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Sicherheit braucht viele Schultern
Wer im Landkreis Fulda aufgewachsen ist, kennt die besondere Lage unserer Region. Die Grenze zur ehemaligen DDR war über Jahrzehnte Teil unseres Alltags. Point Alpha steht bis heute für diese Zeit und für die Erkenntnis, wie nah Freiheit und Sicherheit beieinanderliegen können. 1994, als die letzten Einheiten des US-amerikanischen Black Horse Regiments in Fulda aufgelöst wurden, schien die Welt eine andere geworden zu sein.
Auch ich habe diese Zeit persönlich erlebt. Von 1988 bis 1990 war ich Zeit-Soldat im aktiven Dienst bei der Panzertruppe als Kommandant auf dem Kampfpanzer Leopard 2, heute bin ich Oberleutnant der Reserve. Wie viele meiner Generation wurde ich nach dem Ende des Warschauer Pakts als Reservist quasi „in Rente geschickt“ oder, wie es im Bundeswehrjargon heißt, „ausgekleidet“. Damals war kaum vorstellbar, dass wir uns eines Tages wieder so intensiv mit Fragen von Verteidigungsfähigkeit und Resilienz beschäftigen würden.
Heute wird uns wieder bewusst: Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Und Verteidigung ist längst nicht mehr alleine eine Aufgabe der Bundeswehr. Unternehmen sind Teil kritischer Lieferketten, sichern Infrastruktur, Energie, Logistik, Kommunikation und Versorgung. Damit wird Resilienz auch zu einer unternehmerischen Aufgabe.
Gerade für die Region Fulda ist das mehr als eine abstrakte Debatte. Unsere Lage im Herzen Deutschlands, unsere Verkehrs- und Logistikverbindungen und unsere mittelständisch geprägte Wirtschaft machen die Region zu einem wichtigen Baustein der gesamtstaatlichen Resilienz. Dieses Magazin möchte deshalb informieren, sensibilisieren und konkrete Ansatzpunkte geben: von der Rolle der Wirtschaft in der Gesamtverteidigung über Krisenvorsorge und Krisenkommunikation bis hin zu den Möglichkeiten, die Unternehmen und Beschäftigte selbst haben.
Ein persönlicher Gedanke: Vielleicht gibt es unter den Reservisten meiner Generation, die wie ich nach Ende des Kalten Krieges ausgeschieden sind, die Bereitschaft, wieder Verantwortung zu übernehmen. Wer sich angesprochen fühlt, sollte den Kontakt zur Bundeswehr suchen, denn aus dieser Zeit existieren keine Datenbanken mehr, die eine aktive Ansprache durch die Bundeswehr ermöglichen würden.
Heute trage ich Verantwortung nicht als Reservist, sondern als Unternehmer. Doch ganz egal in welcher Rolle: Verantwortung für unser Land beginnt bei jedem Einzelnen.
