Flaute hält an
Fulda. „Die osthessische Wirtschaft geht ohne Schwung ins neue Jahr. Der Geschäftsklimaindex ist einmal mehr im rezessiven Bereich. Die konjunkturelle Nullnummer geht mittlerweile ins vierte Jahr, was sich nachhaltig negativ auf Beschäftigung und Investitionen und damit auch auf zukünftiges Wachstum auswirkt“, kommentiert Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda, die aktuellen Ergebnisse der ersten Konjunkturumfrage 2026.
Aktuelle und zukünftige Geschäftslage
Die derzeitige Geschäftslage wird von 59,3 Prozent der Unternehmen als befriedigend bezeichnet. Im Oktober lag dieser Wert bei 58,4 Prozent. Von einer schlechten Lage sprechen 23,6 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit einer guten aktuellen Geschäftslage liegt bei 17,1 Prozent.
Die Erwartungen sind per Saldo weiterhin negativ: Eine schlechtere Lage erwarten 27,3 Prozent der Firmen (Oktober: 28,0 Prozent). 64,4 Prozent der Unternehmen gehen von einer konstanten Geschäftslage aus; im Oktober waren 52,8 Prozent dieser Ansicht. 8,3 Prozent der Unternehmen erwarten eine eher günstigere zukünftige Geschäftslage (Oktober: 19,2 Prozent).
Die Bewertung der derzeitigen und die Einschätzung der zukünftigen Geschäftslage ergibt, dass der Geschäftsklimaindex mit 87,0 Punkten (Oktober: 89,2 Punkte) nahezu unverändert ist. Damit liegt er im vierten Jahr unter der 100-Punkte-Grenze, was die strukturelle Krise der regionalen Wirtschaft und die festgefahrene rezessive Lage in Osthessen verdeutlicht.
Auch bei den Industriebetrieben ist die aktuelle Lage per Saldo weiterhin negativ. Sie hat sich gegenüber Oktober jedoch verbessert. Von einer schlechten aktuellen Geschäftslage sprechen 30,2 Prozent der befragten Unternehmen, 16,3 Prozent berichten von einer guten Situation. 31,7 Prozent der Industriebetriebe gehen in den kommenden Monaten von einer eher ungünstigeren, nur noch 4,9 Prozent der befragten Unternehmen von einer eher günstigeren Geschäftslage aus. Insgesamt ist der Geschäftsklimaindex der Industrie wegen der eingetrübten Aussichten mit 79,3 Punkten nochmals gesunken. Auch im Handel liegt der Geschäftsklimaindex mit 91,8 Punkten erneut im negativen Bereich.
Weiter sinkende Investitionen und Beschäftigung erwartet
Die Investitionsbereitschaft liegt per Saldo über alle Branchen hinweg im negativen Bereich, wenn auch weniger ausgeprägt als in den vorigen Umfragen: 33,1 Prozent der befragten Unternehmen haben ihre Investitionsabsichten reduziert. Von steigenden Investitionen gehen 28,1 Prozent der Betriebe aus. Hauptmotive für Investitionen sind Ersatzbedarf (65,8 Prozent), Rationalisierung (39,3 Prozent), Produktinnovationen (22,2 Prozent), Kapazitätsausweitung (13,7 Prozent) und Umweltschutz (11,1 Prozent).
Die Zahl der Firmen, die von einem Beschäftigungsabbau ausgehen (22,9 Prozent), liegt über der der Betriebe, die zusätzliche Beschäftigung planen (10,2 Prozent). In der Industrie zeichnet sich ein ähnliches Bild: 34,1 Prozent der befragten Unternehmen erwarten sinkende und 12,2 Prozent der befragten Unternehmen steigende Beschäftigtenzahlen in den kommenden zwölf Monaten. 23,5 Prozent der außenwirtschaftlich tätigen Unternehmen rechnen mit steigenden Exporten, 55,9 Prozent mit gleichbleibendem Volumen und 20,6 Prozent mit sinkenden Exporten.
Hochrisikoumfeld hält an
Als größte Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werden sich verschlechternde wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (66,1 Prozent), eine schwindende Inlandsnachfrage (62,8 Prozent), höhere Arbeitskosten (58,7 Prozent), steigende Energie- und Rohstoffpreise (47,1 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (37,2 Prozent) von den Betrieben gesehen.
Auf Freihandel setzen
„Das Warten auf eine wirtschaftliche Erholung geht weiter. Die Konjunkturstimuli werden durch konterkarierende Maßnahmen wie steigende Arbeitskosten durch die Mindestlohnerhöhung und höhere Sozialabgaben, durch höhere CO2-Abgaben steigende Energiepreise, die sich in einem von fossilen Energieträgern nach wie vor dominierten Bruttoendenergieverbrauch unmittelbar bemerkbar machen, sowie geopolitische Entwicklungen überlagert. Die Verunsicherung in der osthessischen Wirtschaft, insbesondere im exportorientierten verarbeitenden Gewerbe, ist groß. In diesem Umfeld sollte Freihandel gefördert und Abkommen wie Mercosur nicht durch parteipolitisches Taktieren ausgebremst werden“, fasst Michael Konow die aktuellen konjunkturellen Zahlen der IHK-Umfrage zusammen.
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