Irankrieg dämpft Hoffnung
Fulda. „Die kurzzeitig aufkeimende Hoffnung nach höherem Wirtschaftswachstum ist durch die Folgen des Irankriegs zunichte gemacht worden. Die osthessische Wirtschaft dümpelt weiter im rezessiven Bereich, ohne dass Aufhellungen sichtbar sind. Die konjunkturelle Seitwärtsbewegung hält seit 2022 an, was sich bereits spürbar negativ auf Beschäftigung, Investitionen und damit auch auf zukünftiges Wachstum auswirkt“, kommentiert Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda, die aktuellen Ergebnisse der Frühsommer-Konjunkturumfrage 2026.
Aktuelle und zukünftige Geschäftslage
Die derzeitige Geschäftslage wird von 56,2 Prozent der Unternehmen als befriedigend bezeichnet. Im Januar lag dieser Wert bei 59,3 Prozent. Von einer schlechten Lage sprechen 24,8 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit einer guten aktuellen Geschäftslage liegt bei 19,0 Prozent.
Die Erwartungen sind per Saldo weiterhin negativ: Eine schlechtere Lage erwarten 26,4 Prozent der Firmen (Januar: 27,3 Prozent). 67,9 Prozent der Unternehmen gehen von einer konstanten Geschäftslage aus; im Januar waren 64,4 Prozent dieser Ansicht. 5,7 Prozent der Unternehmen erwarten eine eher günstigere zukünftige Geschäftslage (Januar: 8,3 Prozent).
Die Bewertung der derzeitigen und die Einschätzung der zukünftigen Geschäftslage ergibt, dass der Geschäftsklimaindex mit 86,4 Punkten (Januar: 87,0 Punkte) nahezu unverändert ist. Damit liegt er im vierten Jahr unter der 100-Punkte-Grenze, was die strukturelle Krise der regionalen Wirtschaft und die festgefahrene rezessive Lage in Osthessen verdeutlicht.
Auch bei den Industriebetrieben ist die aktuelle Lage per Saldo weiterhin negativ. Sie hat sich gegenüber Januar jedoch leicht verbessert. Von einer schlechten aktuellen Geschäftslage sprechen 30,8 Prozent der befragten Unternehmen, 17,9 Prozent berichten von einer guten Situation. 28,2 Prozent der Industriebetriebe gehen in den kommenden Monaten von einer eher ungünstigeren, nur noch 5,1 Prozent der befragten Unternehmen von einer eher günstigeren Geschäftslage aus. Insgesamt ist der Geschäftsklimaindex der Industrie mit 81,9 Punkten leicht gestiegen. Im Handel ist der Geschäftsklimaindex von 91,8 auf 72,0 Punkte eingebrochen, was auf das kriegsbedingt eingetrübte Konsumklima zurückzuführen ist.
Talfahrt bei Investitionen und Beschäftigung hält an
Die Investitionsbereitschaft liegt per Saldo über die Mehrzahl der Branchen hinweg im negativen Bereich: 45,3 Prozent der befragten Unternehmen haben ihre Investitionsabsichten reduziert. Von steigenden Investitionen gehen 25,5 Prozent der Betriebe aus. Hauptmotive für Investitionen sind Ersatzbedarf (66,3 Prozent), Rationalisierung (43,2 Prozent), Produktinnovationen (22,1 Prozent), Kapazitätsausweitung (14,7 Prozent) und Umweltschutz (14,7 Prozent).
Die Zahl der Firmen, die von einem Beschäftigungsabbau ausgehen (24,8 Prozent), liegt über der der Betriebe, die zusätzliche Beschäftigung planen (8,6 Prozent). In der Industrie zeichnet sich ein ähnliches Bild: 35,9 Prozent der befragten Unternehmen erwarten sinkende und 5,1 Prozent der befragten Unternehmen steigende Beschäftigtenzahlen in den kommenden zwölf Monaten. Keines der befragten außenwirtschaftlich tätigen Unternehmen rechnet mit steigenden Exporten, 72,7 Prozent mit gleichbleibendem Volumen und 27,3 Prozent mit sinkenden Exporten.
Energie- und Rohstoffpreise sind Achillesferse
Als größte Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werden steigende Energie- und Rohstoffpreise (68,9 Prozent), höhere Arbeitskosten (67,9 Prozent), sich verschlechternde wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (63,2 Prozent), eine schwindende Inlandsnachfrage (60,4 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (40,6 Prozent) von den Betrieben gesehen.
Reformen zügig umsetzen
„Wenn die Geopolitik die Konjunktur verhagelt, müssen zumindest zuhause die Hausaufgaben gemacht werden. In einer solchen Phase erodieren unternehmensfeindliche Bürokratietreiber wie das Tariftreuegesetz und die Debatte um die 1.000-Euro-Prämie das Vertrauen der Wirtschaft in die Politik und den Standort Deutschland erheblich. Damit wir wieder in eine positive psychologische Aufwärtsspirale kommen, braucht es nun umfassende und zügige Entlastungen bei Energie, Arbeitskosten und Bürokratie“, fasst Michael Konow die aktuellen konjunkturellen Zahlen der IHK-Umfrage zusammen.
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