Verhaltener Jahresstart 2026 - Unternehmen kämpfen mit Bürokratie und Kostendruck
Zu Jahresbeginn 2026 verharrt die Konjunkturentwicklung in Nord-, Mittel- und Westthüringen weiterhin auf niedrigem Niveau. Maßnahmen der Bundesregierung zur Ankurbelung der Konjunktur zeigen bislang wenig Effekte. Obwohl sich die aktuelle Geschäftslage im Vergleich zum Herbst 2025 leicht verbessert hat, fällt die Beurteilung nach wie vor zurückhaltend aus. Auch die Erwartungen bleiben insgesamt pessimistisch. Der Klimaindex schafft deshalb nur ein kleines Plus von drei Zählern und steht nun bei 81 Punkten - weit weg vom langjährigen Durchschnitt mit 102 Punkten. Schuld daran dürften die weiterhin unbefriedigenden Rahmenbedingungen sein. Der Kostendruck ist hoch, die Nachfrage schwach, geopolitische Störmanöver sorgen immer wieder für Verunsicherung. Bürokratie und Regulierungswahn nehmen den Unternehmern buchstäblich die Luft zum Atmen.
Trotz leichter Erholungstendenzen bleibt die Geschäftslage branchenübergreifend angespannt. Aktuell bezeichnen 23 Prozent der befragten Betriebe ihre Lage als gut (Herbst 2025: 22 Prozent), 34 Prozent beurteilen sie als schlecht (Herbst 2025: 36 Prozent) und 43 Prozent sehen sie als befriedigend an (Herbst 2025: 42 Prozent). Seit vier Jahren bewegt sich der Saldo aus Positiv- und Negativ-Meldungen nun schon im Minusbereich. Lediglich eine kurze Erholungsphase nach der Pandemie hat diesen Trend unterbrochen. Hohe Energie- und Arbeitskosten, langwierige Genehmigungsverfahren, die Vielzahl bürokratischer Vorgaben sowie wirtschaftspolitische und geopolitische Unsicherheiten bremsen die Wettbewerbsfähigkeit und zehren an der Substanz der Unternehmen.
Ohne tiefgreifende Veränderungen haben nur wenige Unternehmer Hoffnungen auf einen stabilen, selbsttragenden Aufschwung. Gerade einmal elf Prozent der Befragten blicken zuversichtlich auf die kommenden Monate, 51 Prozent rechnen mit einer konstanten Entwicklung. Mehr als ein Drittel der Unternehmer (38 Prozent) befürchten einen weiteren Abwärtstrend. So verharren die Investitionsabsichten deutlich im Negativbereich. Lediglich 13 Prozent, nach zuletzt 16 Prozent, planen wachsende, 25 Prozent (Herbst 2025: 24 Prozent) dagegen nachlassende Investitionen.
Als Ursache für den erneuten Investitionsrückgang nennen die Unternehmer die allgemeine Wirtschaftspolitik: 71 Prozent der Befragten sehen darin ein erhebliches oder gewisses Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung. Es folgen Energie- und Rohstoffpreise (64 Prozent), die schwache Inlandsnachfrage (62 Prozent) und die Arbeitskosten (59 Prozent).
Besorgniserregend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sind neben den insgesamt verhaltenen Investitionsaussichten die unterm Strich schlechten Beschäftigungsperspektiven. Die lange Konjunkturflaute macht sich zusehends auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. 25 Prozent der Unternehmen planen einen Personalabbau, nur sechs Prozent einen Beschäftigtenzuwachs.
Ein Blick auf die Branchen ergibt ein differenziertes Bild. Es gibt leichte Hoffnungsschimmer – insbesondere in der Industrie. Aber sie reichen nicht aus, um deutlich mehr Investitionen am heimischen Standort oder zusätzliche Beschäftigung auszulösen. Die Baukonjunktur im Wohnungsbau und im gewerblichen Bereich springt noch nicht an. Hohe Kosten infolge von Materialverteuerungen überlagern die positiven Effekte der rückläufigen Zinsen. Auch wenn sich nicht alle Erwartungen an das wichtige Weihnachtsgeschäft erfüllt haben, stabilisiert sich die Lage der Einzelhändler im Vergleich zum Vorjahr. Über die Hälfte der Gastronomen und Hoteliers musste weitere Umsatzrückgänge verkraften, entsprechend zurückhaltend fallen die Branchenbewertungen aus. Lage und Erwartungen in den Dienstleistungssparten verbessern sich leicht. Der Blick auf die nächsten Monate wird aber immer noch von deutlicher Skepsis dominiert.
Fazit: Die Unternehmen befinden sich vor den schwierigsten wirtschaftlichen Herausforderungen seit vielen Jahrzehnten. Die bisherigen Initiativen der Bundesregierung gehen in die richtige Richtung, reichen aber noch nicht aus, um auf den Wachstumspfad zurückzukehren. Die Unternehmer brauchen spürbare Erleichterungen bei Steuern, Lohnnebenkosten und Bürokratie.
Hintergrundinformationen zur Konjunkturumfrage:
Die IHK Erfurt befragt dreimal pro Jahr (zum Jahresbeginn, im Frühjahr und im Herbst) rund 650 Unternehmen aus Nord-, Mittel- und Westthüringen der Branchen Industrie, Bau, Verkehrsgewerbe, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen zur aktuellen Geschäftslage sowie zu den Erwartungen und Plänen für die kommenden Monate. Die aktuellen Ergebnisse wurden zwischen dem 15. Dezember 2025 und dem 23. Januar 2026 erhoben. Die Rücklaufquote beläuft sich auf 32 Prozent.