„Wir gehen auf die Kanone“
Im Biergarten eine französische Kanone, im Gastraum holzländische Küche. Das Hotel und Restaurant „Zur Kanone“ blickt auf eine lange Geschichte zurück. 2025 steht das 50-jährige Jubiläum an. Dabei existiert die Gaststube in Tautenhain schon deutlich länger.
Geschäftsführerin Jana Sörgel vor der „Kanone“ in Tautenhain.
Das Gasthaus: innen modern renoviert – außen historische Fassade.
Im Dorf werde diese Geschichte noch heute erzählt, meint Jana Sörgel, die Inhaberin der „Kanone“. 1806 beginnt die Geschichte des Restaurants, die sich bis heute fortsetzt. Für Napoleon hatte die zurückgelassene Kanone im Übrigen keine Konsequenzen. Die Franzosen schlugen die preußischen Truppen vernichtend.
Tradition und Familienbetrieb
Historie mitten am Stammtisch. Die Bilder zeigen prägende Momente und Menschen der „Kanone“.
Jana Sörgel leitet Restaurant und Hotel seit 2007 bereits in der siebten Generation. Seit über 100 Jahren gehöre die „Kanone“ ihrer Familie, erzählt die Inhaberin. Sie berichtet von ihrer Oma, die das Gasthaus im Zweiten Weltkrieg allein führen musste, und davon, dass die Kanone selbst in der DDR in privater Hand war. „Als mein Vater das Geschäft dann 1975 übernommen hat, musste er in Kommission gehen. Das hieß: Das Haus war in privater Hand, die Ware gehörte dem Staat.“ Dieser Schritt sei notwendig gewesen, ansonsten hätte die Gaststätte nicht überlebt. Die Übergabe des Geschäfts an Sörgels Vater ist nachweislich dokumentiert und daher der Grund für den 50. Geburtstag der „Kanone“ im Jahr 2025. „Uns gibt es aber schon deutlich länger“, stellt Jana Sörgel klar.
Der Mauerfall brachte eine neue Aufbruchsstimmung nach Tautenhain. Ein Hotelgebäude mit 29 Doppelzimmern entstand im Garten der „Kanone“. „Vor allem Geschäftsleute haben bei uns übernachtet und natürlich im Restaurant gegessen. Das hat uns in den ersten zehn Jahren nach der Wende vorangebracht“, erinnert sich Sörgel.
Aus dem Dorf für das Dorf
Der „Kanonen-Garten“ ist vor allem im Sommer bei Hotelgästen, Einheimischen oder Radtouristen beliebt.
Zwischen den Einwohnern Tautenhains und ihrer „Kanone“ gibt es eine besondere Verbindung. „Wir gehen auf die Kanone“ ist ein gängiger Ausspruch der Tautenhainer für einen Besuch im lokalen Gasthaus. Als 2023 ein Nebengebäude der „Kanone“ brannte, kämpfte die Feuerwehr erfolgreich gegen das Feuer an und verhinderte, dass die Flammen auf Gaststätte und Hotel übersprangen. Vor allem die schnelle Reaktion der Mitarbeiter vor Ort habe Schlimmeres verhindert, ist sich Sörgel sicher.
Der Brand war eine Katastrophe, die das ganze Dorf bewegt hat. Viele Bewohner wollten helfen, den Gasthof wieder auf Vordermann zu bringen. „Unsere Nachbarn waren einen Tag nach dem Brand mit Eimern und Putzmitteln hier und haben geholfen, den Biergarten sauber zu machen. Auch die Spendenbereitschaft aus dem Dorf war groß. Ich kann da nur den Hut ziehen und mich bedanken“, sagt die Inhaberin. Sie und ihre Mitarbeiter möchten den Einwohnern deshalb etwas zurückgeben und das Gemeinschaftsgefühl im Dorf stärken. Regelmäßig finden daher Veranstaltungen in der „Kanone“ statt. Im Sommer wurde zum Beispiel ein Roland-Kaiser-Konzert im Biergarten live übertragen und am dritten Adventswochenende wird es zum vierten Mal einen Mini-Weihnachtsmarkt vor Ort geben.
Über die Grenzen hinausschauen
Der Fachkräftemangel ist laut IHK-Konjunkturumfrage vom Herbst 2025 für 52 Prozent der befragten Unternehmen aus dem Ostthüringer Gastgewerbe eines der größten wirtschaftlichen Risiken. Für Kanonen-Chefin Sörgel ist das nicht anders. Das Restaurant hat sich daher mit vier Azubis aus Vietnam verstärkt. „Ich bin mit meinen Auszubildenden zufrieden. Alle vier zeigen Engagement, sind fleißig und wollen etwas lernen.“ Als größte Hemmnisse bei der Zuwanderung beschreibt Jana Sörgel fehlende Sprachkenntnisse und lange bürokratische Prozesse.
Die vietnamesischen Azubis leben in den Personalzimmern der „Kanone“ und gehen in Erfurt in die Berufsschule. „Natürlich kostet das alles Geld, aber wir brauchen dringend Fachkräfte und deshalb müssen wir auch Zuwanderern eine Chance geben“, erklärt die Hotel- und Restaurantchefin.
Hotel und Restaurant „Zur Kanone“
Die „Kanone“ verspricht ihren Gästen eine einmalige und spannende Mischung aus Geschichte, Kultur, Landschaft und holzländischen Speisen in moderner Interpretation. Hotel und Restaurant liegen in Tautenhain, mittendrin im Thüringer Holzland.
zur-kanone.de
Die „Kanone“ verspricht ihren Gästen eine einmalige und spannende Mischung aus Geschichte, Kultur, Landschaft und holzländischen Speisen in moderner Interpretation. Hotel und Restaurant liegen in Tautenhain, mittendrin im Thüringer Holzland.
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