Richtlinien für Bauen in Kreisläufen auf EU- und Bundesebene
Aktionsplan Kreislaufwirtschaft – Update 2026
Die Europäische Kommission hat im März 2020 den Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft (CEAP) veröffentlicht. Er ist eine zentrale Säule des European Green Deal, um die Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Seitdem wurden wichtige Schritte umgesetzt:
- Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR): Seit Juli 2024 in Kraft. Sie ersetzt die Ökodesign-Richtlinie und erweitert die Anforderungen auf nahezu alle Produktgruppen. Kerninstrument ist der Digitale Produktpass (DPP), der ab 2026 für Bauprodukte verpflichtend wird.
- Neue Bauprodukteverordnung (Regulation EU 2024/3110): Veröffentlicht im Dezember 2024, gilt ab Januar 2026. Sie führt Umweltinformationen und den DPP für Bauprodukte ein.
- Circular Economy Act: Geplant für 2026, um den Markt für Sekundärrohstoffe zu stärken und die Kreislaufquote bis 2030 deutlich zu erhöhen.
Gebäudesektor als Schlüsselsektor
Der Gebäudesektor verursacht rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU. Jährlich fallen etwa 230 Mio. Tonnen Abbruchabfälle an. Während mineralische Bauabfälle zu 90 Prozent recycelt werden, besteht bei anderen Materialien noch Handlungsbedarf. Verbundstoffe erschweren die Trennung und Wiederverwendung.
Zentrale Maßnahmen für die Bauwirtschaft
- Überarbeitung der Bauprodukteverordnung mit Anforderungen an Rezyklatanteile und Umweltinformationen.
- Einführung digitaler Gebäude-Logbücher und des Digitalen Produktpasses.
- Nutzung des EU-Bewertungsrahmens Level(s) für Lebenszyklusanalysen und nachhaltige Beschaffung.
- Überarbeitung der Recyclingziele für Bau- und Abbruchabfälle.
- Förderung der Sanierung von Brachflächen und Reduzierung der Bodenversiegelung.
Rechtliche Rahmenbedingungen
- Mantelverordnung (inkl. Ersatzbaustoffverordnung): Seit 1. August 2023 in Kraft. Sie regelt bundeseinheitlich die Herstellung und den Einbau mineralischer Ersatzbaustoffe.
- Gebäudeenergiegesetz (GEG): Regelt weiterhin die energetische Qualität von Gebäuden und den Einsatz erneuerbarer Energien.
- Neue Bauprodukteverordnung (2024/3110): Ab 2026 verbindlich, inkl. CE-Kennzeichnung, Umweltinformationen und DPP.
- ESPR: Stärkt Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschutz für alle Produktkategorien.
Hilfreiche Tools und Plattformen
- ÖKOBAUDAT: Datenbank für Ökobilanzierung von Bauwerken.
- Level(s): EU-Bewertungsrahmen für die Umweltleistung von Gebäuden.
- Madaster: Plattform zur Erfassung von Materialien in Gebäuden für Wiederverwendung.
- BIM (Building Information Modeling): Digitale Zwillinge für Planung, Betrieb und Rückbau.
- Digitaler Gebäuderessourcenpass der DGNB: In Vorbereitung, angelehnt an den Energieausweis.
Warum jetzt handeln?
Zirkuläres Bauen erfordert ein Umdenken: Minimierung von Materialeinsatz, Einsatz recycelbarer Materialien und Demontierbarkeit müssen bereits in der Planung berücksichtigt werden. Nur durch Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft können die Ziele erreicht werden.
Weiterführende Informationen: