Umweltbarometer 2025: Thüringer Unternehmen sehen Handlungsbedarf bei Bürokratie und Genehmigungen.

Die Ergebnisse des Umweltbarometers 2025 zeigen: Umwelt- und Ressourcenschutz ist für Thüringer Unternehmen selbstverständlich – aber die praktische Umsetzung wird zunehmend belastend. Besonders häufig genannt wurden Anforderungen aus der Kreislaufwirtschaft, dem Chemikalienrecht und der produktbezogenen Regulierung.
Viele Betriebe erkennen Vorteile wie Ressourceneinsparung, Risikominimierung und das Erfüllen von Kundenanforderungen. Zugleich berichten sie von hohen Aufwand durch die Vielzahl von Dokumentationspflichten und unsicheren Rahmenbedingungen.

Zentrale Herausforderungen

Die Unternehmen kritisieren besonders:
  • lange Genehmigungszeiten, die Investitionen verzögern
  • fehlende Digitalisierung in Verfahren sowie unzureichende digitale Infrastruktur
  • schwierige Kommunikation mit Behörden
  • fehlende Fachkräfte, um die Vielzahl an Umweltregeln umzusetzen
  • uneinheitlichen Vollzug, in Umweltbehörden
Diese Punkte bestätigen die Rückmeldungen aus anderen Regionen – und zeigen klaren Handlungsbedarf auf Landesebene.

Forderungen an die Landespolitik

Die Unternehmen wünschen sich:
  • spürbaren Bürokratieabbau und Reduzierung unnötiger Berichtspflichten
  • einheitliche Standards und Verfahren im Vollzug aller Thüringer Umweltbehörden
  • beschleunigte Genehmigungen, insbesondere bei UVP-pflichtigen Projekten
  • mehr Digitalisierung der Verwaltungsprozesse
  • keine neuen kommunalen Sonderwege, etwa bei der kommunalen Verpackungssteuer, sondern harmonisierte Regeln
  • bessere personelle Ausstattung der Behörden, um Verfahren schneller, planbarer und serviceorientierter zu gestalten
  • Harmonisierung von Umweltregulierung auf EU- und Bundesebene, um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden
Die IHK Erfurt unterstützt Unternehmen mit Informationsangeboten, Webinaren und Beratung zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen und bringt die Anliegen der Wirtschaft aktiv in die Politik auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene ein.

Hintergrund

Die IHK Erfurt hat gemeinsam mit weiteren Kammern die Umfrage „Umweltbarometer 2025“ unter 75 Thüringer Unternehmen durchgeführt. Ziel war es, die Auswirkungen der Umweltpolitik auf die Wirtschaft zu erfassen und konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik abzuleiten.
Deutschlandweit haben sich 1.647 Unternehmen an der Umfrage beteiligt. Die Ergebnisse werden durch die DIHK veröffentlicht.
Zentrale Ergebnisse:
Relevanz im Alltag:
  • Besonders häufig genannt wurden die Kreislaufwirtschaft und das Abfallmanagement (75 Prozent), aber auch Chemikalienrecht, Abwasser (je 53 Prozent) und Immissionsschutz (45 Prozent) spielen in vielen Branchen eine wichtige Rolle.
  • Bei den regelmäßigen Dokumentationspflichten unterliegen die Unternehmen am häufigsten den Abfallbilanzen | Abfallnachweisen und den Nachweispflichten für gefährliche Abfälle.
Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit:
  • Rund ein Drittel der Unternehmen bewertet die Umweltpolitik positiv, ein weiteres Drittel neutral – aber fast jedes vierte Unternehmen sieht negative Effekte auf die Wettbewerbsfähigkeit.
  • Die Themen, welche die Antwort zur Wettbewerbsfähigkeit am meisten beeinflusst haben, sind:
    • Kreislaufwirtschaft | Abfallmanagement
    • Produktspezifische Regulierungen (z. B. Verpackungen, Elektrogeräte)
    • Luftqualität | Luftreinhaltung (Immissionsschutz) und Gewässerschutz | Abwasser
Mehrwert:
  • Der größte Mehrwert, den Unternehmen in Umweltregulierungen sehen, liegt in externen Faktoren und der Einhaltung von Standards.
  • Über die Hälfte der Unternehmen erkennt Vorteile in den Auflagen, weil sie Kundenanforderungen besser erfüllen (56 Prozent) können, Umweltschutz für die Gesellschaft (55 Prozent) oder etwa durch Imagepflege (32 Prozent) und die Risikominimierung durch rechtssichere Prozesse und Produkte (33 Prozent).
  • Zugleich geben aber 17 % an, dass sie lediglich „Pflichten erfüllen“ und keinen echten Nutzen sehen.
Herausforderungen:
  • Die größte Hürde bei der Umsetzung von Umweltregulierungen liegt im laufenden operativen Aufwand.
Ein Beispiel: Während einige Betriebe den Digitalen Produktpass als Chance für mehr Transparenz sehen, kennen ihn zwei Drittel der Befragten noch gar nicht. Beim Recht auf Reparatur gehen die Einschätzungen weit auseinander – von neuen Servicechancen bis zur Einschätzung „für uns nicht relevant“.
  • Die mit Abstand größte Herausforderung ist der der hohe laufende Aufwand an Sach- und Personalkosten (78 Prozent), zu viele Berichtspflichten (z. B. EUDR, CBAM) (46 Prozent).
  • Fehlende Planungssicherheit und Zu hohe Investitionen erforderlich werden von einem Drittel der Befragten als Herausforderung gesehen.
  • Auch die Schwierige Kommunikation mit Behörden und Lange Genehmigungszeiten für neue Projekte stellen für ca. ein Drittel der Unternehmen signifikante Herausforderungen dar.
  • Um Umweltschutz im Unternehmen voranzutreiben, wünschen sich die Unternehmen an erster Stelle den Abbau unnötiger bürokratischer Regularien (87 Prozent). Darüber hinaus wird die Forderung nach Weltweiten oder zumindest EU-weiten einheitlichen Spielregeln (Level Playing Field) (54 Prozent) und einem Vereinfachten Zugang zu öffentlichen Fördermitteln (50 Prozent) besonders häufig genannt.
  • Hinsichtlich des Aufwands für die regelmäßigen Dokumentationspflichten gaben 30 Prozent der Unternehmen an, mehr als 8 Stunden pro Woche damit zu verbringen, während 38 Prozent bis zu 5 Stunden pro Woche aufwenden
Sie finden die Ergebnisse der Umfrage hier zum Download: DIHK-Umweltbarometer 2025