Exporte liegen leicht im Plus

Zwar führen Vorzieheffekte im Handel mit den USA – vor allem in der Pharmabranche – zu einem teils deutlichen Anstieg der Exporte. Doch global betrachtet bleibt für Südhessens Außenhandel ein spürbarer Aufschwung aus.
„Der Außenhandel in Südhessen tritt auch 2025 auf der Stelle. Die Nachfrage auf dem Weltmarkt ist insgesamt schwach und die Unsicherheiten wegen der aktuellen geopolitischen Lage groß“, sagt Axel Scheer, Experte für Außenhandel bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar. „Hinzu kommt, dass durch die überbordende Bürokratie für das eigentliche Geschäft zu wenig Zeit bleibt. Wir spüren das jeden Tag, weil sich unsere Beratung zunehmend darauf ausrichtet, welche Formulare wie ausgefüllt werden müssen. Da geht es nicht mehr um den Export“, sagt Scheer. Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in den Zahlen der durch die IHK Darmstadt ausgestellten Exportdokumente wider.
Die IHK Darmstadt stellte im Jahr 2025 exakt 26.933 Außenhandelsdokumente aus und damit etwas weniger als im Vorjahr (2024: 28.248; minus 4,66 Prozent). Die Auswirkungen der Krisen lassen sich auch an den Carnet A.T.A. ablesen, mit denen Waren ohne größere Zollformalitäten zeitweilig ausgeführt werden können. Dieses Dokument benötigen Unternehmen, wenn sie ihre Waren auf Messen ausstellen oder Servicetechniker ihre Ausrüstungen ins Ausland mitnehmen wollen. 2025 wurden 352 Carnet ausgestellt und damit zwölf weniger als im Vorjahr (2024: 364 Carnet; minus 3,3 Prozent).

EU und USA wichtigste Handelspartner / US-Exporte wachsen überraschend deutlich

Etwas besser fallen die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für die ersten neun Monate 2025 aus. Danach betrugen die hessischen Exporte von Januar bis September 63,39 Milliarden Euro (2024: 60,87 Milliarden Euro) und stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht um 4,1 Prozent. Importiert wurden Waren im Wert von 93,95 Milliarden Euro (2024: 88,50 Milliarden Euro) und damit 6,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Die Exporte in die USA haben überraschend deutlich zugelegt. Sie betrugen von Januar bis September 2025 8,22 Milliarden Euro und sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (2024: 7,25 Milliarden) um 13,4 Prozent gestiegen. Die Importe haben ebenfalls deutlich zugelegt. Importiert wurden in den ersten neun Monaten Waren im Wert von 12,23 Milliarden Euro (2024: 11,01 Milliarden Euro; plus 11,1 Prozent). Insbesondere die Exporte von pharmazeutischen Produkten sind stark angewachsen. Exportiert wurden Pharmaprodukte im Wert von 3,47 Milliarden Euro. Das sind 44,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (2024: 2,4 Milliarden Euro).
Die US-Zollpolitik wirkt sich negativ auf die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA aus. Branchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau verzeichnen deutliche Einbußen.
„Diese Zahlen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die US-Zollpolitik negativ auf die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA auswirkt. Vor allem der Export von pharmazeutischen Produkten hat im dritten Quartal deutlich zugelegt und sorgt für positive Zahlen. Ein Grund dafür ist sicher der Zollstreit mit den USA, bei dem auch Strafzölle auf Arzneimittel im Raum standen. Die Pharmaunternehmen haben deshalb ihre Lager in den USA aufgefüllt. Andere Branchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau verzeichnen hingegen deutliche Einbußen“, erklärt Scheer. „Aus der Beratungspraxis wissen wir auch, dass die Abwicklung der Exporte und die Ermittlung der Zölle unsere Mitgliedsunternehmen vor immense Probleme stellt.“
Die Exporte in die Länder der EU betrugen in den ersten neun Monaten 35,13 Milliarden Euro (2024: 33,27 Milliarden Euro) und sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum moderat gestiegen (plus 5,6 Prozent). Importiert wurden Waren im Wert von 40,01 Milliarden Euro (2024: 41,64 Milliarden Euro; minus 3,9 Prozent).

Weiter hohe Exportquote in Südhessen

Die Exportquote im verarbeitenden Gewerbe liegt im Kammerbezirk der IHK Darmstadt bei 62,1 Prozent. Sie liegt deutlich über der für Hessen (55,3 Prozent) und für Deutschland (49,7 Prozent). „Die Exporte von chemischen und pharmazeutischen Produkten sind stabil. Der Export von Maschinen, Fahrzeugen und Fahrzeugteilen und elektrotechnischen Erzeugnissen hat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum teilweise kräftig zugelegt. Waren ,Made in Germany‘ sind immer noch stark gefragt im Ausland“, sagt Scheer.
Von Januar bis September wurden chemische und pharmazeutische Erzeugnisse im Wert von 18,17 Milliarden Euro aus Hessen exportiert; der Wert ist damit nahezu konstant geblieben (2024: 18,00 Milliarden Euro; plus 0,9 Prozent). Importiert wurden Waren im Wert von 17,87 Milliarden Euro (2024: 17,03 Milliarden Euro) und damit 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Maschinenbau vermeldet positive Zahlen. Die Exporte stiegen mit 7,48 Milliarden Euro (2024: 6,72 Milliarden Euro) deutlich um 11,3 Prozent. Die Importe haben mit 8,99 Milliarden Euro (2024: 8,63 Milliarden Euro; plus 4,2 Prozent) leicht zugelegt. Ähnlich lief es in der Automobilbranche. Dort stiegen die Exporte mit 6,60 Milliarden Euro (2024: 6,22 Milliarden Euro) um 6,1 Prozent. Die Importe fielen mit 10,01 Milliarden Euro (2024: 10,60 Milliarden Euro) um 5,6 Prozent. Der Export von elektrotechnischen Erzeugnissen verzeichnete in den ersten neun Monaten mit 6,93 Milliarden einen deutlichen Zuwachs um 22,9 Prozent (2024: 5,64 Milliarden Euro). Auch die Importe stiegen mit 12,98 Milliarden Euro deutlich um 9,6 Prozent (2024: 11,84 Milliarden Euro).

Frankreich zweitwichtigster Abnehmer / Importe aus China legen deutlich zu

Zweitwichtigster Abnehmer hinter den USA bleibt weiterhin Frankreich, auch wenn die Exporte rückläufig waren. Exportiert wurden in den ersten neun Monaten Waren im Wert von 4,62 Milliarden Euro (2024: 4,79 Milliarden Euro; minus 3,5 Prozent). Noch deutlicher war der Rückgang beim Import. Importiert wurden Waren für 6,26 Milliarden Euro (2024: 7,12 Milliarden Euro; minus 12,1 Prozent). Polen bleibt auch weiterhin drittwichtigster Abnehmer für Hessen. Die Exporte sind in den ersten neun Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Exportiert wurden von Januar bis September Waren im Wert von 3,71 Milliarden Euro (2024: 3,64 Milliarden Euro; plus 1,9 Prozent) und für 3,18 Milliarden Euro importiert (2024: 3,17 Milliarden Euro; plus 0,3 Prozent). Die Exporte in das Vereinigte Königreich sind deutlich zurückgegangen. Exportiert wurden von Januar bis September Waren im Wert von 2,18 Milliarden Euro (2024: 2,85 Milliarden Euro; minus 23,5 Prozent). Im Gegensatz dazu haben die Importe deutlich zugelegt. Importiert wurden Waren für 3,70 Milliarden Euro (2024: 2,93 Milliarden Euro; plus 26,3 Prozent).
Die Exporte nach China sind in den ersten neun Monaten nahezu konstant geblieben. Die Ausfuhren dorthin betrugen von Januar bis September 3,01 Milliarden Euro (2024: 3,06 Milliarden). Das ist ein Minus von 1,63 Prozent. Die Importe haben kräftig zugelegt. Importiert wurden Waren im Wert von 9,96 Milliarden Euro (2024: 8,56 Milliarden Euro; plus 16,35 Prozent). „China ist durch die Zollpolitik Donald Trumps noch stärker betroffen als die EU. Das führt dazu, dass China Waren, die früher in die USA exportiert wurden, verstärkt nach Europa umleitet. Das spüren auch unsere Mitgliedsunternehmen“, sagt Scheer. Dabei handele es sich auch um subventionierte Produkte, was zu unfairem Wettbewerb führt. Die EU und auch die Bundesregierung müsse Maßnahmen ergreifen und für einen fairen Wettbewerb sorgen.
Matthias Voigt
Bereich: Kommunikation und Marketing
Themen: IHK-Magazin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit