Wirtschaft im IHK-Bezirk blickt pessimistisch in die Zukunft

Die wirtschaftliche Lage der Betriebe in Ostfriesland und Papenburg hat sich im vierten Quartal 2025 nicht verbessert. Besonders der Blick in die Zukunft bereitet den Betrieben Sorgen. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) hervor. Der Klimaindex, der die aktuelle Lage und die Zukunftsaussichten in einem Wert zwischen 0 und 200 wiedergibt, sank von zuletzt 87 auf nun 82 Punkte.

Herausforderungen und Unsicherheiten bleiben groß

„Insbesondere Unternehmen des produzierenden Gewerbes sehen sich aktuell mit einer Vielzahl struktureller Probleme konfrontiert, die ihre Wettbewerbsfähigkeit belasten. Zentrale Herausforderungen sind die im internationalen Vergleich nach wie vor hohen und volatilen Energiepreise, die Investitionen in Kernprozesse, Innovationen und eigene Klimaschutzbemühungen bremsen. Überbordende Bürokratie mit komplexen Genehmigungsverfahren, Berichtspflichten und Förderregularien verlangsamt Transformationsprozesse erheblich. Aufgrund von mangelnder Planbarkeit und Verlässlichkeit der Energie- und Klimapolitik, werden Investitionsentscheidungen aufgeschoben und im schlechtesten Fall ins Ausland verlagert. Diese Entwicklung führt zu einer schleichenden Erosion von Wertschöpfung, Innovationskraft und industriellen Arbeitsplätzen“, so IHK-Präsident Theo Eilers.
Die gegenwärtige Geschäftslage der Betriebe hat sich im vierten Quartal kaum verändert. So bewerten insgesamt 18 Prozent der Befragten ihre aktuelle Lage als „gut“, 53 Prozent als „befriedigend“ und 29 Prozent als „schlecht“. Der Saldo stieg marginal von -12 auf -11.
Die Zukunftsaussichten haben sich dagegen weiter verschlechtert. Über alle Branchen hinweg gehen 9 Prozent von einer eher günstigen Geschäftsentwicklung aus, 58 Prozent erwarten keine Veränderung und 33 Prozent erwarten eine eher ungünstige Entwicklung. Der Saldo sank hier von -14 auf -24.

Die Ertragslage hat sich im Vergleich zum Vorquartal leicht erholt. Allerdings sehen noch immer mehr Betriebe eine Verschlechterung der Ertragslage (41 %) als eine Verbesserung (15 %). Der Saldo stieg von -37 auf -26. Die Investitionsabsichten dagegen sind nur leicht rückläufig. Bei den Beschäftigtenzahlen sind derzeit keine großen Veränderungen zu erwarten. Die Exporterwartungen haben sich dagegen wieder erholt: Der Saldo aus positiven und negativen Antworten stieg nun wieder an, von zuletzt -38 auf -16.

Rahmenbedingungen und Arbeitskosten größte Herausforderungen

Das größte Risiko für die Geschäftsentwicklung bleiben mit 78 Prozent der Antworten weiterhin die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. An zweiter Stelle folgen nun wieder die Arbeitskosten (69 %) knapp vor der Inlandsnachfrage (68 %). Die Energie- und Rohstoffpreise liegen mit 55 Prozent weiter vor dem Fachkräftemangel (47 %).
Angesichts der anhaltend schwachen Konjunktur und der weiter eingetrübten Erwartungen sieht die IHK dringenden Handlungsbedarf auf politischer Ebene. IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard mahnt mehr Verlässlichkeit und Reformtempo an: "Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage zeigen deutlich, wie sehr wirtschaftspolitische Unsicherheiten, ausbleibende Strukturreformen und die angespannte weltpolitische Lage das Vertrauen der Betriebe belasten. Viele Unternehmen verschieben Investitionen, weil ihnen klare Perspektiven fehlen. Jetzt ist die Politik gefordert, schnell für verlässliche Rahmenbedingungen zu sorgen, Bürokratie spürbar abzubauen und wettbewerbsfähige Energie- und Standortkosten sicherzustellen. Nur so können Betriebe wieder Zuversicht entwickeln und den Mut fassen, in Wachstum, Beschäftigung und Innovation zu investieren.“
Die IHK hatte im Rahmen ihrer aktuellen Konjunkturumfrage zum Ende des vierten Quartals 2025 wieder mehr als 200 Unternehmen aus der Industrie, dem Einzel- und dem Großhandel, der Dienstleistungsbranche, dem Gastgewerbe sowie aus dem Verkehrssektor der Region zu ihrer gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihren Erwartungen an die kommenden Monate befragt.
Den ausführlichen IHK-Konjunkturbericht können Sie via E-Mail an Katrin Winkelmann beziehen.