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Interview

Solides fachliches Fundament

Junge Menschen in der Region Fulda haben beste Voraussetzungen: vielfältige Schulmodelle, starke Ausbildungsbetriebe, duale Studiengänge und interessante Hochschulangebote eröffnen ihnen zahlreiche Wege in die Zukunft. Doch wie sieht die andere Seite aus? Wie steht es um Bildungsniveau, Qualität und Einsatzfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen? Und wie ausgeprägt sind Motivation, Verantwortungsbereitschaft und Eigeninitiative der künftigen Fachkräfte?

Professor Dr. Wolfgang Dippel, Studienleitung Berufsakademie Fulda

„Das Bildungsniveau der dualen Studentinnen und Studenten ist gut ausgeprägt. Mit ihrem Abschluss haben sie solide Voraussetzungen für das Studium im Mittelstands-, Sozial- und Gesundheitsmanagement geschaffen. In den drei Praxistagen leisten sie qualifizierte Arbeit, sind einsatzfähig und zuverlässig. Insgesamt sind unsere Studierenden motiviert, übernehmen Eigeninitiative und zeigen hohe Verantwortungsbereitschaft – sowohl in den Theoriephasen als auch in den Praxiseinsätzen. Nach sechs Semestern und dem Bachelor-Abschluss können sie sehr gut im Management eingesetzt werden. Sie lernen zielorientiert und vernetzen theoretische und praktische Inhalte zuverlässig und engagiert. Gleichzeitig liegt ein besonderer Fokus auf den Themen KI und Führung. Damit stärken die jungen Menschen neben ihrem Wissen auch ihr Selbstvertrauen.“

Oberstudiendirektor Jörg Demuth, Schulleiter der Richard-Müller-Schule

„Nach wie vor haben wir eine Vielzahl von Azubis, die ihre Ausbildung mit sehr gutem oder gutem Ergebnis abschließen. Gleichzeitig stellen wir auch fest, dass die Anforderungen unter anderem in Bereichen wie Digitalisierung, betriebswirtschaftlichem Verständnis und selbstständigem Arbeiten weiter zunehmen. Hier können nicht alle gleichermaßen mithalten und müssen gezielt unterstützt und gefördert werden. Insgesamt ist die Motivation der Auszubildenden unterschiedlich ausgeprägt – abhängig von der Person und dem Ausbildungsberuf – und wird häufig stark durch den Ausbildungsbetrieb sowie die konkreten Arbeitsaufgaben beeinflusst. Durchhaltevermögen sowie ein konstruktiver Umgang mit Herausforderungen und Fehlern sind Kompetenzen, die weiterhin gezielt gefördert werden müssen. In diesem Zusammenhang kommt der engen Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule eine zentrale Rolle zu.“

Professor Dr. Jörg Kreiker, Vizepräsident der Hochschule Fulda

„Unsere Absolventinnen und Absolventen verfügen über ein solides fachliches Fundament und sind durch den starken Praxisbezug ihres Studiums sehr gut auf den Berufseinstieg vorbereitet. Praktika, Praxissemester, Projektarbeiten oder Abschlussarbeiten in Kooperation mit Unternehmen und Institutionen ermöglichen es vielen Studierenden, schon während des Studiums konkrete Berufserfahrung zu sammeln und häufig direkt in verantwortungsvolle Aufgaben übernommen zu werden. Neben fundierten theoretischen Kenntnissen bringen sie interdisziplinäre Kompetenzen und ein Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge mit. Ein Beispiel ist der Fachbereich Oecotrophologie, dessen Absolvent*innen entlang der gesamten Lebensmittel-Wertschöpfungskette denken und sowohl wissenschaftliche als auch praktische Perspektiven verbinden können.
Insgesamt erleben wir unsere Studierenden als sehr motiviert und engagiert. Viele bringen bereits zu Studienbeginn ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative mit und entwickeln diese Kompetenzen im Verlauf des Studiums weiter – etwa durch Projekte, Forschungsarbeiten oder Kooperationen mit Praxispartnern. Gleichzeitig profitieren sie von der Vielfalt ihrer Vorkenntnisse und Bildungswege, die zwar unterschiedliche Ausgangspunkte schafft, aber auch Lernprozesse und gegenseitige Unterstützung fördert. Freiräume wie individuell wählbare Projekte oder Schwerpunktarbeiten werden häufig aktiv genutzt, um eigene Interessen zu vertiefen und praxisnahe Fragestellungen zu bearbeiten.
Viele Studierende bringen ein ausgeprägtes Innovationspotenzial und eine hohe digitale Affinität mit, was insbesondere im Umgang mit neuen Technologien und digitalen Arbeitsformen wertvolle Impulse für unterschiedliche Berufsfelder liefert. Gleichzeitig zeigen sie eine große Flexibilität gegenüber vielfältigen Arbeitsmärkten und Tätigkeitsfeldern. Entwicklungsbedarf sehen wir vor allem darin, Problemlösekompetenzen, kritisches Denken sowie den reflektierten Umgang mit digitalen Werkzeugen – etwa KI-gestützten Anwendungen – weiter zu stärken. Ebenso wird es künftig wichtiger, Resilienz zu entwickeln und aktiv Formen der Zusammenarbeit und Vernetzung zu gestalten, um den wachsenden fachlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen nachhaltig begegnen zu können.“

Oberstudiendirektorin Ulrike Vogler, Schulleiterin der Ferdinand-Braun-Schule Fulda

„Der Fokus der Frage richtet sich auf die Absolventinnen und Absolventen. Daher können wir mit Blick auf die erreichten Abschlüsse und der erzielten Abschlussnoten an der Ferdinand-Braun-Schule rückmelden, dass der Großteil der jungen Fachkräfte ein sehr gutes bis gutes Niveau attestiert bekommen. Die duale Ausbildung basiert ja auf den beiden Lernorten Ausbildungsbetrieb und Berufsschule. Durch eine gute Kooperation mit den Ausbilderinnen und Ausbildern werden diejenigen jungen Menschen, denen es an Einsatzfähigkeit oder auch Einsatzwille sowie an sonstigen notwendigen Voraussetzungen mangelt, auf dem Weg zum Bildungserfolg intensiv von Schule und Betrieb begleitet, gefordert und gefördert. Wer da an seine Grenzen kommt, erreicht i.d.R. kein erfolgreiches Absolvieren der Ausbildungszeit.
Ein kleines Highlight bei den Verabschiedungsfeiern der Berufsschule bilden immer die kurzen Interviews einzelner Absolventinnen und Absolventen mit den Fragen: Was nimmst Du Positives aus Deiner Ausbildungszeit mit? Was macht Dir besonders Freude an Deinem Beruf? Mehrheitlich wird da die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen genannt sowie abends sehen zu können, was man während des Tages geleistet hat. Auch, dass man durch seine Leistung die Kunden glücklich machen kann, wird häufig angeführt - und dabei strahlen die Augen der ehemaligen Azubis meistens. Diese Haltung zeugt davon, dass die jungen Fachkräfte sich ihrer wichtigen Rolle im Wirtschaftsgefüge bewusst sind und motiviert sind, mitzugestalten - auch durch stetige persönliche Weiterentwicklung und Spezialisierung!
Die Antwort nach den Stärken bei Fachkräften von Morgen liegt in der jeweils individuellen Entwicklung des/der Einzelnen. In der Schule ist allerdings durchaus wahrnehmbar, dass vielen jungen Menschen eine gewisse Leichtigkeit zugrunde liegt. Diese kann gut positiv genutzt werden, um Problemstellungen unkompliziert und auf neue Art und Weise zu lösen, was durchaus als besondere Stärke bewertet werden kann. Indem die Welt privat wie beruflich heute so viele Möglichkeiten bietet, ist es legitim, verschiedene Dinge für sich auszuprobieren. Doch sollte jede und jeder bei den verschiedenen Steps, die gegangen werden, für sich Ziele formulieren, um den Sinn verstehen und Vorgänge einordnen zu können. Manchmal muss man sich eben auch mal „durchbeißen“, bis man eine Erfüllung findet.“