IHK-Konjunkturbericht: Belebung auf wackligen Beinen
21. Oktober 2026
Geschäftsklimaindex, Erwartungen und die wirtschaftliche Lage der südhessischen Unternehmen: Die aktuelle Ausgabe und das Archiv der Konjunkturberichte seit 2012 finden Sie hier.
Situation in Deutschland
Konjunkturell geht es derzeit aufwärts. Das Bruttoinlandsprodukt liegt zum ersten Mal wieder über dem Niveau vor Ausbruch der Gaspreiskrise 2022. So legten Exporte und Wertschöpfung in der Industrie im ersten Halbjahr überraschend stark zu. Impulse gingen erstens vom weltweiten KI-Boom aus. Zweitens werden im Inland die expansiven Effekte der Sondervermögen wirksam: Höhere Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur schlagen sich in öffentlichen Investitionen und Vorleistungskäufen nieder. Schwach bleiben dagegen Unternehmensinvestitionen und privater Konsum. Hier hat der durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiepreisschock bremsend gewirkt. Mit Blick in die Zukunft zeigen sich die Indikatoren uneinheitlich. Vorlaufende Indikatoren wie der ifo-Index und der Auftragseingang deuten nach oben. Konsumenten beurteilen die wirtschaftliche Lage jedoch weiterhin skeptisch, und in vielen Unternehmen bleibt die Einschätzung der Geschäftslage kritisch. So ist auch die Investitionsbereitschaft wegen ungünstiger Standortbedingungen weiterhin niedrig. Der kräftigen Ausweitung der öffentlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung steht damit eine weiterhin schwache private Investitionstätigkeit gegenüber. Für 2026 rechnen die wirtschaftswissenschaftlichen Institute mit einem Wirtschaftswachstum von real 1,3 Prozent. Für 2027 und 2028 erwarten sie wieder niedrigere Wachstumsraten, sofern keine Strukturreformen erfolgen.
Die Konjunktur in Südhessen
Die Konjunktur sendet erstmals seit langem ein deutliches Lebenszeichen: 23 Prozent der südhessischen Unternehmen melden eine gute Geschäftslage, drei von zehn Unternehmen (30 Prozent) sind mit dem laufenden Geschäft unzufrieden. Knapp jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) berichtet von teilweise befriedigenden Geschäften. Damit legt der Saldo aus positiven und negativen Lageeinschätzungen gegenüber Frühsommer sieben Prozentpunkte zu. Mehr als minus sieben Prozentpunkte sind beim Lagesaldo damit aber nicht drin. Auch ihre Zukunftsperspektiven sehen die Unternehmen besser als zuletzt. 13 Prozent der Unternehmen erwarten bessere Geschäfte, fast zwei von drei Unternehmen (63 Prozent) sehen eine gleichbleibende Entwicklung auf dem aktuellen Niveau. Jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) stellt sich auf schlechtere Zeiten ein. Damit gewinnt der Saldo aus positiven und negativen Zukunftseinschätzungen elf Prozentpunkte. Mit minus elf Prozentpunkten bleibt aber auch der Erwartungssaldo im negativen Bereich.
Das Investitionsklima hat sich verbessert. So legt der Investitionssaldo zehn Punkte zu. Ausgehend von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau bleiben die Investitionspläne jedoch im roten Bereich. Der Saldo liegt aktuell bei minus sechs Punkten. 26 Prozent der Unternehmen wollen mehr investieren, 32 Prozent planen Kürzungen. Damit schließt sich die Lücke zum zehnjährigen Durchschnitt der Investitionspläne – mehr aber auch nicht. Noch zurückhaltender sind die Beschäftigungspläne der Unternehmen. Nur sechs Prozent der Unternehmen wollen sich personell verstärken, jedes vierte sieht sich gezwungen, Mitarbeitende zu entlassen, oder kann ausscheidendes Personal nicht ersetzen. Zwei von drei Unternehmen (68 Prozent) halten die Zahl der Mitarbeitenden konstant. Damit bewegt sich der Saldo der Beschäftigungspläne um drei Punkte nach oben. Er liegt aktuell bei minus 20 Prozentpunkten. Mit den Exportaussichten geht es abermals bergab. So gibt der Saldo der Exporterwartungen gegenüber Frühsommer sechs Punkte, gegenüber Jahresbeginn sogar elf Punkte ab. Mit einem Saldo von minus 19 Prozentpunkten sind die pessimistischen Exporteure in der Mehrheit.
Der IHK-Geschäftsklimaindex bündelt die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage und die Erwartungen der Unternehmen und trifft damit eine Aussage über den konjunkturellen Gesamtzustand der regionalen Wirtschaft. Gegenüber Frühsommer macht der Index Boden gut, und zwar neun Punkte. Er beträgt jetzt 91 Punkte. Damit liegt der Index seit mehr als vier Jahren unterhalb der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Es gibt Wachstumsimpulse, aber die Auftriebskräfte sind schwach.