Vollversammlung
IHK wirbt für Wirtschaftsstandort Ostfriesland und Papenburg
IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard (links) und IHK-Präsident Theo Eilers (rechts) begrüßten den Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der Republik Usbekistan in Berlin, Mirgiyos Azimov (2. von links), sowie DIHK-Präsident Peter Adrian (2. von rechts) zur Sitzung der Vollversammlung.
Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) hat sich in ihrer jüngsten Sitzung mit der neuen Mitmachkampagne „Wir unternehmen das“ befasst. „Unser Unternehmertum bleibt häufig unsichtbar oder wird unterschätzt. Vielen ist es nicht bewusst, was Unternehmer tagtäglich leisten: Betrieblicher Erfolg schafft Arbeitsplätze, motiviert und bildet Menschen aus, treibt Innovationen voran. Unser Handeln trägt so maßgeblich zum Wohlstand bei“, sagte IHK-Präsident Theo Eilers am 16. Juni in Emden. Ziel der bundesweiten Imagekampagne der Industrie- und Handelskammern ist es, diese Leistungen sichtbar zu machen.
Strukturreformen in Krisenzeiten gefordert
Gastredner Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Berlin, machte deutlich, wie wichtig dieses öffentliche Bewusstsein für den Stellenwert des Unternehmertums ist – insbesondere in den aktuell herausfordernden Zeiten: „Die deutsche Wirtschaft ist seit 2019 praktisch nicht mehr gewachsen, während die Weltwirtschaft um rund 19 Prozent, die USA um etwa 15 Prozent und die EU insgesamt um 7,7 Prozent zugelegt haben. Deshalb müssen jetzt schnell und entschlossen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass Unternehmen wieder investieren, wachsen und Vertrauen in den Standort gewinnen können.“
Handlungsbedarf sieht Adrian vor allem bei den Themen Bürokratieabbau, Fachkräfte und Arbeitsmarkt sowie Sozialabgaben und Steuern. Vor diesem Hintergrund verwies er unter anderem auf die 146 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung, die Deutschland jedes Jahr aufgrund von Bürokratielasten verloren gingen. „Das sind mehr als drei Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts“, so Adrian. „Deutschland braucht wieder mehr Tempo und Vertrauen in unternehmerische Verantwortung. Es geht um Pragmatismus und Praxisnähe.“
In der aktuellen Krisensituation sieht Adrian eine Chance, die bisher verschleppten Strukturreformen zügig auf den Weg zu bringen. Entscheidend sei, dass Reformen nicht nur angekündigt, sondern auch konsequent realisiert würden. „Die Unternehmen brauchen spürbare Entlastungen.“
IHK-Bezirk als attraktiver Wirtschaftsstandort
Im Gespräch mit den Mitgliedern der Vollversammlung wurde deutlich, welches Potenzial der IHK-Bezirk Ostfriesland und Papenburg hat – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. „Die Seehäfen in Emden, Leer und Papenburg sind als logistische Drehscheiben auch über die Region hinaus von großer Bedeutung für den Außenhandel“, so Eilers.
Mit Blick auf die Energiewende gilt der IHK-Bezirk bereits seit vielen Jahren als eine Modellregion. Der Landkreis Aurich ist als ‚Wiege der Windenergie‘ bekannt, in Emden soll eine der größten Wasserstoff-Erzeugungsanlagen Europas entstehen und in Etzel läuft das Pilotprojekt ‚H2CAST Etzel“, in dessen Zuge die Eignung der Salzkavernen für die Wasserstoffspeicherung demonstriert werden soll. „Der Energiesektor ist für unsere Region ein Hoffnungsträger“, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard zusammen.
Zudem verfügt der IHK-Bezirk mit rund 160 verschiedenen Ausbildungsberufen und den (dualen) Studienmöglichkeiten an der Hochschule Emden/Leer über gute Ausgangsbedingungen für die Fachkräfte von morgen.
Bildungskooperationen gegen den Fachkräftemangel
Mit Blick auf das Thema Fachkräftesicherung hob Mirgiyos Azimov, Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der Republik Usbekistan in Berlin, die Rolle internationaler Bildungskooperationen hervor: „Das große Interesse an der deutschen Sprache und am deutschen Ausbildungssystem in Usbekistan bildet eine solide Grundlage für die Entwicklung nachhaltiger Fachkräftepartnerschaften. Wir sind überzeugt, dass eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern sowohl den jungen Menschen in Usbekistan als auch den Unternehmen in Deutschland neue Chancen eröffnet.“ Mit rund 400.000 Deutschlernenden an den Schulen gehört Deutsch in Usbekistan zu den wichtigsten Fremdsprachen.
Bereits im Juli 2025 war eine Delegation aus Usbekistan in Ostfriesland zu Gast, um sich über die Chancen beruflicher Ausbildung in der Region zu informieren. Vom 5. bis 10. Oktober organisiert die IHK für Ostfriesland und Papenburg zudem eine Delegationsreise für Unternehmen und Einrichtungen, die sich strategisch mit der Rekrutierung und Entwicklung internationaler Talente befassen möchten. Beim Besuch der Hauptstadt Taschkent sowie der Städte Samarkand und Olmaliq erhalten die Teilnehmer einen strukturierten, praxisnahen Einblick in den usbekischen Talent- und Bildungsmarkt in Schlüsselbranchen wie Industrie, Handwerk, Bau, Energie und Dienstleistungen.
„Die Fachkräftesicherung ist ein wichtiger Standortfaktor – und damit ein Baustein für die Zukunftsfähigkeit unserer Region“, so Deinhard abschließend.