Konjunktur in der Region Düsseldorf

Regionale Konjunktur - Frühjahr 2022

Lage ist noch stabil – aber Wirtschaft befürchtet Rezession

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat die Geschäftserwartungen der Unternehmen in der Region Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein deutlich negativ beeinflusst.
„Dennoch schätzt die Wirtschaft in der Region insgesamt ihre aktuelle Lage weiterhin zufriedenstellend ein. Wir sind zwar noch nicht in einer Rezession, aber die Betriebe befürchten angesichts der Risiken und Herausforderungen einen Abschwung”, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen bei der Vorstellung des gemeinsamen Konjunkturberichts im Frühjahr 2022 der IHKs Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein.
Das sind die wesentlichen Erkenntnisse der Konjunkturanalyse für das Frühjahr der Industrie- und Handelskammern Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein. Knapp 900 Unternehmen mit gut 80.000 Beschäftigten haben in der zweiten Aprilhälfte an der Umfrage teilgenommen.
Positiv bewerten die IHKs die Arbeitsmarktperspektiven. Die Einstellungsabsichten der Betriebe sind zwar weniger dynamisch als noch vor drei Monaten, aber dennoch planen die Unternehmen weiterhin, sogar Beschäftigung aufzubauen.
36 Prozent der Unternehmen melden eine gute, 16 Prozent eine schlechte Lage. Der Lageindikator als Saldo beider Werte liegt mit 19 Punkten nur knapp unter den Werten vom Januar (20) beziehungsweise September 2021 (24 Punkte). Insbesondere die Industrie arbeitet trotz widriger Umstände weiterhin viele Aufträge ab. Deswegen bleibt die Kapazitätsauslastung in der Industrie überdurchschnittlich hoch.
„Die Aufhebung der Corona-Restriktionen hat die Geschäftsmöglichkeiten insbesondere für Gastronomen, aber auch für Einzelhändler, personenbezogene Dienstleister und die Freizeit-, Kultur- und Veranstaltungsbranche verbessert“.
Doch die Betriebe befürchten, dass diese Lage nicht so bleibt. Blickten im Januar noch alle Branchen – mit Ausnahme des Einzelhandels – weitgehend optimistisch auf den weiteren Jahresverlauf, hat sich dies durch den Krieg in der Ukraine deutlich verändert. Nur noch zwölf Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte in den kommenden Monaten, 35 Prozent dagegen mit einer Verschlechterung. Der Erwartungssaldo liegt bei -23 Punkten (Januar: +11, Oktober 2021: +24).
„Dieser Wert war nur jeweils in den schweren Rezessionen der vergangenen 30 Jahre ähnlich niedrig“.
Dies verwundert nicht, schließlich sind die Auswirkungen des Kriegs immens: Die Energiepreise sind weiter gestiegen. Denn Energie- und Rohstoffpreise sind für die Betriebe das bedeutendste Risiko – insbesondere in der Industrie. Energieintensive Unternehmen und insbesondere Betriebe, die Gas für den Produktionsprozess benötigen, fürchten eine Einschränkung ihrer Versorgung. Hinzu kommt, dass sich die internationalen Wertschöpfungsketten von den Auswirkungen der Pandemie noch nicht erholt haben und etwa durch die Zero-Covid-Politik der chinesischen Regierung weiterhin erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Krieg in der Ukraine verstärkt dies.
Investitionen werden aufgrund der wachsenden Unsicherheit, höheren Kosten oder verringerten finanziellen Spielräumen verschoben oder gestrichen. So sind die Investitionspläne der Unternehmen deutlich restriktiver als bei der Umfrage zum Jahresbeginn. Das merkt auch die Bauwirtschaft, die so pessimistisch in die Zukunft blickt wie seit der Wirtschaftskrise 2009 nicht. Neben der Furcht vor Investitionskürzungen treibt die Branche bereits heute Materialengpässe um, so dass die Kapazitätsauslastung in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen ist. Und die Konsumenten reagieren in diesem unsicheren Umfeld mit Kaufzurückhaltung. Schließlich hat die – nicht nur durch den Krieg bedingte – Inflation auch ihre Spielräume eingeschränkt.
„Mittelfristig ist keine Verlangsamung des Preisanstiegs wahrscheinlich. Dies betrifft dann insbesondere die Branchen, die schon von der Corona-Pandemie stark gebeutelt waren. Der erhoffte Erholungsprozess dieser Branchen nach Ende der Corona-Restriktionen dürfte sich erst einmal verschieben“.
Doch nicht bei allen Fragen antworteten die Betriebe pessimistisch. 19 Prozent der Betriebe möchten zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, nur elf Prozent befürchten eine Reduzierung. Die optimistischen Beschäftigungspläne des Jahresbeginns werden damit zwar etwas zurückgenommen, aber die Unternehmen setzen weiter auf ihre Stammbelegschaften. Schließlich bleibt der Fachkräftemangel trotz der äußerst pessimistischen Erwartungen für knapp die Hälfte der Betriebe das wesentliche Geschäftsrisiko.