konzerne wie Zeiss, Fresenius oder Leica. Doch die Branche schwächelt, so wie der gesamte deutsche Wirtschaftsstandort, mit schwerwiegenden Folgen für die Jenaer Firma.

Viele Probleme auf einmal

Hohe Energiekosten, steigende Lohnkosten, der Fachkräftemangel, internationale Instabilität, ein Sozialstaat, der nicht zum Arbeiten motiviert – für Chris Choitz ist die Problemliste lang. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes habe in den letzten Jahren extrem gelitten. Die GOT spürt das am eigenen Leib, hat einen Auftragsrückgang von bis zu 30 Prozent hinnehmen müssen und steckt seit April 2024 in der Kurzarbeit fest. Zu langsam und zu bürokratisch sei Deutschland geworden, heißt es aus Unternehmenskreisen. Die Bearbeitung von Genehmigungsverfahren bei den zuständigen Behörden nehme zu viel Zeit in Anspruch, sodass sogar potenzielle Aufträge zu scheitern drohen.

Bürokratie steht Expertise im Weg

Darüber hinaus muss die Oberflächenfirma aufgrund strenger Umweltauflagen wassergefährdende Stoffe technisch aufwendig neutralisieren. Das treibt die Preise. Die Neutralisationsanlage der GOT habe 1,3 Millionen Euro gekostet, teilt das Unternehmen mit. Hinzu kommen die laufenden Entsorgungskosten von 75.000 Euro pro Jahr. Die korrekte Entsorgung von Chemikalien sei zwar richtig, meint Chris Choitz, es könne aber nicht sein, dass diese Regelungen scheinbar nur in Deutschland gelten. Das sei ein Wettbewerbsnachteil, der potenzielle Kunden nach Asien oder Osteuropa treibe.
„Für uns steht gerade das Wachstum der letzten zehn Jahre auf dem Spiel“, mahnt der Prokurist und Betriebsleiter. Die Kurzarbeit läuft Ende 2025 aus. Wie es danach weitergeht, weiß bislang keiner. Alle im Unternehmen seien sich der Situation bewusst: „Ich bin mir sicher, dass wir diese schwierige Situation überstehen und überleben werden“, so Choitz weiter. Die GOT habe alles, was es dazu braucht: jahrelange Erfahrung, technisches Know-how und Innovationskraft. Der Anspruch, Oberflächen hochwertig zu veredeln, sei unverändert groß: „Wir müssen uns auszeichnen durch Qualität“, sagt Chris Choitz. Politik und Gesellschaft müssten nun die Kraft aufbringen, passende wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
Gesellschaft für Oberflächentechnik mbH in Jena

Die GOT ist ein mittelständisches Unternehmen mit derzeit 90 Mitarbeitern, davon fünf Azubis. Seit April 2007 sitzt das Unternehmen ohne Unterbrechung im modernen Produktionsgebäude in Jena-Göschwitz. Seit 2019 hat die Firma um Geschäftsführer Andreas Buttler umfassend in folgende neue Anlagen investiert:

2019 – vollautomatisches, robotergesteuertes Schleif- und Polierzentrum
2021 – erste Roboter-Lackieranlage im Bereich der Nasslackierung
2023 – Eloxal-Automat Glanzbad
2023/24 – Installation der zu dieser Zeit größten Photovoltaik-Anlage Jenas
2024 – Implementierung eines neuen Betriebssystems
2024 – zweite Roboter-Lackieranlage für die Nasslackierung von Groß- und Verkleidungsteilen
2025 – Inbetriebnahme eines neuen Einbrennofens im Bereich der Pulverbeschichtung
2025 – Installation eines Batteriespeichers mit 932 kWh und intelligenter Steuerung
2025 – Inbetriebnahme des neuen Blockheizkraftwerkes mit 50 kW

Die Gesamtinvestitionssumme der letzten sechs Jahre beträgt ungefähr 6,1 Millionen Euro. Davon wurden knapp 1,5 Millionen in die Bereiche Umwelt und Nachhaltigkeit gesteckt.

got-jena.com
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