Gesund führen

Bei Losan Pharma ist Betriebliches Gesundheitsmanagement Unternehmensstrategie. Vor zehn Jahren steckte Losan Pharma in einer Krise. Statt auf große Flickschusterei setzten die Verantwortlichen des Pharmatechnologie-Unternehmen aus Neuenburg damals auf einen großen Erneuerungsprozess.
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Der Austausch zwischen Emmanuel Beule, Referent Digitale Geschäftsprozesse bei der IHK Südlicher Oberrhein, und den Verantwortlichen von Losan findet in Eschbach statt. Hier hat der Entwickler und Hersteller von Arzneimittelformen 2017 eine neue Betriebsstätte eröffnet. Und die nächsten Investitionen sind schon geplant: 50 Millionen Euro will das Unternehmen in den kommenden acht Jahren nochmal in den Standort stecken. Doch hätte es dieses Wachstum ohne das neue Denken im Betrieb überhaupt gegeben? – Wohl kaum. Ebenso wenig wie die Architektur des angedachten Neubaus: große Räume ohne Wände fern jeglicher Abteilungsstrukturen mit bereichsübergreifender Vernetzung.
Rückblick. 2011 schreibt Losan Pharma Verluste in Höhe von 4,5 Millionen Euro. Als Arbeitgeber hat der Betrieb einen schlechten Ruf; „Mobbing“, „ungerechte Bezahlung“ sind die Schlagwörter auf den Bewertungsplattformen. „Die Kriegskasse konnte die Verluste zwar auffangen, doch drei oder vier Jahre später wäre es schwierig geworden“, erinnert sich Florian Graf von Losan. Damals hatte er als Masterstudent im Unternehmen angefangen, heute verantwortet er den Bereich Prozessmanagement. Losan-Geschäftsführer Dr. Thomas Andresen ergänzt: „Losan hatte kein finanzielles Problem, sondern ein organisatorisches.“
Der Mutterkonzern, Falk Pharma in Freiburg, ging das Thema systematisch an und holte einen Berater ins Haus. Der installierte Dr. Thomas Andresen und Dr. Jens Morgenthaler als neue Geschäftsführer. Beide sind noch heute in dieser Position. „Ich war damals selbst erst ein halbes Jahr bei Losan“, blickt Andresen zurück. Bewusst hatte er sich für den Mittelstand entschieden. „Da kann man gestalten, im Konzern hat man keine Freiheiten.“ Den Gestaltungsspielraum erhielt er in Neuenburg schneller als gedacht.
Die Devise der beiden Geschäftsführer damals wie heute: Die Mitarbeiter befähigen, einen guten Job zu machen. Andresen lacht. „Inzwischen muss ich aufpassen, dass mir noch genügend Herausforderungen bleiben.“ Zwar gebe er gemeinsam mit seinem Kollegen Morgenthaler noch Anstöße für die Weiterentwicklung des Unternehmens, doch gehe das Management mittlerweile selbstständig seinen Weg.
Dieser Führungsansatz begeisterte Petra Zieboll von Business Vita Balance sofort. „Zunächst ging es nur um die psychische Gefährdungsbeurteilung“, berichtet die Expertin im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement. „Dann sagte mir Dr. Andresen, dass er Arbeitsplätze schaffen möchte, wo sich die Mitarbeiter wohlfühlen, sich entwickeln und experimentieren können.“ Betriebliches Gesundheitsmanagement wurde so mit Blick auf New Work zur Unternehmensstrategie. Andresen: „Uns ist es ein großes Anliegen, dass die Mitarbeiter bei uns zufrieden sind. Besonders jetzt, mit der Corona-Pandemie. Aber auch schon zuletzt durch die immer stärker zunehmende Digitalisierung sind die Sorgen bei den Menschen gewachsen: Habe ich in zwei Jahren noch meinen Job?“
Für den Geschäftsführer gibt es keinen Zweifel: „Diese Unsicherheit müssen wir den Mitarbeitern nehmen. Und deshalb ist BGM auch integraler Teil der Firmenphilosophie. Heute geht es nicht um Führung, sondern um gesunde und zeitgemäße Führung.“ Florian Graf erläutert die Hintergründe: „Gerade bei der Digitalisierung geht die Schere auf: Da gibt es Leute, die vollkommen begeistert sind, und Leute, die Angst vor den Neuerungen haben. Da schaffen wir es mit unseren Konzepten, dass sich die Mannschaft gegenseitig abholt.“ So kommt auch der Entwurf für den angedachten offenen Neubau, den sogenannten „Modern Workplace“, aus der Mitarbeiterschaft.
Das Betriebliche Gesundheitsmanagement und Petra Zieboll sind auch hier immer mit dabei. Als Schnittstelle und Losans BGM-Beauftragte fungiert dabei Angela Hösel. „Das BGM-Team setzt sich aus Vertretern aus allen Bereichen und Standorten zusammen. Unsere BGM-Aktivitäten werden nicht nur aus den umfangreichen Analyseergebnissen abgeleitet. Vielmehr sind uns die aktuellen Meinungen, Ideen und Anregungen aus den Teams wichtig. So erarbeiten wir einen Jahresplan, den wir dem Steuerkreis vorlegen und um Zustimmung bitten.“
Petra Zieboll und Emmanuel Beule sind überzeugt, dass Losan mit der Idee der gesunden Führung die Corona-Krise deutlich besser übersteht und auch in Zukunft leichter Fachkräfte akquirieren kann als manch anderer Betrieb. Beule, der den IHK-Mitgliedsunternehmen als Berater für digitale Geschäftsprozesse und Transformation zur Verfügung steht: „Für mich ist Losan der Beweis dafür, dass wissenschaftlich fundierte Haltungs- und Methodenkonzepte funktionieren, wenn sie konsequent umgesetzt werden. Losan gelingt es, den mit der digitalen Transformation einhergehenden Wandel der Arbeit zu meistern. Von solchen Konzepten können viele Betriebe lernen.“
Von links:  IHK-Referent Emmanuel Beule, Petra Zieboll von Business Vita Balance sowie Dr. Thomas Andresen, Angela Hösel und Florian Graf von Losan Pharma.

(Stand 19.1.2021, Redaktion: naz)