Wirtschaft im IHK-Bezirk weiter unter Druck

Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen in Ostfriesland und Papenburg hat sich im ersten Quartal 2026 spürbar eingetrübt. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK).

Wirtschaft im IHK-Bezirk weiter unter Druck

Der Konjunkturklimaindex, der die gegenwärtige Lage und die Erwartungen der Betriebe zusammenfasst, sank von zuletzt 82 Punkten auf nun 74 Punkte. Damit liegt er deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (94 Punkte) und signalisiert eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Stimmung.Die aktuelle Geschäftslage wird von den Betrieben insgesamt unverändert bewertet. Wie bereits im Vorquartal beurteilen 18 Prozent der Unternehmen ihre Lage als „gut“, 53 Prozent als „befriedigend“ und 29 Prozent als „schlecht“. Der Saldo bleibt damit bei -11 Punkten stabil.

Erwartungen eingebrochen

Deutlich verschlechtert haben sich hingegen die Erwartungen: Nur noch 4 Prozent der Betriebe rechnen mit einer günstigeren Entwicklung, während 42 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Der Erwartungssaldo fällt von -24 auf nun -38 Punkte.
Die wirtschaftliche Entwicklung wird zunehmend durch externe Schocks überlagert. Der anhaltende Nahost-Konflikt verschärft die ohnehin hohe Unsicherheit für unsere Unternehmen weiter. Steigende Fracht- und Transportkosten sowie höhere Energie- und Rohstoffpreise treffen insbesondere die Industrie- und Verkehrsbetriebe“, erklärt IHK-Präsident Theo Eilers. „Der Handel ist zudem von gestörten und verzögerten Lieferketten betroffen und das Gastgewerbe spürt bereits eine schwächere Nachfrage. Diese Kombination wirkt wie ein Bremsklotz für die gesamte regionale Wirtschaft.“

Energie- und Rohstoffpreise größtes Risiko

Auch die Ertragslage bleibt angespannt. Der Anteil der Betriebe, die von einer Verschlechterung berichten (49 %), überwiegt weiterhin deutlich gegenüber den positiven Rückmeldungen (6 %). Der Saldo sinkt von -26 auf -43 Punkte. Die Exporterwartungen haben sich deutlich eingetrübt. Kein Unternehmen rechnet aktuell mit steigenden Exporten, während mehr als die Hälfte von einem Rückgang ausgeht. Der Saldo fällt von -16 auf -52 Punkte. Die Investitionsabsichten und Beschäftigungserwartungen bleiben insgesamt verhalten. Große Impulse sind hier kurzfristig nicht zu erwarten.
Als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung nennen die Unternehmen erstmals seit Anfang 2023 wieder die Energie- und Rohstoffpreise (87 %). Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen rücken damit auf den zweiten Platz (74 %), gefolgt von der Inlandsnachfrage (65 %) und den Arbeitskosten (57 %).
IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard sieht vor diesem Hintergrund dringenden Handlungsbedarf: „Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, wie wichtig es jetzt ist, dass die Politik für stabile und verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sorgt. Das kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Entlastungspaket gegen die hohen Energiepreise greift dabei zu kurz. Unternehmen brauchen dauerhaft wettbewerbsfähige Energiepreise.“
Weiter betont Deinhard: „Dass die Europäische Kommission den von der Bundesregierung geplanten Industriestrompreis nun beihilferechtlich genehmigt hat, ist erfreulich. Um wettbewerbsfähig zu sein, sollte die zugesagte Stromsteuersenkung auch auf das europäische Mindestmaß für alle endlich umgesetzt und eine befristete Anpassung bei Abgaben auf weitere Energieträger überdacht werden.“
Die IHK hatte im Rahmen ihrer aktuellen Konjunkturumfrage zum Ende des ersten Quartals 2026 wieder mehr als 200 Unternehmen aus der Industrie, dem Einzel- und dem Großhandel, der Dienstleistungsbranche, dem Gastgewerbe sowie aus dem Verkehrssektor der Region zu ihrer gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihren Erwartungen an die kommenden Monate befragt.
Den ausführlichen IHK-Konjunkturbericht können Sie via E-Mail an Katrin Winkelmann beziehen.