Wirtschaft Region Fulda
Nr. 7190202
2 min Lesezeit
Interview

Technologie für Sicherheit und Souveränität

Ob Antrieb, Software, Vernetzung oder Systemintegration: Viele Technologien aus der Automobilindustrie sind auch für moderne Verteidigungssysteme relevant. Die Edag Group setzt auf diese Schnittstellen und unterstützt Hersteller mit Entwicklungs- und Engineering- Leistungen.
Die Edag Group nutzt ihr Know how auch für Verteidigungsprojekte. WRF sprach mit CEO Harald Keller über Chancen, Verantwortung und die wachsende Bedeutung des Defence-Bereichs.
Herr Keller, warum gewinnt der Bereich Defence aktuell für Ihr Unternehmen an Bedeutung?
Defence ist für Edag kein neues Geschäftsfeld. Wir verbinden bereits seit 2004 Automotive-Know-how mit Defence-Expertise. Durch die sicherheitspolitische Lage ist der Bedarf an leistungsfähigen und technologisch souveränen Verteidigungssystemen deutlich gestiegen. Gleichzeitig stoßen viele Systemanbieter an Kapazitätsgrenzen. Hier unterstützen wir mit komplexen Projektlösungen von der Entwicklung und Systemintegration bis zur Validierung und Produktionsplanung. Zugleich ist Defence ein wichtiger Baustein unserer Diversifizierungsstrategie: Wir erschließen Wachstumsmöglichkeiten, stärken unsere deutschen Standorte und machen Edag widerstandsfähiger gegenüber Marktschwankungen.
Welche Kompetenzen aus der Automobilentwicklung lassen sich auf Verteidigungsprojekte übertragen?
Besonders bei militärischen Landsystemen gibt es große Überschneidungen, etwa bei Antrieb, Fahrwerk, E/E-Architekturen, Software, Vernetzung, Simulation und Systemintegration. Hinzu kommen unsere Erfahrungen mit effizienten Produktentstehungsprozessen und modularen Plattformen. Die Automobilindustrie ist es gewohnt, komplexe Produkte unter hohem Zeit- und Kostendruck zur Serienreife zu bringen. Das kann Entwicklungszeiten im Defence-Bereich verkürzen. Eine Übertragung eins zu eins wäre jedoch falsch: Militärische Systeme haben andere Einsatzbedingungen, Sicherheitsanforderungen und Lebenszyklen.
Die Verteidigungsindustrie wird heute deutlich offener diskutiert. Wie erleben Sie diesen Wandel?
Die Wahrnehmung hat sich deutlich verändert. Verteidigungsfähigkeit wird heute stärker als Voraussetzung dafür verstanden, Frieden, Freiheit und demokratische Werte zu schützen. Dadurch wird auch die Rolle der Industrie offener und sachlicher diskutiert. Wichtig ist uns, unsere Rahmenbedingungen transparent zu machen: Edag engagiert sich ausschließlich im europäischen und Nato-Kontext und hält sich konsequent an die Exportkontrollbestimmungen. Zugleich respektieren wir, wenn Mitarbeitende eine Mitwirkung für sich ausschließen. Insgesamt erleben wir jedoch eine hohe Akzeptanz und großes Interesse an den technologisch anspruchsvollen Aufgaben.
Über die Edag Group
Seit über 50 Jahren steht die EDAG Group für integrierte Engineering-Dienstleistungen entlang der gesamten Entwicklungskette – von der Idee bis zur serienreifen Lösung. Mit einem 360°-Ansatz verbindet Edag Fahrzeugentwicklung, Smart Factory, Software- und Produktionskompetenz unter einem Dach. Als international agierender Konzern mit klarer Struktur, starker Führung und spezialisierten Marken bietet Edag vernetzte Kompetenz aus einer Hand. Ihre Lösungen finden Anwendung in wie Automotive & Bikes, Commercial & Offroad Vehicles, Defence, Medical & Pharma, Energy und Industrial.