Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit

Energieeffizienz im Betrieb gemeinsam voranbringen

Die Effizienz- und Zukunftswerkstatt Westfälisches Ruhrgebiet (EZWR) verbindet Fachwissen mit Erfahrungen aus dem Unternehmensalltag. Die teilnehmenden Betriebe lernen technische Lösungen kennen, diskutieren energiewirtschaftliche Entwicklungen und erhalten Anregungen für ihre eigenen Investitionsentscheidungen.
Wärme anders erzeugen, Abwärme weiterverwenden oder bestehende Anlagen effizienter betreiben: Unternehmen stehen vor ähnlichen Aufgaben, auch wenn sie unterschiedliche Produkte herstellen. In der EZWR tauschen sie sich darüber aus, welche Ansätze sich für ihren Betrieb eignen und welche Erfahrungen andere bereits damit gesammelt haben.
Die IHK zu Dortmund und die Unternehmensverbände für Dortmund und Umgebung organisieren die Netzwerkarbeit gemeinsam mit dem Leine-Kompetenz-Zentrum als Träger und Moderator. Die aktuelle Netzwerkphase läuft von März 2025 bis März 2028. Beteiligt sind unter anderem Unternehmen aus der Lebensmittelwirtschaft, der Chemie- und der Halbleiterindustrie sowie der Metallverarbeitung. Die regelmäßigen Treffen verbinden Fachvorträge mit Betriebsrundgängen und einem Austausch über aktuelle Projekte.

Wärmetransformation im laufenden Betrieb

Wie der Umbau einer betrieblichen Energieversorgung gelingen kann, zeigte das sechste Netzwerktreffen am 14. Oktober 2026 bei der Ölmühle Brökelmann in Hamm. Carsten Heldmann, verantwortlich für technische Projekte und das Energiemanagement, erläuterte den Weg von der Analyse des Energie- und Wärmebedarfs über die Prüfung technischer Alternativen bis zur Umsetzung einer standortgerechten komplexen Versorgungslösung.
Ein zentraler Baustein ist das gemeinsam mit GETEC realisierte Biomasseheizkraftwerk. Es nutzt Altholz in der Qualität A1/A2 sowie regionales Landschaftspflegematerial, um Prozessdampf und Strom für die Speiseölproduktion bereitzustellen. GETEC beziffert die damit verbundene CO₂-Einsparung auf rund 85 - 90 % pro Jahr. Nach dem vorgestellten Modell übernimmt der Energiedienstleister Planung, Finanzierung, Errichtung und Betrieb der Anlage. Damit wird auch deutlich, wie Unternehmen eine neue Wärmeversorgung finanzieren können.
Carsten Heldmann ging zudem auf die Herausforderungen ein: Die Anlage musste in die vorhandene Infrastruktur eingebunden und auf die laufenden Produktionsprozesse abgestimmt werden. Gleichzeitig galt es, die Versorgung während der Umsetzung zu sichern und die Projektpartner zu koordinieren. Der anschließende Rundgang machte das Zusammenspiel von Produktion und Energieversorgung vor Ort nachvollziehbar.

Abwärme und Anlagen effizienter nutzen

Andere Treffen widmeten sich einzelnen technischen Ansatzpunkten. Bei der Jäckering Mühlen- und Nährmittelwerke GmbH in Hamm stellte das Fraunhofer IEG Möglichkeiten der industriellen Abwärmenutzung vor. Ein Ansatz sind Hochtemperatur-Wärmepumpen: Sie können vorhandene Abwärme auf ein höheres Temperaturniveau heben und so für weitere Prozesse nutzbar machen. Für Unternehmen eröffnet dies eine Möglichkeit, vorhandene Wärmeströme in ihre Versorgungsplanung einzubeziehen. Darüber hinaus stand ein Austausch zur wirtschaftlichen Bewertung energiebezogener Investitionen nach DIN EN 17463 auf dem Programm.
Bei der Elmos Semiconductor SE in Dortmund stand die Optimierung der Kälteerzeugung auf dem Programm. Michael Willenberg, FM-Engineering stellte das Thema zur Diskussion und führte die Teilnehmenden durch den Betrieb. So verband sich der fachliche Austausch mit Einblicken vor Ort. Ergänzend informierte Rechtsanwalt Moussah Köster von Becker Büttner Held über energiewirtschaftliche Entwicklungen. Im Erfahrungsaustausch diskutierten die Unternehmen die Beiträge und brachten eigene aktuelle Fragestellungen ein.
Gero Böhmer, Director - Global Government & Public Affairs & Corporate Technical Adviser der WILO SEs erläuterte im Rahmen eines Gastvortrags beim Treffen bei der Bayer AG in Bergkamen die Bedeutung effizienter Pumpentechnologien für Industrie, Gebäudetechnik und Wasserwirtschaft. Anhand des Wiloparks in Dortmund stellte er zudem Maßnahmen zur Energieeffizienz in der eigenen Produktion und ein Konzept zur betrieblichen Energieversorgung vor. Ein Bestandteil dieses Konzepts ist die H₂POWERPLANT, die Photovoltaik, Elektrolyse, Wasserstoffspeicher und Brennstoffzelle miteinander verbindet. Mit Solarstrom erzeugt die Anlage Wasserstoff, der gespeichert und bei Bedarf über eine Brennstoffzelle wieder in Strom umgewandelt wird. Die dabei anfallende Abwärme lässt sich im Verbundsystem zum Heizen oder zur Kälteerzeugung nutzen. Das Beispiel zeigt, wie sich eigene Stromerzeugung, Energiespeicherung und die Nutzung von Abwärme an einem Unternehmensstandort verknüpfen lassen.

Energiepolitik und betriebliche Anforderungen einordnen

Technische Möglichkeiten sind eng mit wirtschaftlichen und regulatorischen Fragen verbunden. Im „Bericht aus Berlin“ informierte die Kanzlei Becker Büttner Held unter anderem über den Industriestrompreis und die Reform der Strompreiskompensation. Die Teilnehmenden konnten ihre Fragen direkt mit dem Fachreferenten diskutieren.
Im Kompetenzdialog bei Brökelmann ging es unter anderem um Förderprogramme für Ladeinfrastruktur, die Vorbereitung auf Audits des Energiemanagementsystems nach ISO 50001 und Stromsteuererstattungen. Auch Anforderungen des europäischen Emissionshandels und der Einsatz von Hochtemperatur-Wärmepumpen in industriellen Wärmeprozessen wurden diskutiert. So können die Unternehmen ihre eigenen Fragestellungen einbringen und Erfahrungen zur praktischen Umsetzung vergleichen.

Investitionen vorbereiten und Einsparziele verfolgen

Die Zusammenarbeit folgt dabei gemeinsamen Zielen: Auf Grundlage energetischer Bestandsaufnahmen und qualifizierter Energieberatung legen die Unternehmen ihre Einsparziele fest. Daraus entsteht das gemeinsame Netzwerkziel, dessen Erreichung zum Ende der Laufzeit überprüft wird. Die Fachbeiträge und Betriebseinblicke liefern Anregungen, welche Maßnahmen die Unternehmen auf diesem Weg weiterverfolgen können.

Nutzen für Unternehmen – Mitmachen lohnt sich!

Die Teilnahme an einem Energieeffizienz-Netzwerk bietet Unternehmen die Möglichkeit, Investitionen in Energieeffizienz auf einer fundierten Datenbasis zu planen und effektiv umzusetzen. Durch den Erfahrungsaustausch im Netzwerk können Unternehmen ihren Energieverbrauch senken, Energiekosten reduzieren und Wettbewerbsvorteile erzielen. Gleichzeitig positionieren sie sich gesellschaftspolitisch als engagierte Akteure im Klimaschutz und als Vorreiter technischer Innovationen.

Vorteile der Netzwerkteilnahme auf einen Blick:

  • Wirtschaftliche Vorteile: Reduktion von Energiekosten und Effizienzsteigerungen bieten Wettbewerbsvorteile.
  • Strategische Planung: Nutzung einer fundierten Datenbasis für Energieeffizienz-Investitionen.
  • Compliance-Unterstützung: Erleichterte Erfüllung der gesetzlichen Energieauditpflicht und Unterstützung bei der Einführung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen gemäß Energieeffizienzgesetz.
  • Förderprogramme: Zugang zu Fördermitteln, z. B. erhöhte Förderquoten in Modul 5 der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz sowie Berücksichtigung bei Kompensationszahlungen gemäß Carbon-Leakage-Verordnung (BECV).
  • Know-how und Vernetzung: Zugang zu Energie-Know-how, Beratungsangeboten und Serviceleistungen der Netzwerkträger sowie Austausch mit Politik und Wirtschaft.
  • Engagement zeigen: Sichtbare Positionierung als klimabewusstes Unternehmen und Förderung technischer Innovationen.

Erfolgsgeschichten der Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke

Die Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke hat bewiesen, dass gemeinsames Handeln zu beeindruckenden Ergebnissen führt. Laut dem Monitoringbericht aus dem Jahr 2018 übertreffen die Netzwerke ihre Einsparziele durchschnittlich um 111 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Zusammenarbeit in Netzwerken nicht nur die angestrebten Ziele erreicht, sondern oft sogar übertrifft – ein klarer Beleg für den Nutzen und die Effektivität solcher Initiativen für alle Beteiligten.
Einblicke in die praktische Arbeit der Netzwerke gibt die Broschüre „Gemeinsam erfolgreicher“ (Stand 11/2025. Darin werden elf erfolgreiche Netzwerke aus unterschiedlichen Branchen und Regionen vorgestellt. Netzwerkträger, Moderatoren und Teilnehmende teilen ihre Erfahrungen, dokumentieren ihre Erfolge mit konkreten Zahlen und motivieren andere Unternehmen, sich ebenfalls in Netzwerken zu engagieren. Diese Erfolgsgeschichten unterstreichen, wie vorteilhaft die Teilnahme an einem solchen Netzwerk sein kann und regen zum Mitmachen an.
Weitere Erfolgsgeschichten der Netzwerke finden Sie hier. Informationen zu der letzten regionalen Netzwerkrunde (2021-2024) der IHK zu Dortmund finden Sie hier.

Weitere Informationen zur EZWR und zu Möglichkeiten einer Beteiligung erhalten interessierte Unternehmen bei Tim Paul Broszio, Fachreferent Nachhaltiges Wirtschaften | Energie der IHK zu Dortmund, unter 0231 5417-229 oder t.broszio@dortmund.ihk.de.