Interview

„Es gibt keinen schlechten Zeitpunkt, zu gründen – solange Geschäftsidee und Planung stimmen“

Als sich Maria Schmolke mitten in der Corona-Krise 2020 mit einem eigenen Personaldienstleistungsunternehmen selbstständig machen möchte, erklären sie Freunde und Verwandte für verrückt. Mittlerweile läuft das Geschäft – auch weil die Jungunternehmerin auf starke Partnerschaften gesetzt hat.
Autoren: Aaron Baur / Veronika Heibing, 1. Juni 2021
IHK: Frau Schmolke, Sie haben sich mitten in der Corona-Krise selbstständig gemacht. Das ist ein mutiger Schritt. Wie viele Freunde und Verwandte haben versucht, Sie davon abzuhalten?
Maria Schmolke: Ich bin schon lange im Dienstleistungssektor tätig und habe viel Erfahrung im Personalmanagement – auch in leitender Tätigkeit. Zuletzt war ich Standortleiterin eines Personalbüros in Darmstadt. Den Gedanken, mich selbstständig zu machen, hatte ich schon seit einer Weile.  Meine Familie und mein Partner haben diese Idee immer unterstützt. Im vergangenen Jahr kam dann einiges zusammen und ich entschied mich, meine Pläne in die Tat umzusetzen und mit Kaiser Personal Service mein eigenes Unternehmen zu gründen. Viele aus meinem Vertrauten- und Bekanntenkreis sagten dann, ich sei verrückt. Sie hatten Sorge, dass mir in der aktuellen wirtschaftlichen Situation die Aufträge ausbleiben.
IHK: Wo Sie von der richtigen Planung sprechen: Sie haben nicht allein gegründet. Wie lange sind Sie und Ihre Geschäftspartner schon im Personalbereich tätig und warum haben Sie sich gleich für zwei Standorte – einmal in der Rhein-Main-Region und einmal im Rheinland – entschieden?
Maria Schmolke: Ich lebe die Dienstleistung bereits seit mehr als einem Jahrzehnt und auch mein Geschäftskollege Uwe Fuchs ist schon lange im Personalbereich tätig. Er hat seinen Arbeits- und Lebensmittelpunkt im Rheinland, ich in der Rhein-Main-Region. Zusätzlich steht uns als starker Partner Kaiser Consult und Management im Schwarzwald zur Seite. Deren Team kümmert sich unter anderem sehr professionell um unsere Lohnabrechnungen, das Rechnungswesen, Schulungen und Managementberatung, aber auch um weitere Services, die zum klassischen „Overhead“ eines Unternehmens gehören. So können wir uns ganz auf die Beratung unserer Kunden konzentrieren, das ist eine echte Erleichterung.
Welche Herausforderungen sind Ihnen bei der Gründung Ihres Unternehmens begegnet und wie haben Sie diese gemeistert?
Maria Schmolke: Gegründet haben wir im August 2020. Doch aufgrund von Corona zogen noch knapp zwei Monate ins Land, bis wir alle rechtlichen Dokumente vorliegen und die Büroräume gemietet hatten. Tatsächlich starten konnten wir dann im Oktober vergangenen Jahres. Eine Hürde war es, bei der Bundesagentur für Arbeit die Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis zu erhalten, die man als Personaldienstleiter benötigt. Die Sachbearbeiterin war zwar sehr freundlich, hilfsbereit und verständnisvoll, dennoch war die ganze Bürokratie ein großer Aufwand für uns. Eine weitere Herausforderung war es anfangs, die Büroräume mieten zu können. Wir hatten die Gründungsurkunde zwar schon vom Notar beglaubigen lassen und sind dann zum Amtsgericht. Aber bevor die GmbH nicht eingetragen war, konnten wir keine Büroräume mieten. Ohne Büro kann man viele weitere Schritte nicht einleiten und hat auch keine feste Adresse. Die Zeit, die man braucht, um alle offiziellen Dokumente in der Hand zu haben, darf man nicht unterschätzen.
Viele Gründungsinteressierte sind in der aktuellen Situation verunsichert. Können Sie anderen empfehlen, den Schritt zu wagen und trotz Corona eine eigene Existenz aufzubauen?
Maria Schmolke: Der Gründungszeitpunkt für Kaiser Personal Service war genau richtig gewählt. Es gibt aus meiner Sicht auch keinen schlechten Zeitpunkt, zu gründen – solange die Geschäftsidee und die Planung stimmen.  Wenn man den Mut hat und mit dem Gedanken spielt, sollte man sich selbstständig machen. Was ich dabei einfach sehr sinnvoll finde, ist, einen Geschäftspartner zu haben, der hinter einem steht und einen bei wichtigen Belangen unterstützt. Einen Tipp, den ich darüber hinaus noch geben möchte: Anfangs dauert es natürlich etwas, bis Aufträge und damit Geld eingehen. Damit man gleich zu Beginn liquide die ersten Rechnungen, wie etwa das Gehalt der Mitarbeiter oder Mieten direkt bezahlt werden können, bietet sich das sogenannte Factoring an. Bei diesem Verfahren tritt ein Unternehmen seine offenen Rechnungen an einen seriösen Factoring-Dienstleister ab. Das Unternehmen selbst erhält dann die Zahlungseingänge aus dem Verkauf der Rechnungen unmittelbar. Das Risiko, dass die Rechnungen auch beglichen werden, trägt der Factoring-Dienstleister. Dieser gewährleistet gleichzeitig auch das Mahnwesen.
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Maria Schmolke: Wir sind gerade erst gestartet, unser Unternehmen zu festigen steht daher im Vordergrund. Enger Kundenkontakt – soweit das die aktuelle Situation zulässt – ist uns sehr wichtig. Ich denke, dass diese Krise uns sehr gut auf die Zukunft vorbereitet, denn wenn wir es bereits in einer solchen Situation so gut geschafft haben, werden wir umso besser in Zeiten arbeiten können, in denen das Leben wieder seinen normalen Lauf nimmt.

Sie spielen mit dem Gedanken, ein Unternehmen zu gründen?

Die IHK Darmstadt steht Gründungswilligen gemeinsam mit Fachexperten von der ersten Idee bis zur Ausarbeitung eines Business-Plans und der Beratung zu passenden Fördermitteln zur Seite.

Was Sie beispielsweise schon bei der Vorbereitung eines Gründungsvorhabens beachten sollten, erfahren Sie in dem Seminar Grundlagen der Existenzgründung, das wir mehrfach im Jahr anbieten.

Allgemeine Infos rund um die Unternehmensgründung finden Sie außerdem bei unserem Online-Gründungslotsen.
  

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