IHK Düsseldorf - Jahresbericht 2021

Standortpolitik

Zahlen, Daten, Fakten

  • 26 Sitzungen der Branchen-, Fach- und Regionalausschüsse 
  • 3 Gemeinschaftssitzungen der Ausschüsse
  • 4 Wahlarenen zur Bundestagswahl mit 940 registrierten Ansichten
  • 18 Direktkandidierende in den Wahlarenen
  • 40 Gespräche mit Oberbürgermeister/innen und Fraktionen 
  • 72 Beurteilte Planverfahren   
  • 3 Positions-/Strategiepapiere    
  • 4 Konjunkturumfragen           
  • 4 Branchenumfragen
  • 420 Auskünfte zu Branchen-, Kaufkraft-, Standort- und Marktdaten
  • 54 Kooperationsaktivitäten mit Werbe- und Interessengemeinschaften

Wirtschaftsentwicklung im IHK-Bezirk 2021

Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie und ihrer Folgen für die Wirtschaft. War die Wirtschaft wegen des Weihnachts-Lockdowns 2020/21 mit einem Rückschlag gestartet und blickte voll Skepsis auf den weiteren Jahresverlauf, so hatte sich die konjunkturelle Lage am Rhein und in Niederberg vor allem über den Sommer deutlich erholt. Dabei war insgesamt die Konjunktur gespalten: Hier die Industrie und die mit ihren Betrieben vernetzten Branchen, die sich seit Jahresbeginn über eine fast stetig zunehmende Nachfrage freuen konnten. Dort vor allem der (stationäre) Einzelhandel, das Gastgewerbe sowie die Freizeit-, Kultur- und Unterhaltungsbranchen, die auch nach den Lockdown-Phasen unter einer coronabedingten Zurückhaltung vieler Kunden litten.
Zusammengenommen war dennoch die Stimmung in der regionalen Wirtschaft überraschend gut, auch wenn die harten Geschäftszahlen insgesamt noch nicht wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht haben dürften.
Bei der Herbstumfrage Ende September/Anfang Oktober äußerte sich die regionale Wirtschaft insgesamt zuversichtlich, dass sich ihre Erholung weiter fortsetzt, und sie damit im Jahr 2022  wieder an frühere Zeiten anknüpfen könne. In diesem Stimmungsbild waren bereits das Ergebnis der Bundestagswahl und die im Jahresverlauf immer stärker zutage getretenen Engpässe bei Fachkräften und vielen Rohstoffen sowie Vorprodukten genauso enthalten wie die stark gestiegenen Energiepreise. Nicht absehbar hingegen war die ab November dramatisch verschärfte Corona-Situation.
Auch ohne diese bestanden bereits erhebliche wirtschaftliche Risiken für das Jahr 2022: Veranstaltungen- und Freizeitaktivitäten liegen weiterhin hinter dem gewohnten Niveau zurück.
Die Wirtschaftserholung in nahezu der gesamten Weltwirtschaft sorgt für anhaltende Lieferengpässe und steigende Preise bei Rohstoffen und Vorprodukten. Beides - wie auch die hohe internationale Nachfrage – verknappt die Logistikdienstleistungen und stört so die Lieferketten der weltweit vernetzten Unternehmen empfindlich.
Über den Jahreswechsel 2021/22 und die ersten Wochen/Monate des neuen Jahres ist ein erneuter Rückschlag zu befürchten, weil weitere Einschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens notwendig wurden, um die vierte Corona-Welle zu brechen. Die IHK-Konjunkturumfrage im Januar wird hierzu genauere Informationen liefern. Die aktuellen Konjunkturberichte finden sich jeweils auf der IHK-Homepage.

Regionale Wirtschaftsförderung

Im globalen Wettbewerb der Regionen sind die einzelnen Akteure des Rheinlands aufgrund ihrer geringen Größe in der Regel nicht mehr wettbewerbsfähig. Das erhöht den Zwang zur Zusammenarbeit von Unternehmen und Gebietskörperschaften. Von diesem Gedanken geleitet, leistete die IHK Düsseldorf auch 2021 einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung der Unternehmen im Rheinland untereinander und mit politischen und administrativen Entscheidungsträgern. Hierzu bediente sie sich vor allem ihrer Mitgliedschaft in verschiedenen regionalen Organisationen: Der IHK-Initiative Rheinland, der Logistikregion Rheinland e.V., dem Regionalmanagement Düsseldorf-Kreis Mettmann und der Metropolregion Rheinland. Mit unterschiedlichen thematischen, teils auch geografischen Schwerpunkten, arbeiteten diese Organisationen aufeinander abgestimmt an dem großen Ziel, das Rheinland zu einer Einheit werden zu lassen.
Die IHK-Initiative Rheinland legte den Fokus ihrer Arbeit auf Mobilitätsfragen – etwa mit ihrem Mobilitätskongress im September und der Broschüre „R(h)ein-über-Brücken“ (PDF-Datei · 9088 KB) – und Zukunftsthemen wie die Auswirkungen des European Green Deals auf das Rheinland. Flankierend arbeitete der Logistikregion Rheinland e.V. die Bedeutung der Luftfracht für das Rheinland in einer Studie heraus.
Und das Regionalmanagement Düsseldorf-Kreis Mettmann legte mit dem „Territorialen Strategiekonzept für den nachhaltigen Tourismus, Kultur- und Naturerbe“ die Grundlagen für die Genehmigung zukünftiger, öffentlich geförderter Tourismuskonzepte im Bezirk der IHK Düsseldorf. Das Regionalmanagement weitete den Blick aber auch über die Grenzen von Stadt und Kreis: Die beim Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie beauftragte „Kompetenz- und Innovationsanalyse“ arbeitete vor allem die Kooperationsfelder heraus, auf denen sich eine Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Revier geradezu aufdrängt.
Überwölbt werden all diese Aktivitäten durch die 2021 restrukturierte Metropolregion Rheinland, deren wichtigste Aufgabe zukünftig die politische Interessenvertretung dieses wichtigen Teils von Nordrhein-Westfalen in Berlin und Brüssel sein wird.

R(h)ein-über-Brücken

Zwischen Emmerich und Bonn queren 28 Brücken den Rhein, davon fünf Eisenbahnbrücken, zwölf Straßenbrücken in der Baulastträgerschaft des Bundes und elf kommunale Straßenbrücken. Außerdem sind drei weitere geplant. Für die Brücken sind unterschiedliche Baulastträger zuständig, mit unterschiedlichen Instandhaltungsrhythmen, mit mangelnder oder fehlender Koordination der Arbeiten.
Der Ausweichverkehr, der durch eine abgelastete oder gesperrte Rheinbrücke entsteht, belastet die – teils ähnlich maroden – Alternativstrecken zusätzlich. Der Verkehr weicht dabei zum Teil von Fernstraßen auf die innerstädtischen Brücken aus – mit den entsprechenden Folgen für Verkehrsaufkommen und Infrastrukturzustand.
Die IHKs im Rheinland haben daher Vorschläge zur Behebung dieser Mängel (PDF-Datei · 9088 KB) entwickelt und diese „zum Anfassen“ auf einer Parkscheibe dokumentiert. Die Vorschläge wurden in der Landespressekonferenz vorgestellt und fanden ein breites mediales Echo.

Bundestagswahl 2021

Am 26. September wurde der 20. Deutsche Bundestag gewählt. Das führte Anfang Dezember zur Bildung einer neuen Bundesregierung unter Kanzler Olaf Scholz aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP.
Um ihren Kontakt nach Berlin zu stärken und die Bundestagsabgeordneten noch stärker mit Wirtschaftsthemen aus dem IHK-Bezirk vertraut zu machen, lud die IHK vor der Bundestagswahl Ende August/Anfang September zu insgesamt vier Wahlarenen für die jeweiligen Wahlbezirke mit Direktkandidatinnen und -kandidaten ein.
Basis für die regen und spannenden Diskussionen waren die IHK-Positionen zur Bundestagswahl, die im ersten Halbjahr intensiv in den IHK-Fach- und -Regionalausschüssen erarbeitet worden waren, und denen die Vollversammlung Ende Mai zugestimmt hatte. Von den 18 Direktkandidatinnen und -kandidaten, die sich in den Wahlarenen der Diskussion mit interessierten Unternehmerinnen und Unternehmern gestellt hatten, rückten jeweils fünf aus der Landeshauptstadt und aus dem Kreis Mettmann direkt oder über die Landesliste in den Deutschen Bundestag ein.

Klimapakt Düsseldorf

Auch wenn das Jahr 2021 gesellschaftlich, wirtschaftlich und medial weiter vor allem im Zeichen der Corona-Pandemie stand, hat die Diskussion um den Klimawandel fast ebenso viel Raum eingenommen. Vom Glasgower Weltklimapakt COP21 über den „Fit-for-55“-Pakt im Europäischen Green Deal und dem Bundesklimaschutzgesetz bis zur Novellierung des NRW-Klimaschutzgesetzes sind 2021 auf sämtlichen staatlichen Ebenen wesentliche Ziele und Regelungen formuliert worden, um den menschengemachten Klimawandel in den nächsten Jahren zu bremsen.
Nachhaltigkeit ist vor diesem Hintergrund längst auch zu einem kommunalen Thema geworden. So hat sich die Landeshauptstadt Düsseldorf bereits 2019 zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2035 klimaneutral zu werden. Die IHK Düsseldorf bringt sich dabei vor allem in dem die Wirtschaft unmittelbar betreffenden Bereich „Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Industrie“ ein. In diesen Prozess waren im Jahresverlauf wiederholt die IHK-Ausschüsse und die Vollversammlung eingebunden.
Anfang Oktober hat IHK-Präsident Andreas Schmitz gemeinsam mit seinen Kollegen aus dem Handwerk den „Düsseldorfer Klimapakt zwischen Stadt & Wirtschaft“ mit Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller vereinbart. Aktuell schafft die Stadt die organisatorischen Voraussetzungen dafür, dass auch Unternehmen als Klimapartner Teil dieses Paktes werden können. Sie dokumentieren dann ihre freiwilligen Maßnahmen zur Reduktion ihres CO2-Ausstoßes und vereinbaren einen Fahrplan zu deren weiterer Reduktion. Ab Frühjahr 2022 wird eine Klimageschäftsstelle bei der Stadt Düsseldorf die gemeinsamen Aktivitäten koordinieren. Die IHK sieht sich in diesen Vorhaben – aber nicht nur dort – als konstruktiver Partner, um klimafreundliche Aktivitäten der Wirtschaft zu bündeln, bei den Unternehmen dafür zu werben und die Betriebe in ihrer Umstellung zu weniger Ressourcenverbrauch und geringeren Emissionen von Treibhausgasen zu unterstützen. 

Stadt der Zukunft

Die IHK hat in einem Strategieprozess gemeinsam mit ihrem Ehrenamt sowie externen Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft Handlungsansätze entwickelt, um dem Konzept einer resilienten Stadt möglichst nahe zu kommen. Im Mittelpunkt stand dabei nicht „die anonyme Stadt“, sondern zwei charakteristische Stadttypen unserer Wirtschaftsregion: Düsseldorf, als Großstadt mit ihren Quartieren, und die Stadt Langenfeld, stellvertretend für die zehn Mittelstädte im IHK-Bezirk. 
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 56 konkrete Projektideen und acht Prototypen, die in den nächsten Jahren in die Umsetzung gehen sollen, haben die Expertinnen und Experten erarbeitet. Um den Weg dafür zu ebnen, sollen unter anderem Entwicklungsvereinbarungen mit den beiden Pilotstädten geschlossen werden. In diesen sollen Wirtschaft und Kommunen sich darauf verständigen, beide Standorte gemeinsam zukunftsfähig zu positionieren. 

15. IHK-Wirtschaftsforum Kreis Mettmann

Am 2. November stand beim 15. IHK-Wirtschaftsforum im Golden K in Mettmann die Zukunft der Innenstädte und Stadtteilzentren im Fokus.
Drei Punkte wurden klar herausgestellt: Erstens müssen wir uns von den heutigen Strukturen der Fußgängerzonen verabschieden, denn viele sind inzwischen zu lang und zu unattraktiv. Zweitens braucht es Engagement, den Willen und Weitblick von vielen Akteuren in den Quartieren – Händler, Politik, Verwaltung und Eigentümer eingeschlossen. Und drittens ist eine Menge Geld nötig – Staatssekretär Dr. Jan Heinisch ist sich dessen bewusst und verteilt insgesamt ca. 100 Millionen Euro an die Kommunen in Nordrhein-Westfalen – mit dem Ziel, innerstädtische Qualitäten wieder herauszustellen.

Gewerbe- und Industriebestandsgebiete revitalisieren

In den Kommunen des Kreises Mettmann werden Gewerbe- und Industrieflächen knapp. Eine Neuausweisung im Freiraum ist hier wegen zahlreicher Restriktionen oft nicht mehr möglich oder politisch nicht gewollt. IHK Düsseldorf und Kreis Mettmann haben nach Lösungen gesucht und ein Gutachten in Auftrag gegeben, das alte Gewerbe- und Industriegebiete unter die Lupe genommen hat. 
Im Rahmen der Studie wurden für achtzehn Gebiete Potenziale analysiert und bewertet. Aus diesen wurden erste Empfehlungen abgeleitet, die die Kommunen nutzen können, um untergenutztes Flächenpotenzial in den Untersuchungsgebieten so aufzuwerten, dass diese Flächen marktfähig werden. Den größten Handlungsdruck attestierte der Gutachter den Gewerbe- und Industriegebieten Erkrath-Unterfeldhaus und Velbert-Langenberg. In beiden Gebieten gibt es unter anderem erhebliche Infrastrukturprobleme, eine geringe Flächenauslastung sowie großflächige Versiegelungen.
Für diese Gebiete wurden sogenannte Standortvisionen entwickelt, die in den Kommunen umgesetzt werden können. Von deren Ergebnissen sowie den Erfahrungen, die die Kommunen im Zuge des Umsetzungsprozesses machen, können andere Städte im Kreis Mettmann profitieren.

Staffelübergabe 

Nach 32 Jahren wurde Dr. Ulrich Hardt als „Kümmerer im Kreis Mettmann“ im Januar 2021 in den Ruhestand verabschiedet. Nachfolgerin ist Tina Schmidt als Branchenbetreuerin für den Kreis Mettmann mit dem Ziel, den Kontakt zu Unternehmen, Politik und Verwaltung in den Kommunen zu intensivieren und die wirtschaftspolitische Agenda in den kreisangehörigen Städten zu untermauern.
Während Tina Schmidt künftig für die Städte Erkrath, Hilden, Langenfeld, Monheim am Rhein und Ratingen verantwortlich ist, wird Marcus Stimler, Leiter der Zweigstelle Velbert, sich weiter um Haan, Heiligenhaus, Mettmann, Velbert und Wülfrath kümmern.