Wirtschaft Region Fulda
Nr. 7125078
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Studie

Plan B für die Energiewende

Im vergangenen Herbst veröffentlichte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) die von Frontier Economics in ihrem Auftrag erarbeitete Studie „Neue Wege für die Energiewende – Plan B“.
Die Ausarbeitung skizziert die aktuelle Ausgangslage der Energiewende in Deutschland, berechnet deren volkswirtschaftliche Gesamtkosten unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien und zeigt auf, wie sich durch eine Neuausrichtung erhebliche Einsparpotenziale ergeben könnten.

Warum einen „Plan B“?

Frontier Economics kommt zu einem deutlichen Ergebnis: Der gegenwärtig eingeschlagene Kurs der Energiewende ist weder ökonomisch noch sozialverträglich umsetzbar. Das heutige System ist von komplexen Regelwerken, starren Technologie- und Ausbauvorgaben, hohen Strompreisen sowie bürokratischen Hürden geprägt. Ambitionierte nationale Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig nicht an Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen, stellt die deutsche Wirtschaft vor immense Herausforderungen. Die Analyse geht davon aus, dass der Umbau des Energiesystems erhebliche Investitionen mit sich bringt. Diese liegen voraussichtlich bei mehr als dem Doppelten des bisherigen durchschnittlichen jährlichen Investitionsniveaus, womit die Energiewende aus ökonomischer Sicht derzeit noch am Anfang steht. Deutschland hat zwar beim Ausbau erneuerbarer Energien im Stromsektor große Fortschritte gemacht, doch in den Bereichen Wärme und Mobilität besteht erheblicher Nachholbedarf. Der Gesamtanteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch liegt lediglich bei rund 22 Prozent. Zudem belastet die Energiewende in ihrer derzeitigen Form Unternehmen und Haushalte zunehmend über hohe Energiepreise, steigende Systemkosten und wachsende Berichtspflichten.
Frontier Economics prognostiziert die Energiesystemkosten für den Zeitraum 2025 bis 2049 und folgert, dass sich bei der Weiterentwicklung des aktuellen Energiewendepfades die Gesamtkosten auf bis zu 5,4 Billionen Euro summieren könnten. Darin enthalten sind Schätzungen zu Neuinvestitionen, Betriebskosten, Netzausbaukosten und Energieimporten: Allein der Ausbau der Stromnetze soll etwa 1,2 Billionen Euro verursachen, weitere 2 bis 2,3 Billionen Euro entfallen auf Energieimporte, während sich die Investitionen in Erzeugungskapazitäten in den Berechnungen auf 1,1 bis 1,5 Billionen Euro belaufen.

Hohe Einsparungen möglich

Auf Grundlage von neun Grundsätzen entwickelt die Studie den sogenannten „Plan B“, der auf einem flexibleren und marktbasierten Politikrahmen beruht. Im Mittelpunkt der Ausarbeitung steht ein sektorübergreifendes Cap-and-Trade-System mit einem einheitlichen Emissionsbudget. Zertifikate sollen über einen gemeinsamen europäischen Markt handelbar sein, ohne starre Jahresziele. So können Unternehmen und Marktteilnehmer selbst entscheiden, mit welchen Technologien und in welchem Tempo sie Emissionen senken, solange das Emissionsbudget eingehalten wird. Politik und Verwaltung sollen gemäß Plan B lediglich koordinierende Rollen wie beispielsweise den Schutz vor Carbon Leakage, Forschungsförderung und Koordinierung der Energieinfrastruktur übernehmen.
Die zentralen Elemente des „Plan B“-Modells lassen sich zusammenfassen:
  • Einführung eines umfassenden, „atmenden“ Emissionshandelssystems (ETS), das ETS 1 und ETS 2 zusammenführt und auf bisher nicht erfasste Sektoren ausweitet; insgesamt könnten mit einer Vereinfachung und Reduktion der Förder- und Regulierungssysteme auch Bürokratiekosten deutlich gesenkt werden
  • Stärkere internationale Abstimmung der Klimaziele („Peer-Groups“)
  • Flexible Zeitplanung entlang wirtschaftlicher Investitionszyklen statt starrer Zwischenziele
  • Schaffung geeigneter Rechtsrahmen für Innovationen und Technologieentwicklung.
Die Autoren schlussfolgern, dass durch den Plan- B-Ansatz bis zu 910 Milliarden Euro an Systemkosten bis 2050 allein durch effizientere Marktmechanismen und ein gemeinsames Emissionsbudget eingespart werden könnten. Durch internationale Kooperationen und Anrechnungen von Klimaschutzleistungen im Ausland wären weitere Einsparungen möglich, wodurch in Summe über eine Billion Euro im Vergleich zum Status Quo vermieden werden könnten.

Ergänzungsstudie

Eine erste Ergänzungsstudie von Frontier Economics zu „Plan B“ widmet sich den Unternehmensauswirkungen der Energiewende. Sie untersuchte, wie sich direkte und indirekte Kostensteigerungen in verschiedenen Branchen bemerkbar machen. Das Ergebnis zeigt, dass nicht nur die klassischen energieintensiven Industrien stark betroffen sind, sondern auch zahlreiche andere Sektoren spüren (insbesondere über indirekte Kosten) die Folgen der aktuellen Energiepolitik. Die Ergänzungsstudie stützt damit die Kernthese des „Plan B“: Eine Neuausrichtung der Energiewende ist gesamtwirtschaftlich sinnvoll und notwendig.

Alle Studienergebnisse

Hier finden Sie alle Stundienergebnisse im Detail: