Digitale Schiedsverfahren: So sparen Firmen Zeit im Streitfall

Wenn Verträge kippen, zählen Tempo und Verlässlichkeit. Der DIHK-Schiedsgerichtshof zeigt, wie Streitigkeiten digital und effizient gelöst werden können. Was das Verfahren auszeichnet und warum das für Unternehmen spannend ist, erklärt dieser Artikel.
Seit einem Jahr ist der Schiedsgerichtshof bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) die zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, die wirtschaftliche Streitigkeiten außerhalb staatlicher Gerichte klären möchten. Die ersten Verfahren, überwiegend noch mit internationalem Bezug, sind bereits anhängig. Die Themen reichen von Liefer- und Leistungsproblemen bis hin zu Fragen der Vertragserfüllung. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Jennifer Evers, Referatsleiterin für alternative Konfliktlösung bei der DIHK. „Drei Verfahren werden sogar deutlich schneller als in den anvisierten zwölf Monaten abgeschlossen sein.“

Modern, effizient und unternehmensnah

Ein besonderes Merkmal des Schiedsgerichtshofs ist die digitale Verfahrensmanagementplattform (VMP). Sie ermöglicht die komplette Verfahrensdurchführung online – vom Schiedsantrag über die Dokumentenverwaltung bis zum Abschluss des Verfahrens. Sogar sogenannte „Fast-Track-Verfahren“ für besonders eilbedürftige Fälle sind möglich.
Im Vergleich zu klassischen Gerichtsverfahren bietet das Schiedsverfahren mehrere Vorteile. Laut DIHK schätzen viele Unternehmer es als praxisnah und wirtschaftsorientiert. Es gibt nur eine Instanz, die Parteien können die Schiedsrichter mitbestimmen, und die Verfahren sind in der Regel schneller. Zudem ist die internationale Vollstreckbarkeit von Schiedssprüchen einfacher als die von Gerichtsurteilen.
Auch die IHK Ostthüringen zu Gera bietet ein eigenes Schiedsgerichtsverfahren an, das seit Januar 2025 am neuen DIHK-Schiedsgerichtshof durchgeführt und organisiert wird.

Schiedsgerichtshof weiterentwickeln

Mit der Einrichtung des Schiedsgerichtshofes reagierte die IHK-Organisation auf ein klares Bedürfnis der Unternehmen und der IHKs nach einer national und international sichtbaren, verlässlichen Einrichtung, die alle Aspekte der Streitbeilegung zusammenführt. Ziel sei es, die außergerichtliche Streitbeilegung im gesamten kaufmännischen Bereich zu fördern, heißt es von der DIHK. Dazu gehören neben der Schiedsgerichtsbarkeit insbesondere auch Wirtschaftsmediation, Schlichtung und die Streitentscheidung durch Schiedsgutachten.
Die DIHK will die Angebote zukünftig für die gesamte Organisation weiter ausbauen, die Bekanntheit des Schiedsgerichtshofs steigern und die Verfahrensmanagementplattform auch für Mediationsverfahren nutzbar machen.
„Oft wird bei Vertragsverhandlungen die Vorbereitung für den Streitfall vernachlässigt. Ich plädiere dafür, sich bewusst mit der Frage auseinanderzusetzen, wie eventuelle Konflikte gelöst werden sollen – und dabei die Möglichkeiten der alternativen Konfliktlösung in Betracht zu ziehen“, sagt die Sachgebietsleiterin Recht und Steuern der IHK Ostthüringen, Sylvia Knöfel.

Schiedsgerichtsklausel notwendig!

Um die Zuständigkeit zu begründen und das Schiedsgerichtsverfahren durchführen zu können, ist bei der Unterzeichnung eines Vertrages eine Schiedsgerichtsklausel im Text notwendig. Diese Klausel kann wie folgt aussehen:
Alle Streitigkeiten, die sich aus oder in Zusammenhang mit dem vorliegenden Vertrag oder über seine Gültigkeit ergeben, werden unter Ausschluss des ordentlichen Rechtsweges nach den Schiedsregeln der Industrie- und Handelskammer Ostthüringen zu Gera endgültig entschieden.
Verfahrensmanagementplattform (VMP) des Schiedsgerichtshofs

Die VMP ist das digitale Herzstück des Schiedsgerichtshofs. Sie ermöglicht eine vollständig online-basierte Durchführung der Verfahren – von der Einleitung bis zum Abschluss.
Das bietet die VMP:
• Einfache Einreichung des Schiedsantrags über ein Online-Formular
• Cloud-basierte Bereitstellung eines geschützten gemeinsamen Arbeitsbereichs (sog. Verfahrensseite) für alle Verfahrensbeteiligten mit klarer Struktur
• Zentrale Lösung für den digitalen Dokumentenaustausch statt E-Mail-Flut und Postversand
• Übersicht über Termine, Fristen und Verfahrensstand

Die Verfahrensmanagementplattform (VMP) sorgt für Transparenz und Effizienz – für die beteiligten Unternehmen, deren Prozessbevollmächtigte wie für Schiedsrichter und alle anderen Verfahrensbeteiligten.

schiedsgerichtshof.de

Schiedsgerichtsordnung der IHK Ostthüringen zu Gera
ihk.de/gera
Sylvia Knöfel
Recht und Steuern
Sachgebietsleiterin Recht und Steuern