Unternehmensnachfolge
Simone Bergmann ist bei der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund Geschäftsführerin für den Bereich Handel, Dienstleistungen und Existenzgründungen.
Chance statt Neustart
„Nachfolge braucht einfach Zeit“
Noch nie wollten so viele Unternehmerinnen und Unternehmer ihren Betrieb übergeben – doch das Angebot übersteigt die Nachfrage bei weitem. Die meisten Gründenden haben gar nicht auf dem Schirm, dass es sich durchaus auch lohnen kann, ein etabliertes Unternehmen zu übernehmen. Wie Übergebende und Übernehmende diese Hürden leichter nehmen, erklären die Nachfolgespezialisten Simone Bergmann von der IHK zu Dortmund und Mario Döring von der NRW.BANK.
Simone Bergmann
Simone Bergmann ist bei der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund Geschäftsführerin für den Bereich Handel, Dienstleistungen und Existenzgründungen.
Mario Döring ist Förderberater im „Beratungscenter Wirtschaftsförderung (BCW)“ der NRW.BANK und begleitet vor allem Gründende und Übernehmende.
Das eigene Lebenswerk in gute Hände zu übergeben, gestaltet sich für viele Unternehmer aktuell schwierig. Woran liegt es?
Simone Bergmann: Tatsächlich ist die größte Hürde für Übergebende zurzeit, überhaupt einen passgenauen Kandidaten zu identifizieren. Die beiden Parteien finden oft nicht zueinander. Etwa, weil nicht intensiv genug in der eigenen Belegschaft gesucht wird, weil übernahmewillige Externe mit ihren Ambitionen hinterm Berg halten, oder weil es einfach zu wenig Bewerberinnen und Bewerber in der Region gibt. Die Gründe sind vielfältig. Diesem Umstand trägt die IHK zu Dortmund durch den IHK-Nachfolgepool NRW Rechnung – eine Plattform auf der NRW-weit Übergebende und potenzielle Nachfolger in einem anonymen Prozess vernetzt werden. Ein weitere Vernetzungsmöglichkeit bietet die Nachfolgebörse nexxt-change, aber Nachfolge braucht einfach Zeit. Das unterschätzen viele Senior-Unternehmer.
Mario Döring: Ich erlebe häufig, dass vielen Gründungsinteressierten die Unternehmensnachfolge als Option der Gründung gar nicht präsent ist. Dabei bietet eine Unternehmensnachfolge sehr großes Potenzial: Wer einen bestehenden Betrieb übernimmt, kann auf gewachsene Strukturen, bestehende Kundenbeziehungen, eingespielte Teams und etablierte Netzwerke aufbauen. Zudem sind die historischen Zahlen bekannt. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig für dieses Thema zu sensibilisieren und das Bewusstsein dafür in die Breite zu tragen – etwa durch Gründungsberatungen an Universitäten, bei den IHKs oder in der Zusammenarbeit mit Wirtschaftsförderungen.
Wie groß ist die Hürde der Finanzierung?
Wie groß ist die Hürde der Finanzierung?
Bergmann: Natürlich scheitern Nachfolgen auch schon mal an einer fehlenden Finanzierung. Aber wenn ein Unternehmer tatsächlich jemanden gefunden hat, an den er seinen Betrieb abgeben will, finden sich immer Mittel und Wege. Zum Beispiel muss der Käufer den Preis nicht unbedingt auf einen Schlag komplett bezahlen. Die IHK bietet dazu übrigens den Finanzierungssprechtag an, in dem auch die Finanzierung einer Unternehmensnachfolge zusammen mit dem Partner der NRW.BANK und weiteren Beteiligten geplant werden kann.
Wie kann so eine Finanzierung für den Nachfolger aktuell aussehen?
Döring: Dreh- und Angelpunkt ist klassischerweise die eigene Hausbank. Sie prüft die Finanzierungsanfrage und bewertet die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Vorhabens. Oft werden dabei die KfW, die Bürgschaftsbank NRW oder wir als NRW.BANK eingebunden. Immer häufiger sehen wir, dass auch sogenannte Verkäuferdarlehen mit in die Finanzierung eingebunden werden. Dies unterstreicht das Vertrauen der Übergebenden in die Übernehmenden, das Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich fortzuführen. Gelegentlich, vor allem bei großen Firmenübernahmen, kommen auch Finanzierungsformen wie Konsortialfinanzierungen im Verbund mit anderen Geldgebern, direkte Beteiligungen oder Mezzanine-Finanzierungen zum Einsatz. Aber das sind Einzelfälle.
Viele Senior-Unternehmer sind im Vorfeld der Nachfolge nicht mehr so recht investitionsfreudig. Ist das sinnvoll?
Döring: Kurz vor der Übergabe Investitionen zurückzufahren, ist verständlich – aber oft nicht die beste Strategie. Denn Nachfolgende zahlen nicht für die Vergangenheit, sondern für die Chance auf zukünftige Erfolge und Erträge. Idealerweise sollte man daher schon mehrere Jahre vor der geplanten Übergabe damit beginnen, den Betrieb gezielt vorzubereiten und zu prüfen, wie das Unternehmen technologisch aufgestellt ist, ob das Angebot noch wettbewerbsfähig ist oder wie sich Mitarbeitende, Prozesse und Kundenstruktur entwickeln.
All dies kann dann in Investitionen münden – etwa in moderne Ausstattung, Digitalisierung, Qualifizierung der Belegschaft oder die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells. Nachfolgeprozesse dauern oft länger, als geplant. Wenn in dieser Zeit nicht mehr investiert wird und das operative Geschäft an Dynamik verliert, sinken Attraktivität und Unternehmenswert. Gleichzeitig erschwert das potenziellen Nachfolgern die Finanzierung, weil Banken immer auch auf die Aussichten des Unternehmens schauen.
All dies kann dann in Investitionen münden – etwa in moderne Ausstattung, Digitalisierung, Qualifizierung der Belegschaft oder die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells. Nachfolgeprozesse dauern oft länger, als geplant. Wenn in dieser Zeit nicht mehr investiert wird und das operative Geschäft an Dynamik verliert, sinken Attraktivität und Unternehmenswert. Gleichzeitig erschwert das potenziellen Nachfolgern die Finanzierung, weil Banken immer auch auf die Aussichten des Unternehmens schauen.
Bergmann: Gerade jetzt, wo Transformation für die Unternehmen so wichtig ist, können Investitionen nicht warten, bis ein neues Management das Thema anfasst. Man will als Alteigentümer doch, dass der Betrieb, den man einst aufgebaut hat, eine Zukunft hat. Am Ende wirkt sich Stillstand so nicht nur auf die Übergabe und den Verkaufserlös aus, sondern auf die Stabilität und die Perspektiven dessen, in das man jahrelang so viel eigenes Herzblut gesteckt hat. Wichtig ist, das Unternehmen übergabefähig zu gestalten. Wie das gelingen kann, darum geht es bei uns in der IHK zu Dortmund beim Nachfolgedialog am 5. November. Der Nachfolgedialog ist ein bewährtes Format, das wir zusammen mit der Handwerkskammer Dortmund bereits zum dritten Mal anbieten, und das neben Praxis- und Expertenmeinungen auch reichlich Platz für Gespräch und zum Netzwerken bietet.
Können auch Übernehmende Fördermittel für den Unternehmenskauf beantragen?
Döring: Ja – und leider ist dies vielen gar nicht bewusst. Förderangebote stehen nicht nur für klassische Neugründungen zur Verfügung, sondern ausdrücklich auch für Unternehmensnachfolgen. Eine Übernahme scheitert deshalb nicht automatisch daran, dass kein ausreichendes Eigenkapital oder keine oder nicht ausreichende Sicherheiten vorhanden sind.
Der erste Ansprechpartner bleibt in der Regel die Hausbank. Sie strukturiert die Finanzierung und bindet – wenn es passt – Förderinstrumente ein. Dabei können Förderdarlehen von uns, der NRW.BANK, oder der KfW eingesetzt werden. Beide Institute unterstützen die Finanzierung unter anderem über sogenannte Haftungsfreistellungen: Sie übernehmen damit einen Teil des Risikos der Hausbank und schaffen damit zusätzlichen Finanzierungsspielraum und die Bereitschaft der Hausbanken das Vorhaben zu begleiten.
Wenn Nachfolgerinnen oder Nachfolgern Sicherheiten fehlen, kann zusätzlich die Bürgschaftsbank NRW unterstützen. Sie stellt Bürgschaften bereit und erleichtert dadurch den Kreditzugang, indem sie einen Teil des Ausfallrisikos absichert.
Der erste Ansprechpartner bleibt in der Regel die Hausbank. Sie strukturiert die Finanzierung und bindet – wenn es passt – Förderinstrumente ein. Dabei können Förderdarlehen von uns, der NRW.BANK, oder der KfW eingesetzt werden. Beide Institute unterstützen die Finanzierung unter anderem über sogenannte Haftungsfreistellungen: Sie übernehmen damit einen Teil des Risikos der Hausbank und schaffen damit zusätzlichen Finanzierungsspielraum und die Bereitschaft der Hausbanken das Vorhaben zu begleiten.
Wenn Nachfolgerinnen oder Nachfolgern Sicherheiten fehlen, kann zusätzlich die Bürgschaftsbank NRW unterstützen. Sie stellt Bürgschaften bereit und erleichtert dadurch den Kreditzugang, indem sie einen Teil des Ausfallrisikos absichert.