„Das Net Zero Valley ist unsere letzte industrielle Chance.“
Der Bescheid ist da. Mit der offiziellen Ausweisung als erstes Net Zero Valley Europas Ende des vergangenen Jahres rückt die Lausitz ins Zentrum der europäischen Industriepolitik. Was politisch als Meilenstein gefeiert wird, ist für die Wirtschaft vor allem eines: ein Testfall. Denn jetzt entscheidet sich, ob aus einem starken Signal tatsächlich neue industrielle Wertschöpfung entsteht – oder ob es bei der Symbolik bleibt.
Das Net Zero Valley verspricht beschleunigte Genehmigungen, bessere Förderzugänge und einen klaren Fokus auf Schlüsseltechnologien wie Batterien, Wasserstoff, Netze und Power-to-X. Für Unternehmen bedeutet das: kürzere Wege, geringere Risiken, schnellere Markteinführung. Für die Region bedeutet es die Chance, den Strukturwandel nicht nur zu moderieren, sondern aktiv zu gestalten.
Das Net Zero Valley verspricht beschleunigte Genehmigungen, bessere Förderzugänge und einen klaren Fokus auf Schlüsseltechnologien wie Batterien, Wasserstoff, Netze und Power-to-X. Für Unternehmen bedeutet das: kürzere Wege, geringere Risiken, schnellere Markteinführung. Für die Region bedeutet es die Chance, den Strukturwandel nicht nur zu moderieren, sondern aktiv zu gestalten.
Gleichzeitig herrscht ungewöhnlich viel Einigkeit darüber, dass die Ausweisung allein nicht reicht. Mehrere Stimmen aus Kommunen, Ländern, Bund und Europa sprechen offen von einem Etappensieg – und davon, dass jetzt Geschwindigkeit, Umsetzungskraft und ein neues Verständnis von Verwaltung gefragt sind.
Im Zentrum steht nun die Frage: Kann die Lausitz liefern – schneller, pragmatischer und verlässlicher als andere Regionen in Europa?
Dr. Markus Niggemann, einer der zentralen Köpfe des Projekts, spricht von industrieller Wertschöpfung für Jahrzehnte. Im Interview erklärt er, was Unternehmen konkret erwarten können, wo die größten Bremsklötze liegen – und woran das Net Zero Valley scheitern könnte, wenn jetzt nicht konsequent nachgesteuert wird. Er ist Beigeordneter der Stadt Cottbus und verantwortet den Geschäftsbereich Finanzmanagement, Wirtschaftsentwicklung und Soziales. Er ist seit 2024 federführend bei der Entwicklung und Beantragung des Net Zero Valley Lausitz beteiligt.
Im Gespräch nimmt er zu den Chancen und Risiken des europaweiten Pilotprojekts Stellung.
Im Zentrum steht nun die Frage: Kann die Lausitz liefern – schneller, pragmatischer und verlässlicher als andere Regionen in Europa?
Dr. Markus Niggemann, Beigeordneter der Stadt Cottbus und verantwortlich für den Geschäftsbereich Finanzmanagement, Wirtschaftsentwicklung und Soziales.
Im Gespräch nimmt er zu den Chancen und Risiken des europaweiten Pilotprojekts Stellung.
Herr Niggemann, die EU hat grünes Licht gegeben und die Lausitz ist seit dem 16-12-2025 offiziell erstes Net Zero Valley Europas– was verändert sich dann unmittelbar für die Unternehmen in der Region?
Der Ausweisungsbeschluss ist ein wichtiger Meilenstein, aber er ist noch nicht das Ziel. Die unmittelbaren Effekte sind begrenzt – die große Hebelwirkung kommt erst, wenn weitere rechtliche und förderpolitische Schritte umgesetzt sind.
Unmittelbar greifen jedoch schon heute die Regelungen aus der Bund-Länder-Vereinbarung zur Umsetzung des Net Zero Industry Act in deutsches Recht. Konkret heißt das:
Unmittelbar greifen jedoch schon heute die Regelungen aus der Bund-Länder-Vereinbarung zur Umsetzung des Net Zero Industry Act in deutsches Recht. Konkret heißt das:
- Unternehmen, die zu den ausgewählten Netto-Null-Technologien bzw. deren Wertschöpfungsketten gehören, bekommen einen Single Point of Contact – also einen zentralen Ansprechpartner für alle Genehmigungen, die sie für eine Ansiedlung brauchen.
- Ihre Vorhaben müssen von allen Genehmigungsbehörden prioritär bearbeitet werden, also nicht mehr streng chronologisch.
- Behörden können und sollen bei Abwägungsentscheidungen mit dem übergeordneten öffentlichen Interesse an solchen Ansiedlungen argumentieren.
Wichtig ist außerdem: Für das Valley wurde eine strategische Umweltprüfung erstellt. Die ist zwingende Voraussetzung für den Ausweisungsbeschluss und ermöglicht, dass bei konkreten Ansiedlungsanfragen Umweltverträglichkeitsprüfungen verkürzt ablaufen können, weil bestimmte Prüfungen bereits vorgezogen wurden. Das ist alles gut und macht Investitionen attraktiver.
Welche konkreten Vorteile, aber auch Pflichten ergeben sich daraus für Unternehmen, die im Net Zero Valley investieren oder produzieren wollen?
Zusätzliche Pflichten gibt es nur für die Verwaltungen – nicht für die Unternehmen. Kein Unternehmen hat Nachteile, wenn es im Valley tätig ist.
Die Vorteile sind klar: Wer mit seinem Vorhaben zu einer der ausgewählten Netto-Null-Technologien oder deren Wertschöpfungsketten gehört, kommt schneller zu Genehmigungen bzw. bekommt überhaupt Genehmigungen, die sonst vielleicht an Abwägungsfragen scheitern würden und hat weniger Aufwand, weil sich jemand zentral um alle Verfahren kümmert.
Streng genommen profitieren zunächst nur relativ wenige Unternehmen unmittelbar – eben diejenigen, die in diesen Technologiefeldern unterwegs sind. Unsere Hoffnung ist aber:
Die Vorteile sind klar: Wer mit seinem Vorhaben zu einer der ausgewählten Netto-Null-Technologien oder deren Wertschöpfungsketten gehört, kommt schneller zu Genehmigungen bzw. bekommt überhaupt Genehmigungen, die sonst vielleicht an Abwägungsfragen scheitern würden und hat weniger Aufwand, weil sich jemand zentral um alle Verfahren kümmert.
Streng genommen profitieren zunächst nur relativ wenige Unternehmen unmittelbar – eben diejenigen, die in diesen Technologiefeldern unterwegs sind. Unsere Hoffnung ist aber:
- Mittelbare Effekte – neue Ansiedlungen, neue Produktionsstätten, neue Industrie in der Region schaffen Nachfrage nach Zulieferern und Dienstleistungen. Davon profitieren insbesondere kleine und mittlere Unternehmen.
- Übertragbare Regelungen – rechtliche Vereinfachungen in Form von Bürokratieabbau - die im Valley erprobt werden, können perspektivisch ausgerollt werden und dann mehr Unternehmen zugutekommen.
- Die angestrebte Digitalisierung der Verwaltungen in Net Zero Valleys – auch unter Nutzung von künstlicher Intelligenz – wird auch unmittelbar allen anderen Unternehmen nutzen. Wenn wir Behörden, Prozesse und Strukturen insgesamt digitaler und effizienter machen, profitieren am Ende natürlich auch Unternehmen außerhalb der Valley-Flächen – einfach, weil die Verwaltungen schneller arbeiten.
Ein häufiges Vorurteil lautet: Am Ende profitieren nur große Investoren und Konzerne. Wie stellen Sie sicher, dass auch der Mittelstand und kleinere Unternehmen ihren Anteil haben?
Ich teile diese Befürchtung so nicht. Wir reden über hochinnovative Technologien, in denen es viele neue Gründungen gibt – Start-ups, Ausgründungen, forschungsnahe Unternehmen. Das ist kein Thema, das nur Großkonzerne angeht.
Aber wir brauchen auch wieder große industrielle Ankerpunkte. Wir haben in der Region einige große Arbeitgeber verloren – man denke allein an die Glasbranche. Es reicht nicht, nur auf LEAG und BASF zu schauen. Große industrielle Kerne sind wichtig, damit sich darum herum Wertschöpfung und Dienstleistungen ansiedeln können.
Und außerdem: Wir wollen gezielt herausfinden, was das Net Zero Valley für die regionale Wirtschaft konkret leisten kann und soll. Der Beirat hat gerade beschlossen, eine Unternehmensbefragung zu starten, um genau das herauszuarbeiten. Wir wollen die Unternehmen nicht belehren, sondern ihre Perspektiven einsammeln.
Es gibt elf ausgewählte Industrieflächen. Ist das Valley nur auf diese Flächen beschränkt?
Die formale Gebietskulisse des Net Zero Valley bezieht sich tatsächlich auf elf ausgewiesene Industrieareale in der brandenburgischen und sächsischen Lausitz – insgesamt über 800 Hektar und 1000 Hektar Potentialfläche. Manchedieser Flächen sind kommunal, andere nicht, wie etwa das Green Areal Lausitz (GRAL).
Der Schwerpunkt liegt auf diesen Flächen, weil es um Time-to-Market geht. Im globalen Wettbewerb bei diesen Technologien zählt Geschwindigkeit. Wir müssen so schnell sein wie China oder Nordamerika – zumindest annähernd. Dafür brauchen wir Flächen, die planungsrechtlich weit entwickelt oder fertig sind und auf denen Genehmigungen schnell möglich sind.
Wir planen zudem, im Jahresverlauf 2026 für weitere Flächen in der Lausitz die Aufnahme in die Net Zero Valley Kulisse aufzunehmen. Das Flächenangebot wird also wachsen.
Der Schwerpunkt liegt auf diesen Flächen, weil es um Time-to-Market geht. Im globalen Wettbewerb bei diesen Technologien zählt Geschwindigkeit. Wir müssen so schnell sein wie China oder Nordamerika – zumindest annähernd. Dafür brauchen wir Flächen, die planungsrechtlich weit entwickelt oder fertig sind und auf denen Genehmigungen schnell möglich sind.
Wir planen zudem, im Jahresverlauf 2026 für weitere Flächen in der Lausitz die Aufnahme in die Net Zero Valley Kulisse aufzunehmen. Das Flächenangebot wird also wachsen.
Was heißt „schnell“ ganz konkret? Wie realistisch ist es, dass ein Unternehmen in der Lausitz in wenigen Monaten zu einer baureifen Fläche und genehmigten Projekten kommt?
Unser Ziel ist es, Genehmigungen für Industrieansiedlungen in unter einem Jahr – idealerweise in 6 Monaten – erteilen zu können.. Und ich halte das durchaus für realistisch – wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen und wir gutes Projektmanagement machen.
Wir haben in Brandenburg, speziell in Cottbus mit dem Bahnwerk, schon gezeigt, dass es geht: Dort waren wir ohne zusätzliche rechtliche Erleichterungen schon sehr schnell. Mit den geplanten Vereinfachungen und klarer Priorisierung muss es noch schneller gehen.
Die ausgewählten Flächen im Valley sind alle entweder voll entwickelt oder kurz vor Abschluss, sowohl planungsrechtlich als auch bei der Erschließung.
Dazu kommen Landkreise und Behörden, die hoch motiviert sind und den Investoren sprichwörtlich den roten Teppich ausrollen wollen – und formal verpflichtet sind, Anträge prioritär zu bearbeiten. Die Rahmenbedingungen sind also sehr gut.
Wir haben in Brandenburg, speziell in Cottbus mit dem Bahnwerk, schon gezeigt, dass es geht: Dort waren wir ohne zusätzliche rechtliche Erleichterungen schon sehr schnell. Mit den geplanten Vereinfachungen und klarer Priorisierung muss es noch schneller gehen.
Die ausgewählten Flächen im Valley sind alle entweder voll entwickelt oder kurz vor Abschluss, sowohl planungsrechtlich als auch bei der Erschließung.
Dazu kommen Landkreise und Behörden, die hoch motiviert sind und den Investoren sprichwörtlich den roten Teppich ausrollen wollen – und formal verpflichtet sind, Anträge prioritär zu bearbeiten. Die Rahmenbedingungen sind also sehr gut.
Allerortens wird eine Fachkräftekrise diskutiert. Angenommen, alles läuft gut, Investoren kommen, Betriebe wachsen – wie verhindern Sie, dass am Ende Projekte scheitern, weil die Fachkräfte fehlen?
Zunächst einmal: Der Net Zero Industry Act adressiert das Thema Fachkräfte ausdrücklich. Diese Technologien sind sehr anspruchsvoll, klassische Ausbildungsprofile passen oft nicht. Deshalb ist eine Säule die Net Zero Valley Akademie – weniger als eigenes Gebäude zu verstehen, sondern als europäische Entwicklung von Curricula für Aus- und Weiterbildung für hochinnovative Net Zero Technologien.
Daneben passiert in der Region schon heute viel: In Cottbus steigen die Mieten deutlich – ein Zeichen, dass mehr Menschen kommen.
Es entstehen Ausbildungs- und Schulungszentren in der Lausitz, etwa in Schwarze Pumpe, Schwarzheide, Cottbus und Großräschen. Wir haben in der Lausitz mehrere Welcome Center und neue Wohnangebote für Studierende und Fachkräfte.
Ein riesiges, oft unterschätztes Potenzial sind die Studierenden an der BTU: In den Masterstudiengängen sind mehr als die Hälfte der Studierenden aus dem Ausland. Viele sind hochqualifiziert, bleiben aber nicht, weil wir sie nicht genug binden – sprachlich, sozial, beruflich. Das müssen wir ändern.
Und wir dürfen nicht vergessen: In Brandenburg gibt es in anderen Regionen Tausende Arbeitslose. Wenn die Lausitz attraktive Jobs, gute Löhne und vernünftige Rahmenbedingungen bietet, können wir auch dort Potenziale heben. Perfekt gelöst ist das Thema nicht – aber es passiert deutlich mehr, als von außen oft wahrgenommen wird.
Daneben passiert in der Region schon heute viel: In Cottbus steigen die Mieten deutlich – ein Zeichen, dass mehr Menschen kommen.
Es entstehen Ausbildungs- und Schulungszentren in der Lausitz, etwa in Schwarze Pumpe, Schwarzheide, Cottbus und Großräschen. Wir haben in der Lausitz mehrere Welcome Center und neue Wohnangebote für Studierende und Fachkräfte.
Ein riesiges, oft unterschätztes Potenzial sind die Studierenden an der BTU: In den Masterstudiengängen sind mehr als die Hälfte der Studierenden aus dem Ausland. Viele sind hochqualifiziert, bleiben aber nicht, weil wir sie nicht genug binden – sprachlich, sozial, beruflich. Das müssen wir ändern.
Und wir dürfen nicht vergessen: In Brandenburg gibt es in anderen Regionen Tausende Arbeitslose. Wenn die Lausitz attraktive Jobs, gute Löhne und vernünftige Rahmenbedingungen bietet, können wir auch dort Potenziale heben. Perfekt gelöst ist das Thema nicht – aber es passiert deutlich mehr, als von außen oft wahrgenommen wird.
Welche speziellen Förderbedingungen sind für das Net Zero Valley geplant – und was ist davon schon Realität?
Im Net Zero Industry Act steht, dass der Zugang zu Fördermitteln vereinfacht, Fördertöpfe flexibler kombiniert, höchstmögliche Förderquoten gewährte und die Mitgliedstaaten zu flankierenden Maßnahmen verpflichtet werden sollen – speziell für Net Zero Valleys.
Stand heute ist das noch nicht ausgestaltet. Wir sind mit EU und dem Bund im Gespräch: Wie können bestehende Programme flexibler genutzt werden und wo braucht es neue Instrumente für Netto-Null-Technologien?
Stand heute ist das noch nicht ausgestaltet. Wir sind mit EU und dem Bund im Gespräch: Wie können bestehende Programme flexibler genutzt werden und wo braucht es neue Instrumente für Netto-Null-Technologien?
Man muss ehrlich sagen: Wenn die Lausitz das erste Net Zero Valley Europas ist, dann ist das de facto ein Pilotprojekt und Testfeld. Viele Instrumente werden gerade erst entwickelt. Es gibt sogar EU-Stellen, die formal für uns zuständig sind, aber selbst noch keine fertigen Prozesse haben. Der Nachteil des First Movers ist, viele Dinge erst entwickeln zu müssen. Der Vorteil ist, dass wir so bei der Entwicklung auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene die Lausitzer Perspektive und die Bedürfnisse unserer Region adressieren können – und gehört werden.
Der 16. Dezember – der Ausweisungsbeschluss – war deshalb ein enorm wichtiger Meilenstein. Aber er ist nicht das Ende, sondern eher der Startschuss.
Woran könnte das Projekt scheitern – oder zumindest hinter den Erwartungen zurückbleiben?
Die größte Unbekannte ist die politische Umsetzung:
Wie konsequent werden die Vorgaben des Net Zero Industry Act in deutsches Recht überführt?
Wie mutig werden Bürokratieabbau und vereinfachte Verfahren wirklich angegangen – auf EU-, Bundes- und Landesebene?
Wenn am Ende nur das umgesetzt wird, was heute bereits beschlossen ist, dann ist das zwar „nett“, aber nicht das, was wir brauchen, um wirklich international beim Standortwettbewerb mitzuhalten.
Dazu kommt ein zweites Risiko: Erwartungsmanagement. Seit anderthalb Jahren sind wir in der Region unterwegs – auf Messen, Unternehmerstammtischen, bei Verbänden, Konferenzen und vielen weiteren Formaten. Wir erklären Vorteile und Chancen des Net Zero Valleys. Wenn dann am Ende deutlich weniger herauskommt, als wir erhofft haben, beschädigt das Vertrauen – nach dem Motto: „War ja klar, wieder viel versprochen.“ Das wollen wir unbedingt vermeiden.
Unser Ziel ist, eineneinen echter Game Changer für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Regionzu schaffen, nicht nur zwei, drei neue Ansiedlungen.
Wie konsequent werden die Vorgaben des Net Zero Industry Act in deutsches Recht überführt?
Wie mutig werden Bürokratieabbau und vereinfachte Verfahren wirklich angegangen – auf EU-, Bundes- und Landesebene?
Wenn am Ende nur das umgesetzt wird, was heute bereits beschlossen ist, dann ist das zwar „nett“, aber nicht das, was wir brauchen, um wirklich international beim Standortwettbewerb mitzuhalten.
Dazu kommt ein zweites Risiko: Erwartungsmanagement. Seit anderthalb Jahren sind wir in der Region unterwegs – auf Messen, Unternehmerstammtischen, bei Verbänden, Konferenzen und vielen weiteren Formaten. Wir erklären Vorteile und Chancen des Net Zero Valleys. Wenn dann am Ende deutlich weniger herauskommt, als wir erhofft haben, beschädigt das Vertrauen – nach dem Motto: „War ja klar, wieder viel versprochen.“ Das wollen wir unbedingt vermeiden.
Unser Ziel ist, eineneinen echter Game Changer für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Regionzu schaffen, nicht nur zwei, drei neue Ansiedlungen.
Gibt es Sicherungsmechanismen, falls einzelne Bausteine auf EU- oder Bundesebene doch nicht wie geplant umgesetzt werden? Oder hängen Unternehmen dann im luftleeren Raum?
Strenggenommen: Nein, es gibt keine Garantie im juristischen Sinne. Für laufende oder bereits getätigte Investitionen sehe ich jedoch kein Risiko, dass sie „ins Leere fallen“.
Man muss aber sehen, wo der Hauptvorteil des Valleys liegt: in den schnellen Genehmigungsprozessen. Die wirken in der Phase, in der ein Unternehmen plant und entscheidet, ob es investiert. Wenn die Prozesse funktionieren, hat das Unternehmen seinen Nutzen genau in dieser kritischen Phase.
Andere Bausteine – flexiblere Fördermittel, Net Zero Akademie, allgemeiner Bürokratieabbau – sind wichtig, aber nicht ganz so entscheidend wie diese ersten Monate des Investitionsprozesses. Die Gefahr, dass eine Fabrik gebaut ist und „danach“ plötzlich die Valley-Vorteile wegfallen, sehe ich deshalb nicht.
Andere Bausteine – flexiblere Fördermittel, Net Zero Akademie, allgemeiner Bürokratieabbau – sind wichtig, aber nicht ganz so entscheidend wie diese ersten Monate des Investitionsprozesses. Die Gefahr, dass eine Fabrik gebaut ist und „danach“ plötzlich die Valley-Vorteile wegfallen, sehe ich deshalb nicht.
Ab wann wird man aus Ihrer Sicht messbare Erfolge sehen – und ab wann „rechnet sich“ das Projekt für die Region?
Teils ist das schwer zu beziffern – teils kann ich eine klare Aussage treffen. Aus meiner Sicht hat sich das Projekt schon jetzt gelohnt. Mit relativ wenig Ressourcen haben wir eine immense internationale Aufmerksamkeit auf die Lausitz gelenkt. Auf Messen, Konferenzen, in Delegationen – überall ist das Net Zero Valley ein Thema. Die Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg und die Bundesgesellschaft GTAI berichten uns, dass sie international mit genau dieser Frage angesprochen werden: „Ihr seid doch da, wo das erste Net Zero Valley entsteht?“
Das ist zunächst ein starker Marketingeffekt, aber einer mit Substanz: Wir haben bereits konkrete Unternehmensanfragen, bei denen das Valley der ausschlaggebende Grund ist, sich für die Lausitz zu interessieren – teilweise sogar für Standorte, die formal keine Valley-Flächen sind, weil die Unternehmen davon ausgehen, trotzdem vom „Valley-Strudel“ zu profitieren.
Zufrieden bin ich aber erst, wenn wir hier ein echtes Cluster aufgebaut haben: mit Forschung, Entwicklung, Produktion, Wertschöpfung – so, dass sich die Lausitz auch nach 2038 wirtschaftlich trägt und nicht mehr von Fördermitteln abhängig ist.
Das ist zunächst ein starker Marketingeffekt, aber einer mit Substanz: Wir haben bereits konkrete Unternehmensanfragen, bei denen das Valley der ausschlaggebende Grund ist, sich für die Lausitz zu interessieren – teilweise sogar für Standorte, die formal keine Valley-Flächen sind, weil die Unternehmen davon ausgehen, trotzdem vom „Valley-Strudel“ zu profitieren.
Zufrieden bin ich aber erst, wenn wir hier ein echtes Cluster aufgebaut haben: mit Forschung, Entwicklung, Produktion, Wertschöpfung – so, dass sich die Lausitz auch nach 2038 wirtschaftlich trägt und nicht mehr von Fördermitteln abhängig ist.
Was erwarten Sie von der regionalen Wirtschaft – gerade vom Mittelstand?
Mein größter Wunsch ist: dass das Projekt positiv begleitet und unterstützt wird – auch dann, wenn man nicht direkt Teil der Wertschöpfungskette einer Netto-Null-Technologie ist. Nur wenn wir in der Region geschlossen auftreten, haben wir politischen Einfluss in Potsdam, Dresden, Berlin und Brüssel. Wenn vor Ort alles schlechtgeredet wird, finden wir dort kein Gehör mehr.
Ich erlebe aber, dass viele Unternehmer, die sich mit dem Thema befasst haben, die Chancen sehen – sei es durch schnellere Verwaltungsprozesse, bessere Rahmenbedingungen oder eine insgesamt stärkere wirtschaftliche Entwicklung.
Was wir uns zusätzlich wünschen, ist Vertrauen in das Valley und in unsere Arbeit. Dieses Projekt zeigt, dass Kommunen und Wirtschaftskammern gemeinsam schnell und agil arbeiten können. Alles, was wir hier tun – inklusive Öffentlichkeitsarbeit – läuft nebenbei. Niemand ist hauptamtlich „Net Zero Valley-Beauftragter“. Trotzdem haben wir in kurzer Zeit sehr viel auf die Beine gestellt. Wenn wir mit einer „STARK“-Förderung eine Geschäftsstelle und Budget bekommen, können wir das deutlich strukturierter aufsetzen. Der Antrag ist gestellt.
Ich erlebe aber, dass viele Unternehmer, die sich mit dem Thema befasst haben, die Chancen sehen – sei es durch schnellere Verwaltungsprozesse, bessere Rahmenbedingungen oder eine insgesamt stärkere wirtschaftliche Entwicklung.
Was wir uns zusätzlich wünschen, ist Vertrauen in das Valley und in unsere Arbeit. Dieses Projekt zeigt, dass Kommunen und Wirtschaftskammern gemeinsam schnell und agil arbeiten können. Alles, was wir hier tun – inklusive Öffentlichkeitsarbeit – läuft nebenbei. Niemand ist hauptamtlich „Net Zero Valley-Beauftragter“. Trotzdem haben wir in kurzer Zeit sehr viel auf die Beine gestellt. Wenn wir mit einer „STARK“-Förderung eine Geschäftsstelle und Budget bekommen, können wir das deutlich strukturierter aufsetzen. Der Antrag ist gestellt.
Sie sprachen von Öffentlichkeitsarbeit - ein wichtiges Thema: Der Begriff „Net Zero Valley“ ist sperrig, die Inhalte sind komplex. Ist das Projekt in der breiten Öffentlichkeit überhaupt vermittelbar?
Net Zero Valley ist schwer in einem Satz zu erklären. Und was man nicht in einem Satz erklären kann, ist schwer zu kommunizieren – das stimmt. Im Moment konzentrieren wir uns bewusst auf Kommunikation innerhalb der Unternehmerschaft. Es ist ein wirtschaftspolitisches Projekt, kein Stadtfest-Motto. Wir sprechen bei Unternehmerstammtischen, in Gremien, auf Messen, über Kammern, Gewerkschaften und Netzwerke. Da ist schon sehr viel passiert.
Die breite Bürgerschaft wird bisher nur indirekt erreicht. Das ist uns bewusst – und deshalb ist im STARK-Antrag ein Baustein für eine deutlich stärkere Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen. Dafür brauchen wir aber Ressourcen.
Gleichzeitig ist klar: Ohne bessere Kommunikation entstehen Deutungsräume. Dann wird das Thema entweder mit „Energiewende“ verwechselt oder politisch instrumentalisiert. Langfristig müssen wir auch hier besser werden – aber der erste Fokus liegt auf den Unternehmen, die investieren und Jobs schaffen.
Die breite Bürgerschaft wird bisher nur indirekt erreicht. Das ist uns bewusst – und deshalb ist im STARK-Antrag ein Baustein für eine deutlich stärkere Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen. Dafür brauchen wir aber Ressourcen.
Gleichzeitig ist klar: Ohne bessere Kommunikation entstehen Deutungsräume. Dann wird das Thema entweder mit „Energiewende“ verwechselt oder politisch instrumentalisiert. Langfristig müssen wir auch hier besser werden – aber der erste Fokus liegt auf den Unternehmen, die investieren und Jobs schaffen.
Wie ist die Steuerung des Projekts organisiert? Wer entscheidet am Ende – und welche Rolle spielt die geplante Geschäftsstelle?
Wir haben das Projekt bewusst mittlerweile institutionalisiert: Der Steuerungskreis ist paritätisch besetzt: Brandenburg/Sachsen, Wirtschaft/Verwaltung, IHK/Handwerkskammern, Landkreise (inkl. Cottbus) und Lausitzrunde (kreisangehörige Städte und Gemeinden). Er hat die politische Legitimation, für die Region zu sprechen und strategische Entscheidungen zu treffen: Technologien, Positionierungen, Prioritäten.
Der Beirat ist mit Unternehmen, Wissenschaft, Verbänden, Gewerkschaften besetzt. Er bringt Expertise ein, gibt Empfehlungen und spiegelt die Sicht der Praxis. Die Geschäftsstelle, die wir derzeit über STARK beantragt haben, soll mit Büros in Görlitz und Cottbus Dienstleister für beide Gremien sein. Sie soll auch als Erstkontakt für Unternehmen, die sich zum Net Zero Valley erkundigen oder klären wollen, ob ihr Unternehmen zu einer Wertschöpfungskette des Valleys gehört. Sie sollzudem Öffentlichkeitsarbeit, Gremienarbeit, wissenschaftliche Begleitforschung unterstützen und Prozesse koordinieren.
Der Beirat ist mit Unternehmen, Wissenschaft, Verbänden, Gewerkschaften besetzt. Er bringt Expertise ein, gibt Empfehlungen und spiegelt die Sicht der Praxis. Die Geschäftsstelle, die wir derzeit über STARK beantragt haben, soll mit Büros in Görlitz und Cottbus Dienstleister für beide Gremien sein. Sie soll auch als Erstkontakt für Unternehmen, die sich zum Net Zero Valley erkundigen oder klären wollen, ob ihr Unternehmen zu einer Wertschöpfungskette des Valleys gehört. Sie sollzudem Öffentlichkeitsarbeit, Gremienarbeit, wissenschaftliche Begleitforschung unterstützen und Prozesse koordinieren.
Sie sind als Beigeordneter für Wirtschaft im Cottbuser Rathaus ohnehin stark ausgelastet. Warum bürden Sie sich noch das Projekt Net Zero Valley auf?
Weil ich überzeugt bin, dass das Net Zero Valley die größte Chance ist, die wir derzeit haben.
Wir haben in der Lausitz eine einmalige Kombination: Forschungsvorhaben, die genau in den Netto-Null-Bereich passen, Industrieareale, die mit Strukturmitteln entwickelt werden, freie Netzkapazitäten durch den Kohleausstieg, das Selbstverständnis als Energie- und Industrieregion, besondere Fördermöglichkeiten im Strukturwandel.
All das lässt sich im Rahmen des Net Zero Valley bündeln und erfolgreich hebeln. Wenn wir es schaffen, hier das erste Valley Europas aufzubauen, entsteht ein Cluster mit Wertschöpfung für Jahrzehnte.
Ich bin als Wirtschaftsbeigeordneter für Cottbus angetreten, um die wirtschaftliche Entwicklung dieser Stadt und der Region voranzubringen. Genau dafür ist dieses Projekt geschaffen. Und weil wir First Mover sind, haben wir jetzt die Chance, Regeln und Rahmenbedingungen mitzugestalten – statt sie nur umzusetzen. Diese Chance müssen wir gemeinsam nutzen.
Wir haben in der Lausitz eine einmalige Kombination: Forschungsvorhaben, die genau in den Netto-Null-Bereich passen, Industrieareale, die mit Strukturmitteln entwickelt werden, freie Netzkapazitäten durch den Kohleausstieg, das Selbstverständnis als Energie- und Industrieregion, besondere Fördermöglichkeiten im Strukturwandel.
All das lässt sich im Rahmen des Net Zero Valley bündeln und erfolgreich hebeln. Wenn wir es schaffen, hier das erste Valley Europas aufzubauen, entsteht ein Cluster mit Wertschöpfung für Jahrzehnte.
Ich bin als Wirtschaftsbeigeordneter für Cottbus angetreten, um die wirtschaftliche Entwicklung dieser Stadt und der Region voranzubringen. Genau dafür ist dieses Projekt geschaffen. Und weil wir First Mover sind, haben wir jetzt die Chance, Regeln und Rahmenbedingungen mitzugestalten – statt sie nur umzusetzen. Diese Chance müssen wir gemeinsam nutzen.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Das Interview mit Dr. Markus Niggemann für das FORUM 1-2|2026 führte Jörg Tudyka