Konjunkturreport Berlin-Brandenburg
Die Berlin-Brandenburger IHKs veröffentlichen zu Beginn eines jeden Jahres ihre gemeinsame repräsentative Konjunkturumfrage, die aktuell unter mehr als 5.000 Unternehmen durchgeführt wird.
Strukturkrise bremst Wachstum
Die Metropolregion Berlin-Brandenburg verharrt zu Jahresbeginn im konjunkturellen Winterschlaf.
Die Wirtschaft der beider Länder fndet nicht auf den Wachstumspfad zurück. Der Konjunkturklimaindex, der geschäftliche Lage und Erwartungen der Unternehmen abbildet, verbessert sich seit dem Herbst nur um einen Zähler und steigt auf 102 Punkte. Der langjährige Durchschnitt der Zeitreihe beträgt 115 Punkte. Die wirtschaftliche Schwächephase geht damit ins vierte Jahr und zieht sich länger hin als alle Wachstumsdellen der zurückliegenden zwei Jahrzehnte.
Die Wirtschaft der beider Länder fndet nicht auf den Wachstumspfad zurück. Der Konjunkturklimaindex, der geschäftliche Lage und Erwartungen der Unternehmen abbildet, verbessert sich seit dem Herbst nur um einen Zähler und steigt auf 102 Punkte. Der langjährige Durchschnitt der Zeitreihe beträgt 115 Punkte. Die wirtschaftliche Schwächephase geht damit ins vierte Jahr und zieht sich länger hin als alle Wachstumsdellen der zurückliegenden zwei Jahrzehnte.
Von einer Konjunkturdelle zu sprechen, verbietet sich mittlerweile. Es ist eine Strukturkrise. Unübersehbar ist die 30 bis 40 Punkte zählende Diferenz zwischen den in den 2010er Jahren gemessenen und den aktuellen Indexwerten. Darin drückt sich der qualitative Unterschied zwischen dynamischem Wachstum und verstetigtem Stillstand aus. Dass jener in den kommenden Monaten überwunden wird, ist angesichts der vorliegenden
Umfrageergebnisse nicht zu erwarten. Geschäftserwartungen, Personal- und Investitionsplanungen sowie Risikoeinschätzungen der Unternehmen sind weiterhin von Skepsis geprägt. Zwar gibt es wenige Branchen, die von etwas lebhafteren Geschäften berichten, doch stehen diesen jene gegenüber, deren Lage sich weiter verschlechtert hat.
Umfrageergebnisse nicht zu erwarten. Geschäftserwartungen, Personal- und Investitionsplanungen sowie Risikoeinschätzungen der Unternehmen sind weiterhin von Skepsis geprägt. Zwar gibt es wenige Branchen, die von etwas lebhafteren Geschäften berichten, doch stehen diesen jene gegenüber, deren Lage sich weiter verschlechtert hat.
Gleiches gilt für die Erwartungen an die kommenden Monate – die an der einen Stelle leicht aufscheinende Zuversicht wird durch die zunehmende Skepsis andernorts aufgehoben. Über mehrere Umfragen tragende positive Trends zeigen sich seit Jahren nicht. Es fehlt an kraftvollen politischen Initiativen, die den Standort attraktiver gestalten. Eine Folge dieses Nicht-Handelns ist die sich in vielen Unternehmen verfestigende Unschlüssigkeit.
Genährt wird diese darüber hinaus von einer schwachen Binnennachfrage, nicht enden wollender Ungewissheit angesichts der Entwicklung internationaler Handelshemmnisse sowie der bisher nicht eingelösten Erwartung umfassender Entlastungen für die Wirtschaft durch die Bundespolitik. Es wird erheblicher struktureller Verbesserungen am Standort bedürfen, um die Wirtschaft wieder auf einen stabilen Wachstumspfad zu führen.
Genährt wird diese darüber hinaus von einer schwachen Binnennachfrage, nicht enden wollender Ungewissheit angesichts der Entwicklung internationaler Handelshemmnisse sowie der bisher nicht eingelösten Erwartung umfassender Entlastungen für die Wirtschaft durch die Bundespolitik. Es wird erheblicher struktureller Verbesserungen am Standort bedürfen, um die Wirtschaft wieder auf einen stabilen Wachstumspfad zu führen.
Geschäftslage bleibt verhalten
Die Geschäftslage der Berlin-Brandenburger Wirtschaft verbessert sich zu Beginn des Jahres leicht. Der Lageindikator – der sich aus gut und schlecht laufenden Geschäften ergibt – gewann zwei Punkte hinzu und verbessert sich auf neun Punkte. Dies ist der erste Anstieg seit dem Herbst 2024. Damals zählte der Indikator 14 Punkte. Die Aufwärtsbewegung zu Jahresbeginn ergibt sich aus moderat besser laufenden Geschäften in beiden Bundesländern: In Berlin legt der Indikator um drei Zähler auf acht Punkte zu, in Brandenburg steigt er um einen Zähler auf elf Punkte. Bisher zeigt sich jedoch in keinem Wirtschaftszweig ein längerfristiger positiver Trend hin zu einer überwiegend guten Geschäftslage.
Die leichte Verbesserung in Brandenburg ergibt sich zum einen aus dem steigende Lageindikator im Dienstleistungsgewerbe, der von 21 auf 23 Punkte steigt - die mit Abstand beste Bewertung im Bundesland. Besser laufen auch die Geschäfte im Handel, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau: Der Indikator steigt von minus 22 auf minus zehn Punkte. Die übrigen Branchen in Brandenburg gehen diese Entwicklung leider nicht mit. Industrie, Baugewerbe und Gastgewebe berichten von nachlassender Geschäftsdynamik. Die Industrie leidet unter einer schwachen Nachfrage, der Bau hat mit Witterungsverhältnissen und leeren Kassen der öffentlichen Hand zu kämpfen und dem Handel bleiben die Kunden aus.
In Berlin ist es vor allem die überraschend stark an Fahrt gewinnende Geschäftslage in der Industrie, welche die geschäftliche Dynamik des Landes insgesamt verbessert. Von sechs Punkten im Herbst auf aktuell 24 Punkte steigt der Lageindikator der Industriebetriebe. Insbesondere große Unternehmen berichten von besseren Geschäften, nicht zuletzt aufgrund steigender Exporte. So berichten zu Jahresbeginn 32 Prozent der Befragten von zunehmenden Ausfuhren, im Herbst waren es nur 18 Prozent. Etwas besser laufen auch die Geschäfte im Handel und Gastgewerbe. Allerdings bleiben die Lageindikatoren beider Branchen im negativen Bereich wie schon seit einem Jahr. Die Endverbraucher halten sich bei Anschaffungen weiterhin zurück. Geringfügig und auf weiterhin verhaltenem Niveau bessert sich die Geschäftslage der Dienstleister vor allem aufgrund leicht gestiegener geschäftlicher Aktivität bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern.
Indikator der Geschäftslage
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage in Prozentpunkten
So leiden die Industriegeschäfte in beiden Ländern; doch in Berlin fällt der Saldo von 29 auf 15 Zähler, in Brandenburg steigt er – wenn auch nur von null auf zwei Punkte. Die bundesweite Industriekrise verschont auch die Region nicht, wobei Bereiche wie die Pharma- und Chemieindustrie besser laufen als Automotive. Im Baugewerbe folgt der kurzen Herbstbelebung der Winter-Blues, der aufgrund der weiterhin angespannten Nachfragesituation deutlich heftiger ausfällt als früher. Wohnungs- und Gewerbebau dümpeln vor sich hin. Impulse setzt der Tiefbau, der stark öffentlich geprägt ist.
Die Handelskonjunktur lässt jegliche Dynamik vermissen. In beiden Ländern berichten mehr Händler von schlechten als von guten Geschäften. Der Handel leidet unter der sich verfestigenden Konsum-Unlust, in einigen Regionen Brandenburgs auch unter der demografischen Entwicklung. Zumindest erstere dürfte sich ändern, wenn sich die wirtschaftlichen Aussichten wieder aufhellen.
Ähnlich betroffen vom zögerlichen Privatkonsum zeigt sich die Geschäftslage im Gastgewerbe: Die Branche steht in beiden Ländern deutlich schlechter dar als im Herbst, ist weit entfernt von der Dynamik vor Corona und findet nicht zu alter Stärke zurück.
Allein das Dienstleistungsgewerbe beider Länder fungiert, wie schon so oft, als konjunktureller Anker der Region. 20 Punkte zählt der Geschäftslageindikator, deutlich mehr als in jeder anderen Branche.
Nicht zuletzt Finanz-, Versicherungs- und unternehmensnahe Dienstleister berichten von etwas besseren Geschäften als noch im Herbst.
Allein das Dienstleistungsgewerbe beider Länder fungiert, wie schon so oft, als konjunktureller Anker der Region. 20 Punkte zählt der Geschäftslageindikator, deutlich mehr als in jeder anderen Branche.
Nicht zuletzt Finanz-, Versicherungs- und unternehmensnahe Dienstleister berichten von etwas besseren Geschäften als noch im Herbst.
Ausbleibende Hoffnung
Die Erwartungen in der Berlin-Brandenburger Wirtschaft bleiben so skeptisch wie schon im Herbst. Der sich aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen errechnende Indikator verharrt bei einem Wert von minus vier Punkten. Die Aussichten in Berlin trüben sich etwas ein, der Indikator sinkt von sechs auf drei Zähler. in Brandenburg steigt er dagegen leicht, jedoch innerhalb des negativen Bereiches, von minus 18 auf minus 15 Punkte. Mit einer höheren geschäftlichen Dynamik in den kommenden Monaten ist also nicht zu rechnen.
Die insgesamt etwas zuversichtlichere Erwartungshaltung in Brandenburg ist allein auf das weniger pessimistische Gastgewerbe zurückzuführen. Dessen Erwartungsindikator steigt von minus 29 auf minus zehn Punkte. Immerhin sind die Aussichten nicht mehr so schlecht wie vor einem Jahr, als der Index minus 36 Punkte zählte. Ein wirklich hoffnungsvoll stimmendes Bild will sich aber auch hier weiterhin nicht einstellen. Die Geschäftsaussichten der übrigen Branchen im Bundesland verändern sich im Vergleich zum Herbst nicht. Weiterhin überwiegen die pessimistischen Erwartungen und lösen sich nicht vom niedrigen Niveau der Vorumfrage.
In Berlin hingegen sind drei von fünf Branchen moderat zuversichtlicher gestimmt als im Herbst, wenn auch auf sehr unterschiedlichem Niveau. Im Baugewerbe überwiegen erstmals seit vier Jahren die optimistischen die pessimistischen Erwartungen. In der Industrie wendet sich der Erwartungsindikator erstmals seit einem Jahr ins Positive. Weniger Pessimismus, aber noch keine Zuversicht verheißen die zwar besseren, aber weiterhin überwiegend skeptischen Erwartungen im Gastgewerbe. In der größten Branche Berlins, dem Dienstleistungsgewerbe, trüben sich die Erwartungen jedoch nach einem kurzen Zwischenhoch im Herbst bereits wieder ein. Und im Handel stürzt der Erwartungsindikator sogar um sieben Punkte auf minus drei Zähler ab.
Indikator der Geschäftserwartungen
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der erwarteten Geschäftslage in Prozentpunkten
Die komplette Auswertung der Konjunkturumfrage Berlin-Brandenburg lesen Sie im Konjunkturbericht für den Jahresbeginn 2026 (Download im rechten Bereich).
Eine Auswertung für Südbrandenburg finden Sie im Artikel zur Konjunkturumfrage Südbrandenburg.