Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030
Die aktuelle Studie „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030“ des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn belegt: Im Zeitraum 2026 bis 2030 stehen rund 186.000 Unternehmen in Deutschland zur Übergabe an. Damit stagniert die Zahl der Unternehmensnachfolgen im Vergleich zum vorherigen Schätzzeitraum, obwohl die Altersstruktur der Unternehmensinhaberinnen und -inhaber eigentlich auf einen weiteren Anstieg hindeuten würde. Die Stagnation ist darauf zurückzuführen, dass sich bei vielen Unternehmen die wirtschaftliche Lage verschlechtert hat und eine Übernahme aus Sicht potenzieller Nachfolgerinnen und Nachfolger häufig nicht mehr rentabel erscheint.
Branchen und Größen
Die meisten Übergaben werden erneut im Bereich der unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie im Produzierenden Gewerbe erwartet, gefolgt vom Handel. Gemessen am Unternehmensbestand sind insbesondere das Produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft überdurchschnittlich stark im Nachfolgegeschehen vertreten. Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und 1 Mio. Euro stellen die größte Gruppe der zur Übergabe anstehenden Betriebe. Sehr kleine Unternehmen mit niedrigen Umsätzen erfüllen hingegen häufig nicht die wirtschaftlichen Voraussetzungen, um als übernahmewürdig zu gelten.
Regionale Unterschiede
Auf regionaler Ebene entfallen absolut die meisten Übergaben auf Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Bezieht man die Zahl der Übergaben jedoch auf den jeweiligen Unternehmensbestand, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die höchsten Übergabequoten werden für Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen vorausberechnet, während Berlin die niedrigste Quote aufweist. Diese Unterschiede sind vor allem auf die jeweilige Branchen- und Größenstruktur der Unternehmensbestände zurückzuführen.
Unternehmensnachfolgen in Sachsen
Für das Bundesland Sachsen werden im Zeitraum 2026 bis 2030 rund 7.200 Unternehmensnachfolgen erwartet. Bezogen auf den Unternehmensbestand entspricht dies etwa 51 Übergaben je 1.000 Unternehmen und liegt damit in etwa auf dem Bundesdurchschnitt. Im Vergleich zum vorherigen Schätzzeitraum ist für Sachsen ein leichter Anstieg der erwarteten Übergaben zu beobachten. Wie auch in anderen ostdeutschen Bundesländern sind diese Entwicklungen vor allem strukturell bedingt und spiegeln Unterschiede in Branchenzusammensetzung und Unternehmensgrößen wider.
Nachfolgelösungen in Familienunternehmen
Ergänzend zur quantitativen Schätzung analysiert die Studie die tatsächlich realisierten Nachfolgelösungen in Familienunternehmen auf Basis einer aktualisierten Metaanalyse von 23 empirischen Studien der vergangenen 40 Jahre. Danach wurden 54 % der Familienunternehmen innerhalb der Familie übergeben, 17 % an Beschäftigte und 29 % an externe Übernehmende. In Studien der letzten 15 Jahre zeigt sich ein leichter Rückgang der familieninternen Nachfolge zugunsten unternehmensinterner und insbesondere externer Lösungen.
Fazit
Insgesamt zeigt die Studie, dass sich das Unternehmensnachfolgegeschehen in Deutschland nicht nur hinsichtlich seines Umfangs, sondern auch in der Art der gewählten Nachfolgelösungen verändert und zunehmend von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt ist.
Hintergrund der Studie
Die Studie „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030“ wurde vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn erstellt. Das IfM Bonn ist eine unabhängige, gemeinnützige Forschungseinrichtung, die sich seit vielen Jahren mit der empirischen Analyse mittelständischer Unternehmen in Deutschland befasst. Da keine amtliche Statistik zum Nachfolgegeschehen existiert, ermittelt das Institut seit Mitte der 1990er Jahre regelmäßig die zu erwartende Zahl von Unternehmensnachfolgen mithilfe eines eigens entwickelten Schätzverfahrens. Dieses berücksichtigt sowohl die Zahl der Unternehmen, deren Inhaberinnen und Inhaber alters- oder gesundheitsbedingt aus der Geschäftsführung ausscheiden, als auch die wirtschaftliche Attraktivität dieser Unternehmen für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger.