IHK-Vollversammlung

Zügige Entscheidung für einen Marinestandort in Emden gefordert

Echte Chance für die Region: ein Marinestützpunkt in Emden

Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) begrüßt die Pläne der Bundeswehr zu einer möglichen Ansiedlung eines Marinehafens in Emden. „Ein Marinestützpunkt in Emden ist nicht nur ein starkes Signal, sondern auch eine echte Chance für die Region“, betonte IHK-Präsident Theo Eilers auf einer Sitzung der IHK-Vollversammlung am 15. September 2026 in der Sparkasse in Aurich. Die Ansiedlung würde der regionalen Wirtschaft einen enormen strukturellen und konjunkturellen Schub verleihen. „Von den Investitionen der Bundeswehr profitiert vor allem auch die Dienstleistungsbranche, die Bauwirtschaft, der Einzelhandel und die Gastronomie. Sie werden durch die Kaufkraft der dort stationierten Soldatinnen, Soldaten und Zivilbeschäftigten nachhaltig gestärkt.“
Mit der Ansiedlung von fünf Fregatten sollen auch Arbeitsplätze für rund 1.500 Soldatinnen und Soldaten auf dem Gelände am Rysumer Nacken entstehen.
Die Geschichte der Bundeswehr in Emden ist lang. In der Zeit von 1958 bis 1997 war die Seehafenstadt schon einmal Marinestandort. Die Nordseewerke waren mit ihrem U-Bootbau ein wichtiger Rüstungsbetrieb. Jetzt ist Emden erneut von strategischer Bedeutung für die Landesverteidigung. Als westlichster Seehafen ist er schon heute eine wichtige Logistikdrehscheibe für die Nato, so Eilers.
Entscheidend sei nun, dass das Verteidigungsministerium eine Entscheidung treffe und damit Fakten und Planungssicherheit schaffe. Eilers: „Wenn Militär und Wirtschaft nun Hand in Hand gehen, wird der Hafen zu einem echten Jobmotor der Region werden.“

IHK begrüßt Baufortschritt der Zentralklinik

Gastreferent Andreas Epple berichtete über den aktuellen Baufortschritt des Zentralklinikums in Uthwerdum. „Wir liegen gut im Plan“, sagte er und berichtete, dass sich bereits jetzt, lange vor der eigentlichen Fertigstellung der Klinik, schon positive Effekte abzeichneten: „Bereits jetzt konnten zahlreiche neue Ärzte für die Klinikstandorte Aurich und Emden eingestellt werden, die ab 2029 in der Zentralklinik arbeiten möchten. Dadurch konnten wir unser medizinisches Leistungsvermögen um 20 Prozent steigern.“
Durch ihre hochmodernen Standards sei die Zentralklinik bereits vor ihrer Fertigstellung bei Medizinern aus ganz Deutschland sehr gefragt. 814 Betten und zwölf Operationssäle sind geplant – ein Raum soll speziell für den Einsatz von Robotik ausgerichtet werden. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz – wie jetzt schon bei der Auswertung von Röntgenbildern – wird bereits bei der Beschaffung neuer Medizintechnik für die Zentralklinik mitgedacht.
Die Kosten für die Zentralklinik werden aktuell auf rund 600 Millionen Euro geschätzt.
IHK-Präsident Theo Eilers begrüßte das Projekt und bekräftigte die Unterstützung der IHK: „Es geht voran und das ist gut und richtig“, so Eilers. Neben ihren modernen Standards und ihrer zentralen Lage beschrieb Eilers die Zentralklinik als einen „entscheidenden Baustein“ für die Zukunftsfähigkeit der Region: „Eine moderne und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung ist ein wichtiger Standortfaktor für Fachkräfte und deren Familien, die sich in der Region ansiedeln möchten.“

IHK übt Schulterschluss mit der Landwirtschaft

Der zweite Gastredner, der Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins, Manfred Tannen gab einen Einblick in die Bedeutung der Landwirtschaft in Ostfriesland für die Region aber auch überregional. „46 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland finden im ländlichen Raum statt“, so Tannen. Ostfriesland spiele dabei aufgrund seines Klimas eine besondere Rolle.
Die Wertschöpfung, die durch die Nutzung von Grünland entstehe, werde unterschätzt, so Tannen. Vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels werde Norddeutschland eine steigende Bedeutung in der Produktion von landwirtschaftlichen Gütern spielen. Gleichzeitig beklagt er einen mangelnden Rückhalt aus der Politik. Zu viel Bürokratie und zu hohe Energiekosten belasten die Betriebe. Immer mehr Landwirte geben ihre Höfe auf. Tannen: „Uns fehlen mittlerweile die Betriebsleiter, die noch bereit sind Verantwortung zu übernehmen.“
Auch mit Blick auf die Energieversorgung wünscht sich der LHV-Präsident mehr Unterstützung von der Politik: „Es wird politisch nicht anerkannt, das Biogas grundlastfähig ist“ sagt er in der Vollversammlung. In Niedersachsen werden 76 Prozent der Bruttostromerzeugung aus regenerativen Energien gewonnen. 16 Prozent davon entstammen aus der Produktion von Biogas. Tannen wünscht sich hier mehr Unterstützung für den Ausbau von Biogasanlagen.
Die IHK-Vollversammlung suchte den Schulterschluss mit der Landwirtschaft. „Überbordende Bürokratie und unsichere Rahmenbedingungen, insbesondere bei den Energiekosten, belasten sowohl die Landwirtschaft als auch Industrie und Handel. In diesen Punkten können wir gemeinsam auftreten und unsere Position in Berlin und Hannover platzieren“, so Eilers.

Seehafenfinanzierungsgesetz: Fortschritte bei der Reformierung

IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard informierte über Fortschritte bei der Reformierung des Seehafenfinanzierungsgesetzes. „Wir haben einen ersten wichtigen Erfolg erzielt“, berichtete er in der Vollversammlung. Aktuell gibt der Bund nur rund 38,5 Millionen Euro zur Instandhaltung der norddeutschen Seehäfen aus. „Viel zu wenig“, so Deinhard. Doch für eine Erhöhung der Förderung bedürfe es einer Verfassungsänderung, so die Bundesregierung. Darum hatte die IHK gemeinsam mit dem ihrem Verbund der norddeutschen Industrie- und Handelskammern (IHK Nord) ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, bei dem herausgekommen ist, dass eine Änderung der Verfassung nicht nötig sei. „Damit haben wir eine starke Argumentationsgrundlage, um die dringend erforderliche Erhöhung der Seehafenfinanzierungsmittel des Bundes (von 38,5 auf 500 Millionen Euro) durchzusetzen.
Aktuell fehlen den Häfen rund 15 Milliarden Euro zur Modernisierung von Kaimauern, Becken und Infrastruktur. Bislang blieb die Instandsetzung in weiten Teilen Sache des Landes. Das sei jedoch falsch, so Deinhard: „Die deutsche Hafenwirtschaft geht alle etwas an. Als Drehkreuze für den Im- und Export profitieren nicht nur die Küstenanrainer, sondern jeder, der etwas über unsere Häfen zu verschiffen hat – von der Nordsee bis zu den Alpen.“ Auch die regionalen Seehäfen – Emden, Leer und Papenburg – haben gewaltige Infrastrukturvorhaben vor der Brust, so Deinhard. „Die Kosten sollten dabei vom Bund – und damit von allen getragen werden.“