DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 unter Ausbildungsbetrieben: Ergebnisse der IHK Erfurt

Die duale Ausbildung hat für die Wirtschaft weiterhin einen hohen Stellenwert. Das zeigen die Ergebnisse der bundesweit durchgeführten DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 auch für die Ausbildungsbetriebe im Kammerbezirk der IHK Erfurt. Gleichzeitig wird deutlich, dass die wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen und strukturelle Herausforderungen zunehmend Spuren auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen.

Angebot an Ausbildungsstellen unter Druck

Die Ergebnisse zeigen, dass die angespannte wirtschaftliche Lage inzwischen auch Auswirkungen auf das Ausbildungsplatzangebot hat. Hinzu kommt ein anhaltender Mangel an passenden Bewerbungen.
31 Prozent der befragten Unternehmen bieten 2026 weniger Ausbildungsplätze an als im Vorjahr. Lediglich 9 Prozent weiten ihr Angebot aus. Die große Mehrheit von 60 Prozent hält die Zahl ihrer Ausbildungsplätze konstant.
Bei den Gründen für ein geringeres Ausbildungsangebot spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Mehr als die Hälfte der betroffenen Unternehmen – 53,9 Prozent – bildet grundsätzlich nur in bestimmten Zyklen aus. 27,7 Prozent geben an, weniger geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden, weitere 26,2 Prozent verfügen über geringere Ausbildungskapazitäten. Schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden nennen 15,4 Prozent. Organisatorische Veränderungen im Betrieb und ein geringerer Personalbedarf werden jeweils von 13,9 Prozent genannt. 7,7 Prozent würden gerne stärker ausbilden, sehen dafür derzeit jedoch ungünstige Rahmenbedingungen.
Damit wird deutlich, dass die Zurückhaltung beim Ausbildungsangebot nicht allein konjunkturell bedingt ist, sondern auch die Verfügbarkeit geeigneter Bewerbungen und die Erfahrungen der Betriebe im Ausbildungsalltag zunehmend die Entscheidung darüber beeinflussen, wie viele Ausbildungsplätze angeboten werden.

Besetzungsprobleme bleiben auf hohem Niveau

Auch die Schwierigkeiten bei der Besetzung freier Stellen sind erheblich. Rund jeder zweite befragte Betrieb im Bezirk der IHK Erfurt konnte im Ausbildungsjahr 2025/2026 nicht alle angebotenen Plätze besetzen.
Das zentrale Problem bleibt die Passung zwischen Bewerbern und den Anforderungen der Ausbildungsbetriebe. Dabei geht es sowohl um vorhandene Qualifikationen als auch um regionale und berufliche Präferenzen.
Von den Unternehmen mit Besetzungsschwierigkeiten geben 59,3 Prozent an, keine geeigneten Bewerbungen erhalten zu haben. Damit bleibt dies mit Abstand das häufigste Hindernis. 30,9 Prozent erhielten für ihre offenen Ausbildungsplätze überhaupt keine Bewerbungen. Auffällig sind zudem logistische Rahmenbedingungen: 13,6 Prozent nennen beispielsweise weite Wege oder fehlenden bezahlbaren Wohnraum als Problem – bundesweit sind es nur 7 Prozent.
Auch Vertragslösungen spielten eine Rolle. 16 Prozent berichten von Vertragslösungen durch Auszubildende innerhalb der Probezeit, 12,3 Prozent von Vertragslösungen seitens des Betriebes. „Azubi-Ghosting“, also das Nichterscheinen von Bewerberinnen und Bewerbern beziehungsweise künftigen Auszubildenden trotz vorheriger Zusage, nennen 8,6 Prozent. Bürokratische Hürden bei Bewerbern aus Drittstaaten werden von 2,5 Prozent der Betriebe mit Besetzungsschwierigkeiten genannt.

Vier besondere Erkenntnisse der Befragung sind besonders hervorzuheben:

Fazit zur Umfrage

Die Ergebnisse zeigen damit zugleich die Chancen der dualen Ausbildung: Wer sich für diesen Karriereweg entscheidet, hat weiterhin gute Perspektiven für einen erfolgreichen Berufseinstieg und vielfältige Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung.
Insgesamt macht die Ausbildungsumfrage deutlich, dass die Betriebe im Bezirk der IHK Erfurt trotz schwieriger Rahmenbedingungen an der dualen Ausbildung festhalten. Gleichzeitig werden die Herausforderungen größer. Eine bessere Ausbildungsstartkompetenz, eine praxisnahe Berufsorientierung, attraktive Standortbedingungen für Auszubildende und möglichst unkomplizierte Rahmenbedingungen für die Gewinnung ausländischer Nachwuchskräfte bleiben deshalb wichtige Voraussetzungen, damit Unternehmen auch künftig ausreichend Fachkräftenachwuchs ausbilden können.
Die IHK Erfurt wird die Ergebnisse für die politische Interessenvertretung verwerten und die o.g. Forderungen auch weiterhin an politische Entscheidungsträger adressieren.
Hinweis zur Umfrage
An der diesjährigen Online-Befragung beteiligten sich bundesweit rund 14.000 Unternehmen aus allen IHK-Branchen und Regionen. Aus dem Bezirk der IHK Erfurt nahmen 218 Unternehmen teil. Die Befragung wurde im Zeitraum vom 11. bis 29. Mai 2026 durchgeführt.
Die bundesweiten Ergebnisse finden Sie unter DIHK-Ausbildungsumfrage 2026.