PERFORM Zukunftsfähige Gewerbegebiete

Gewerbeflächenentwicklung - Was eine bedarfsgerechte Entwicklung benötigt

Der Ausgangspunkt: Bestehende Gewerbegebiete weiterentwickeln

Gewerbeflächen sind eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig stehen viele Kommunen in der Region vor einem zunehmenden Spannungsfeld: Die Nachfrage nach Gewerbeflächen ist hoch, geeignete Flächen sind knapp und die Entwicklung neuer Standorte wird immer anspruchsvoller.
Gleichzeitig verändert sich die Situation in den bestehenden Gewerbegebieten. Viele Standorte wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelt. Ihre Infrastruktur, Erschließung und Gestaltung entsprechen teilweise nicht mehr den heutigen Anforderungen von Unternehmen und Beschäftigten.
Die Weiterentwicklung bestehender Gewerbegebiete wird damit zu einer wichtigen Aufgabe der kommunalen Standortentwicklung.
Genau hier setzte 2019 das erste Projekt der IHK Darmstadt im Rahmen von PERFORM „Zukunftsfähige Gewerbegebiete“ an.

Bestehende Gewerbegebiete im Blick

Ziel des Projekts war es, bestehende Gewerbegebiete genauer unter die Lupe zu nehmen: Wie sind die Standorte heute aufgestellt? Wo liegen Stärken und Schwächen? Welche Anforderungen werden künftig wichtiger? Und welche Möglichkeiten haben Kommunen, Unternehmen und weitere Akteure, bestehende Gebiete weiterzuentwickeln?
In einem viermonatigen Projektzeitraum untersuchten Studierende der Hochschule Darmstadt bestehende Gewerbegebiete in Griesheim und Babenhausen. Für Potenzialflächen in Viernheim entwickelten sie zudem Ideen für deren künftige Entwicklung.
Dabei wurde deutlich: Die Herausforderungen bestehender Gewerbegebiete sind vielfältig und miteinander verbunden.

Was wir aus dem Projekt gelernt haben

Die Untersuchung machte sichtbar, dass die Qualität eines Gewerbegebiets von wesentlich mehr abhängt als von der reinen Verfügbarkeit von Flächen. Die Anforderungen an bestehende Standorte verändern sich – unter anderem durch Digitalisierung, veränderte Mobilitätsanforderungen und klimatische Belastungen. Gleichzeitig geraten viele ältere Gewerbegebiete nach ihrem ersten Lebenszyklus unter Anpassungsdruck.
Eine Rolle spielen unter anderem:
  • die Erreichbarkeit und Verkehrsanbindung,
  • die Qualität und Leistungsfähigkeit der Infrastruktur,
  • die Nutzung und Gestaltung der vorhandenen Flächen,
  • die Anforderungen der ansässigen Unternehmen,
  • die Entwicklung des Umfelds,
  • der Umgang mit klimatischen Veränderungen und
  • die Frage, wie bestehende Standorte langfristig attraktiv gehalten werden können.

Fünf zentrale Lerneffekte

  1. Erst den Bestand verstehen, dann über neue Flächen sprechen.
    Die Untersuchung zeigt, dass die Weiterentwicklung bestehender Gewerbegebiete stärker in den Blick genommen werden muss. Wo Flächen knapp sind, gehört die Qualität und Weiterentwicklung des Bestands zur kommunalen Standortentwicklung.
  2. Flächenangebot allein macht noch keinen attraktiven Wirtschaftsstandort.
    Entscheidend sind auch Erreichbarkeit, Infrastruktur, Nutzungsstruktur und die Qualität des Umfelds. Ein Gewerbegebiet kann über verfügbare Flächen verfügen und trotzdem an Standortqualität verlieren.
  3. Gewerbegebiete haben einen Lebenszyklus.
    Viele ältere Gebiete wurden unter Rahmenbedingungen entwickelt, die sich inzwischen verändert haben. Was vor Jahrzehnten funktioniert hat, muss deshalb nicht automatisch den heutigen Anforderungen von Unternehmen und Beschäftigten entsprechen.
  4. Die Anforderungen der Unternehmen verändern sich.
    Verkehr, digitale Infrastruktur und weitere Standortfaktoren gewinnen mit veränderten Arbeits- und Wirtschaftsprozessen an Bedeutung. Gewerbegebiete müssen deshalb regelmäßig daraufhin betrachtet werden, ob ihre Rahmenbedingungen noch zu den Anforderungen der ansässigen und potenziellen Unternehmen passen.
  5. Die Herausforderungen hängen zusammen.
    Mobilität, Flächennutzung, Infrastruktur, Klima und Standortqualität lassen sich nicht unabhängig voneinander betrachten. Eine einzelne Maßnahme löst deshalb selten die grundlegenden Herausforderungen eines Gebiets.
Damit wurde eine zentrale Erkenntnis für die weitere Projektarbeit deutlich:
Die Zukunft bestehender Gewerbegebiete lässt sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme gestalten. Es braucht einen Blick auf den gesamten Standort und seine Entwicklungsmöglichkeiten.

Was bedeutet das für Kommunen?

Aus der ersten Projektphase lassen sich einige grundlegende Fragen für die kommunale Standortentwicklung ableiten:
  • Wie ist der bestehende Standort tatsächlich aufgestellt? Nicht nur Flächenreserven, sondern auch Infrastruktur, Erreichbarkeit, Nutzung und Umfeld sollten betrachtet werden.
  • Wo liegen die größten Entwicklungspotenziale? Nicht jedes Gewerbegebiet braucht dieselbe Lösung. Entscheidend sind die jeweiligen Voraussetzungen und Herausforderungen vor Ort.
  • Welche Anforderungen haben die ansässigen Unternehmen? Die Perspektive der Unternehmen ist wichtig, um Standortprobleme frühzeitig zu erkennen und Entwicklungsmöglichkeiten realistisch einzuschätzen.
  • Wie greifen einzelne Themen ineinander? Maßnahmen bei Mobilität, Flächennutzung, Infrastruktur oder Freiraum können sich gegenseitig beeinflussen und sollten deshalb möglichst zusammen gedacht werden.
Die zentrale Botschaft aus dem Projekt lautet damit: Bestehende Gewerbegebiete brauchen nicht nur Bestandspflege, sondern eine bewusste Entwicklungsperspektive.

Vom ersten Projekt zu weiteren Handlungsfeldern

Das Projekt von 2019 war damit nicht als abgeschlossene Einzeluntersuchung angelegt. Vielmehr bildete es den Ausgangspunkt für eine Reihe weiterer Untersuchungen zu unterschiedlichen Fragestellungen rund um die Entwicklung bestehender Gewerbegebiete.
In den folgenden Jahren wurden unter anderem Mobilität, Klimaresilienz, Biodiversität sowie Kooperationen und Synergien vertieft untersucht.
So entstand Schritt für Schritt ein immer umfassenderes Bild davon, welche Faktoren die Qualität und Zukunftsfähigkeit bestehender Gewerbe- und Industriegebiete beeinflussen.
Das Projekt von 2019 war damit der Ausgangspunkt für eine mehrjährige fachliche Auseinandersetzung der IHK Darmstadt mit der Frage, wie bestehende Wirtschaftsstandorte weiterentwickelt werden können.

Die Projektergebnisse

Im Rahmen des Projekts entstanden Untersuchungen und Entwicklungsideen für die betrachteten Gewerbegebiete. Die damaligen Ergebnisse stehen weiterhin zur Verfügung:
  • Ziele PERFORM 2019
  • Handlungsoptionen PERFORM 2019
  • Gebiete PERFORM 2019
  • Ergebnisse PERFORM 2019
Die Ergebnisse sind insbesondere als Einblick in die damalige Bestandsaufnahme und als Ausgangspunkt für die nachfolgenden Projektphasen interessant.

Projektpartner

Das Projekt wurde gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt, der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, der IHK Offenbach sowie den Projektkommunen Babenhausen, Griesheim und Viernheim durchgeführt.

Projektlaufzeit

  • April 2019 bis September 2019.

Und wie ging es weiter?

Die erste Untersuchung hat gezeigt: Mit der Bestandsaufnahme allein ist die Arbeit nicht abgeschlossen.
Aus den gewonnenen Erkenntnissen entstand deshalb eine Reihe weiterer Projekte, mit denen einzelne Herausforderungen bestehender Gewerbegebiete vertieft untersucht wurden.
Heute greift die IHK Darmstadt auf die Erfahrungen aus mehreren Jahren Projektarbeit zurück und entwickelt diesen Ansatz weiter.