Konjunkturbericht für den Kammerbezirk Dresden, Frühjahr 2026

Der Konjunkturbericht der IHK Dresden für das Frühjahr 2026 gibt einen aktuellen Überblick über die wirtschaftliche Lage im Kammerbezirk Dresden. Er zeigt, wie Unternehmen ihre Geschäftssituation, Erwartungen, Investitionspläne und Beschäftigungsentwicklung einschätzen. Ergänzt durch Branchen- und Regionalauswertungen macht der Bericht sichtbar, welche Herausforderungen die regionale Wirtschaft derzeit prägen, von steigenden Arbeits-, Energie- und Kraftstoffkosten bis hin zu unsicheren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und geopolitischen Einflüssen.

Lage und Prognosen

Nach einem verhalten optimistischen Jahresstart verzeichnet die konjunkturelle Entwicklung der Gesamtwirtschaft im Kammerbezirk aktuell erneut einen spürbaren Dämpfer. Zu Jahresbeginn war der Geschäftslagesaldo noch fünf Punkte gestiegen. Nun gibt die Geschäftslage im Vergleich zur Vorumfrage wieder leicht nach. Sowohl der Anteil der Unternehmen mit guter Lage als auch der mit befriedigender wirtschaftlicher Situation verringern sich um einen bzw. zwei Prozentpunkte. Drei Punkte steigt hingegen der Prozentsatz der Unternehmen, die von schlechten Geschäften berichten. Der Lagesaldo liegt mit nunmehr 12 Punkten vier Punkte unter dem Stand vom Jahresbeginn und drei Punkte niedriger als vor einem Jahr. In nahezu allen Wirtschaftsbereichen trübt sich damit die Wirtschaftslage mehr oder weniger ein. Lediglich in der Industrie ist eine minimale Verbesserung zu verzeichnen.
Noch mehr Bewegung ist in die Geschäftserwartungen gekommen. Diese entwickeln sich erneut in negativer Richtung. Auch wenn sich der Anteil der Unternehmen, die Verbesserungen erwarten (11 Prozent), seit Herbst nicht mehr verändert hat, erwartet inzwischen fast ein Drittel der Unternehmen eine schlechtere Geschäftsentwicklung in den nächsten Monaten. Zu Jahresbeginn war es lediglich ein Viertel. Ursachen sind vor allem die Situation in Nahost und dadurch ausgelöste Lieferengpässe und Kostensteigerungen. Die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung kehrt verstärkt zurück und führt in vielen Fällen zu großer Skepsis. Vor allem in den Wirtschaftsbereichen Handel, Verkehr und Tourismus verschlechtern sich die Perspektiven. In der Industrie, im Baugewerbe und bei den Dienstleistungsunternehmen sind die Änderungen zur Vorumfrage weniger stark ausgeprägt. Die schwache Erholung der regionalen Wirtschaft, die sich zu Jahresbeginn abzeichnete, hat sich damit nicht fortgesetzt. Nicht nur der leichte Rücksetzer bei den Lagebeurteilungen, sondern vor allem die schwachen Prognosezahlen lassen für den weiteren Jahresverlauf kaum Impulse erwarten. Nötig wäre eine schnelle Beruhigung des Nahostkonflikts und im Land eine wirksame Umsetzung von wirtschaftlichen Reformen.
Der IHK-Geschäftsklimaindex, der die Einschätzungen zur aktuellen Lage und zu den Erwartungen in den Unternehmen gleichrangig berücksichtigt, fällt aufgrund der leicht schlechteren Lage und vor allem im Gefolge der spürbar eingetrübten Erwartungen auf 94 Punkte. Das sind sieben Punkte weniger als in der letzten Umfrage zu Jahresbeginn. Vor einem Jahr hatte der Index sechs Punkte höher bei 100 Punkten gelegen. Ähnlich niedrig war der Index zuletzt mit 95 Punkten zu Jahresbeginn 2024 und schlechter – wenn auch deutlich – zuletzt im Herbst 2022 nach dem Beginn des Ukraine-Krieges mit 85 Punkten.

Investition und Beschäftigung, Geschäftsrisiken

Die Investitionen der Unternehmen schwächen sich weiter ab. Steigende Preise von Rohstoffen, Energie und Arbeitskosten in Verbindung mit einer zunehmenden Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung und damit auch der eigenen Unternehmensperspektive lassen die Planungen erneut schrumpfen. Deutlich erhöht ist aktuell der Anteil an Unternehmen, die in den letzten Monaten keine Investitionen getätigt haben und dies auch für die nächsten Monate nicht planen (27 Prozent). 17 Prozent an Unternehmen mit zunehmenden Investitionen stehen 30 Prozent der Firmen gegenüber, die ihre Investitionen im kommenden Jahr verringern werden. Es überwiegt ganz deutlich als Motiv die Beschaffung von Ersatz und Modernisierung bei drei Viertel der investierenden Unternehmen. Zweitwichtigstes Motiv bleibt bei 32 Prozent der Firmen die Rationalisierung im Geschäftsbetrieb, beispielsweise um Energie einzusparen und teurer werdende Rohstoffe und Zulieferprodukte effizienter einzusetzen. 27 Prozent der investierenden Betriebe wollen für Produkt- und Verfahrensinnovationen in den nächsten Monaten Geld ausgeben. Gering bleibt der Anteil der geplanten Investitionen in Kapazitätserweiterungen. Jedes fünfte investierende Unternehmen nennt dies als Ziel. Nur noch jede zehnte Firma plant Investitionen in den Umweltschutz.
Die Beschäftigtenplanungen sind unverändert negativ. Mit -13 Punkten verharrt der Personalplanungssaldo nahe seines Tiefwerts vom Jahresbeginn. Während 12 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die Zahl ihrer Beschäftigten erhöhen wird, geht ein Viertel von einer rückläufigen Mitarbeiterzahl aus. Bei den Geschäftsrisiken bleiben die Arbeitskosten am bedrohlichsten. 69 Prozent der Betriebe sehen hier Risiken. Ebenso viele Unternehmen fühlen sich aktuell aber auch wieder von den steigenden Energiepreisen bedroht. Gleich darauf folgen hohe Kraftstoffpreise bei 66 Prozent der Befragten. Unverändert hoch bleibt mit 63 Prozent der Anteil der Unternehmen, die die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als Geschäftsrisiko betrachten.

Branchenweise Auswertung der Konjunkturumfrage

Regionale Auswertung der Konjunkturumfrage

Zusatzfragen

Wirkungen des Nahostkonflikts

Die anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten belasten die Wirtschaft im Kammerbezirk inzwischen deutlich und unmittelbar. Das zeigt die Auswertung der Zusatzfragen zur Konjunkturumfrage im Frühjahr 2026. Für viele Betriebe sind die Folgen internationaler Konflikte längst keine abstrakte Größe mehr, sondern wirken sich konkret auf die täglichen Geschäftsabläufe aus. Besonders ins Gewicht fallen steigende Energie- und Transportkosten, gestörte Lieferketten sowie eine spürbar schwächere Nachfrage. Eine große Mehrheit der Unternehmen sieht sich mit steigenden Kosten konfrontiert oder rechnet kurzfristig damit. 85 Prozent berichten von höheren Energie- und Transportkosten, die ihre Kalkulationen zunehmend unter Druck setzen. Gleichzeitig geben 40 Prozent an, dass sich die angespannte geopolitische Lage bereits in sinkenden Aufträgen oder rückläufiger Nachfrage niederschlägt. Hinzu kommen anhaltende Probleme in den Lieferketten: Rund 31 Prozent der Betriebe berichten von Unterbrechungen, Verzögerungen oder notwendigen Umwegen bei der Beschaffung von Vorprodukten. Besonders ausgeprägt sind diese Belastungen in der Industrie sowie im Verkehrs- und Gastgewerbe, die in besonderem Maße auf stabile Lieferbeziehungen und kalkulierbare Kostenstrukturen angewiesen sind. Lediglich etwa jedes zehnte Unternehmen sieht derzeit keine spürbaren Auswirkungen der Konflikte auf die eigene Geschäftstätigkeit.
Mit Blick auf die kommenden Monate überwiegt die Unsicherheit. Fast 40 Prozent der Unternehmen schätzen die Risiken bei einem anhaltenden Konflikt als hoch oder sehr hoch ein, ein weiteres Viertel rechnet mit moderaten, aber noch beherrschbaren Belastungen. Gleichzeitig bleibt die Lage für viele schwer einschätzbar: Knapp ein Viertel der Unternehmen kann die weiteren wirtschaftlichen Folgen derzeit nicht verlässlich beurteilen. Besonders kritisch ist die Situation im Verkehrsgewerbe sowie im Gast- und Tourismussektor. Dort sieht jeweils mehr als die Hälfte der Betriebe erhebliche Risiken, die strategische Anpassungen erforderlich machen und im Einzelfall sogar die wirtschaftliche Existenz gefährden können. Die Rückmeldungen der Unternehmen zeigen zudem, dass sich die Belastungen nicht auf einzelne Kostenfaktoren beschränken, sondern ein umfassendes Klima der Verunsicherung entstanden ist. Steigende Preise für Energie, Rohstoffe und Vorleistungen treffen auf wachsende Planungsunsicherheit, die langfristige Entscheidungen erschwert. Gleichzeitig beobachten viele Betriebe eine zunehmende Zurückhaltung bei Kundinnen und Kunden sowie bei Auftraggebern. Investitionen werden verschoben oder ganz gestrichen, Projekte verzögert oder abgebrochen. Diese Entwicklung verstärkt die ohnehin bestehende konjunkturelle Schwäche und kann mittelfristig auch die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigen.
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass externe Schocks wie internationale Konflikte die wirtschaftliche Entwicklung im Kammerbezirk zunehmend prägen. Hohe Kosten, fragile Lieferketten und unsichere Absatzmärkte wirken branchenübergreifend und setzen die Betriebe unter erheblichen Anpassungsdruck. Kurzfristige Entlastungen, etwa durch vorübergehende 90 Preisrückgänge bei Energie oder Kraftstoffen, können diese strukturellen Herausforderungen allenfalls abmildern, aber nicht lösen. Aus Sicht vieler Unternehmen sind daher grundlegende wirtschaftspolitische Reformen erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Dazu zählen insbesondere eine Senkung der Lohnnebenkosten durch eine Reform der Sozialversicherungssysteme, stärkere Arbeitsanreize im Steuer- und Sozialsystem, eine dauerhafte Entlastung bei den Stromkosten sowie eine umfassende Modernisierung staatlicher Strukturen, die Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt und Investitionen erleichtert.

Daten der amtlichen Statistik

Bergbau und verarbeitendes Gewerbe - Januar bis Februar 2026

Wirtschaftszweig/Region Betriebe Durchschnitt Tätige Personen Durchschnitt Tätige Personen Veränderung in % Gesamtumsatz in Millionen EUR Gesamtumsatz Veränderung in % Umsatz Ausland in Millionen EUR Umsatz Ausland Veränderung in %
Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln 33 6.258 6,2 627 -9,1 . .
Getränkeherstellung 6 659 0,3 46 . . .
Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus 13 1.702 -4,4 75 -10,3 38 .
Herstellung von chemischen Erzeugnissen 11 2.867 -3,5 153 -25,1 . .
Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen 10 2.447 -3,3 107 7,2 63 4,2
Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren 40 5.687 1,7 165 -8,3 60 -12,2
Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden 25 3.343 -7,3 68 -15,1 16 -19,7
Metallerzeugung und -bearbeitung 16 4.989 -0,2 291 4,8 140 13,0
Herstellung von Metallerzeugnissen 68 6.529 -2,8 160 -6,2 28 10,4
Herstellung von DV-Geräten, elek-tronischen und optischen Erzeugnissen 45 14.315 0,9 646 -4,1 391 -9,3
Herstellung von elektrischen Ausrüstungen 28 5.353 -10,6 297 38,9 54 10,5
Maschinenbau 79 15.812 -2,5 560 2,2 315 14,0
Sonstiger Fahrzeugbau 6 4.142 -7,0 223 26,0 . .
Herstellung von Möbeln 14 1.780 0,1 45 -6,3 10 11,5
Herstellung von sonstigen Waren 14 1.955 -3,4 21 -3,5 . .
Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen 20 2.517 7,8 97 40,8 30 171,8
Verarbeitendes Gewerbe 479 . . . . . .
Dresden, Stadt 112 27.299 -2,2 1.146 -2,4 598 -10,2
Region Oberlausitz/Niederschlesien 207 36.375 -3,28 1.817 2,5 547 23,38
Umlandregion 165 28.571 -1,07 1.160 -8,8 504 -7,82
Kammerbezirk Dresden 483 92.244 -2,3 4.124 -2,3 1.648 -0,4
Freistaat Sachsen 1208 223.169 -3,8 11.630 -4,6 5.099 -4,9
Hinweis: Monatsbericht für Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten, vorläufige Werte,
ausgepunktete Angaben unterliegen der Geheimhaltung.
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Bauhauptgewerbe - Januar bis Februar 2026

Region Betriebe Durchschnitt Anzahl Tätige Personen Durchschnitt Anzahl Tätige Personen Veränderung in % Gesamtumsatz in TEUR Gesamtumsatz Veränderung in % Umsatz je tätiger Person in EUR Umsatz je tätiger Person Veränderung in % Auftragseingang in TEUR Auftragseingang Veränderung in %
Dresden, Stadt 45 4152 6,4 82301 -18,4 19824 -23,3 181473 -32
Region Oberlausitz/Niederschlesien 84 4616 -0,6 82299 -11,1 17829 -10,6 108682 21,3
Umlandregion 82 4334 -0,4 96594 6,7 22287 7,1 99888 -35,2
Kammerbezirk Dresden 211 13101 1,6 261193 -8 19937 -9,4 390042 -23,6
Freistaat Sachsen 583 32195 0,6 595102 -18,9 18484 -19,4 962465 -11,2
Hinweis: Monatsbericht für Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten, vorläufige Werte
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Beherbergungsstätten | Campingplätze ausgewählter Reisegebiete - Januar bis Februar 2026

Reisegebiet geöffnete Betriebe im Februar 2025 angegebene Gästebetten im Februar 2025 Auslastung angegebene Betten Durchschnitt in % Gästeankünfte in Personen Gästeankünfte Veränderung in % Übernachtungen Anzahl Übernachtungen Veränderung in % Aufenthalt Durchschnitt in Tagen
Oberlausitz/Niederschlesien 306 12912 19 52770 -1,3 144724 1,8 2,7
Sächsische Schweiz 167 8358 25,7 27963 -3,9 128409 8,2 4,6
Sächsisches Elbland 133 7313 25,4 31604 -5,4 108074 -7,6 3,4
Erzgebirge 386 18961 37,9 130624 5,3 423400 2 3,2
Dresden, Stadt 167 25217 32,1 240226 7,3 472116 5,7 2
Freistaat Sachsen 1744 121656 30,1 867690 4,3 2155177 3,6 2,5
Anmerkung: Nachgewiesen werden Beherbergungseinrichtungen ab 10 Gästebetten bzw. 10 Stellplätzen
Hinweis: Gäste und Übernachtungen einschließlich Campingplätze
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen