Wir wollen, dass die Lausitz weltweit erlebbar wird
Vier Jahre Lausitz Investor Center – wie erfolgreich ist die länderübergreifende Wirtschaftsförderung?
Die Lausitz ist nicht mehr nur ein Fördertitel, sondern eine Wirtschaftsmarke. Mit dem Lausitz Investor Center (LIC) bündeln Brandenburg und Sachsen ihre Standortkräfte – ein in Deutschland einzigartiger Schritt, um die Region als einheitlichen Investitionsraum sichtbar zu machen.
Die Lausitz ist nicht mehr nur ein Fördertitel, sondern eine Wirtschaftsmarke. Mit dem Lausitz Investor Center (LIC) bündeln Brandenburg und Sachsen ihre Standortkräfte – ein in Deutschland einzigartiger Schritt, um die Region als einheitlichen Investitionsraum sichtbar zu machen.
Thomas Horn (WfS): „Das Schlechteste wäre, die Lausitz in Ober- und Niederlausitz zu trennen. Die Welt versteht nur eines: eine Region, ein Angebot.“
Dr. Steffen Kammradt (WFBB): „Wir gehen die Extra-Meile – nicht für ein Land, sondern für die Lausitz.“
Dr. Steffen Kammradt (WFBB): „Wir gehen die Extra-Meile – nicht für ein Land, sondern für die Lausitz.“
Die beiden Chefs der sächischen und brandenburgischen Wirtschaftsfördergesellschaften, Thomas Horn (Wirtschaftsförderung Sachsen, WfS) und Dr. Steffen Kammradt (Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH/ WFBB), nutzten das Lausitzforum, um das LIC, seine Leistungen, Ergebnisse und Aussichten vorzustellen.
Ein gemeinsames Instrument für Struktur und Tempo
Das LIC ist der operative Arm dieser Idee: eine gemeinsame Einrichtung der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH und der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH, getragen vom Anspruch, Investoren länderübergreifend zu betreuen.
Von der Erstansprache über Standortsuche, Genehmigungsmanagement und Fördermittelberatung bis zur Nachbetreuung begleitet das Team Investoren durch alle Ebenen – in enger Zusammenarbeit mit Kommunen, Landkreisen und der Germany Trade & Invest.
Von der Erstansprache über Standortsuche, Genehmigungsmanagement und Fördermittelberatung bis zur Nachbetreuung begleitet das Team Investoren durch alle Ebenen – in enger Zusammenarbeit mit Kommunen, Landkreisen und der Germany Trade & Invest.
Steffen Kammradt: „Der erste Eindruck zählt: Wer hierherkommt, soll erleben, dass alle Ebenen an einem Strang ziehen.“
Was die Lausitz bietet
Die Region liegt auf den europäischen Hauptachsen – A13, A15, A4 – und an der Niederschlesien-Magistrale. Sie ist Energie- und Industriestandort mit bebaubaren Flächen, erfahrenen Genehmigungsbehörden und starker Infrastruktur. Das politische Bekenntnis ist eindeutig: Industrie ist erwünscht. Neue Gewerbegebiete, Kooperationen mit Hochschulen und Industriepartnerschaften untermauern das.
Thomas Horn: „Hier ist eine Region mit Potenzial – und mit dem Willen, Industrie zu halten und neu anzusiedeln.“
Werkzeuge der Vermarktung
In vier Jahren hat das LIC ein professionelles Set aus digitalen und realen Tools aufgebaut:
- Online-Plattform Lausitz-Invest (deutsch/englisch/polnisch) mit allen Standortprofilen und Flächen.
- Virtuelles Lausitz-Modell im Showroom Dock 3 (Industriepark Schwarze Pumpe): interaktive 3-D-Karte mit sämtlichen Standortdaten.
- VR-Präsentationen für internationale Roadshows – Investoren können die Lausitz virtuell erleben.
- Lausitz Investor Guide als Datenbank für Standortvergleich und Matching.
- Sprechtage, Delegationsprogramme und Social-Media-Kampagnen zur internationalen Ansprache.
Steffen Kammradt: „Wir wollen, dass die Lausitz weltweit erlebbar wird – real, digital und emotional.“
Erste sichtbare Ergebnisse
Unterstützt wurden in den vergangenen Jahren unter anderem BASF Schwarzheide mit der neuen Black-Mass-Anlage und begleitender Forschung, IDM Wärmepumpen in Bernsdorf (Sachsen) und SanMax, Spreewerk, Cervo Lausitz – Beispiele für neue oder erweiterte Produktion.
Solche Investitionen zeigen, dass die Lausitz sich zunehmend als Standort für Zukunftsindustrien positioniert.
Solche Investitionen zeigen, dass die Lausitz sich zunehmend als Standort für Zukunftsindustrien positioniert.
Zweite Förderperiode – Blick bis 2029
Seit Oktober 2024 läuft die zweite Förderphase. Das Ziel: die Lausitz international stärker positionieren, mehr Investoren ansprechen und das LIC als Kompetenzzentrum für Ansiedlung etablieren. Thomas Horn: „Vor der Hacke ist es hier nicht dunkel – wir sehen die Chancen und packen sie gemeinsam an.“ Sein brandenburgischer Kollege bestätigt: „Hier ist eine Region, da geht noch was.“
Finanzierung und Perspektive des Lausitz Investor Center
Das Lausitz Investor Center (LIC) wird über das Bundesprogramm STARK – Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren finanziert, das Teil der Strukturförderung für die Kohleregionen ist. Träger sind die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der beiden Lausitz-Länder – Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB) und Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WfS).
Datenbank, Vermarktung, Betreuung
Für die erste Förderphase (2021 – 2026) wurden rund 1,5 Millionen Euro Bundesmittel bewilligt. Damit werden der Aufbau des gemeinsamen Teams, die Entwicklung der Marketingplattform Lausitz-Invest, die Einrichtung der Regionalbüros und der Betrieb der Standortdatenbank finanziert. Die Förderung deckt zudem Maßnahmen der internationalen Vermarktung, Delegationsprogramme und die Betreuung von Investorenprojekten ab.
Gemeinsame Bundesförderung
Das LIC ist damit eines der ersten grenzüberschreitenden Strukturwandelprojekte, das nicht über Landesmittel, sondern über eine gemeinsame Bundesförderung getragen wird.Die laufende Förderperiode wurde Ende 2024 um weitere vier Jahre verlängert. Bis September 2029 soll das Center in eine zweite, verstärkte Umsetzungsphase gehen – mit dem Ziel, das bisher Erarbeitete zu verstetigen, die Investorenansprache zu intensivieren und das LIC perspektivisch als dauerhaftes Kompetenzzentrum für Ansiedlung und Standortentwicklung in der Lausitz zu etablieren.
Gemeinsame Folgestruktur
Langfristig ist vorgesehen, dass sich nach Auslaufen der Bundesförderung die Länder Sachsen und Brandenburg gemeinsam an einer Folgestruktur beteiligen – entweder als eigenständige Einheit oder als fest integrierte Aufgabe innerhalb der beiden Wirtschaftsfördergesellschaften.
Interview: Investoren brauchen Tempo und Verlässlichkeit
Philipp Ruta (WFBB) und Andreas Schwerin (WFS) über Ansiedlungen und Investitionen
Andreas Schwerin und Philipp Ruta vom Lausitz Investor Center.
Philipp Ruta von der brandenburgischen Wirtschaftsförderung WFBB und Andreas Schwerin von der sächsischen Gesellschaft WfS arbeiten im Lausitz Investor Center länderübergreifend zusammen – und das quasi Hand in Hand, pragmatisch, strikt orientiert auf ein gemeinsames Ziel, das auch nur länderübergreifend erreicht werden kann – die wirtschaftliche Entwicklung der Region durch Investoren von außen. Sie sind die beiden zentralen Ansprechpartner und Projektmanager für Investoren, die sich in der Lausitz ansiedeln oder dort erweitern wollen – das operative Herz des Lausitz Investor Center. „Forum“ sprach mit ihnen.
Was kann das LIC besser leisten als frühere Strukturen?
Ruta: Zwei Dinge - Spezialisierung und Grenzen überwinden. Wir setzen klare Branchenschwerpunkte – anfangs Green / Clean Tech, jetzt breiter auf transformative Technologien – und arbeiten als ein länderübergreifendes Team. Das ist in Deutschland einzigartig.
Schwerin: Und durchgängiger Service. Vom Erstkontakt über Standortsuche und Genehmigungs-Scoping bis zur Fördermittelabstimmung und Nachbetreuung. Der Investor ist nicht „einer von vielen“. Wir führen ihn durch alle Strukturen – und bleiben auch nach der Entscheidung dran.
Wie hat sich Ihre Arbeit seit dem Start verändert?
Schwerin: Anfangs stand der Aufbau im Vordergrund – Team, Material, Prozesse. Heute starten wir mit reifen Strukturen und können viel offensiver agieren.
Ruta: Zugleich waren es Krisenjahre – Pandemie, Krieg, Energiepreise. Das hat uns flexibler gemacht. Transformation betrifft längst nicht mehr nur die Kohle, sondern ganze Industrien.
Woran messen Sie Ihren Erfolg?
Ruta: An klassischen Kennzahlen wie alle Unternehmen: Leads, Projektbegleitungen, Investitionsvolumen, Arbeitsplätzen. Nicht alles ist öffentlich, Diskretion gehört dazu. Aber die Bilanz ist greifbar.
Schwerin: Sichtbar ist auch das gestiegene Interesse. Ohne Energiekrise und Finanzbremse hätten wir die Zahl positiver Investitionsentscheidungen vermutlich verdoppelt.
Welche Beispiele gibt es, die man bereits sehen kann?
Schwerin: IDM Wärmepumpen in Bernsdorf wurden von Erstkontakt bis Standortentscheidung begleitet, rund 50 Millionen Euro wurden investiert, 500 Arbeitsplätze sind entstanden.
Ruta: BASF Schwarzheide mit ihrer Black-Mass-Anlage – einschließlich F&E-Komponenten. Wir haben Genehmigungen und Förderlogik koordiniert und bleiben Teil des Ausbaus.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Kammern und Kommunen?
Ruta: Es gibt da eine klare Arbeitsteilung: Die Kammern betreuen Bestandsunternehmen, das LIC aktive Ansiedlungen. Und: nichts geht ohne die lokalen Wirtschaftsförderer.
Schwerin: Unsere Regionalbüros in Weißwasser und Cottbus verkürzen Wege. Heute werden wir gezielt eingebunden – auch bei Themen wie Gewerbegebietsentwicklung.
Was sind die größten Hürden für Investoren?
Schwerin: Ganz klar – die Genehmigungen. Die Verfahren dauern zu lang, Behörden sind oft unterbesetzt. Wir versuchen, über frühe Scoping-Runden zu beschleunigen, aber es braucht mehr Kapazität und Digitalisierung.
Ruta: Fachkräfte sind die zweite Hürde. Wobei die Lausitz hier vergleichsweise gute Bedingungen hat. Die Nähe zur BTU, aber auch der TH Wildau oder zu ostsächsischen Hochschule und damit verbunden auch die Lage zwischen Berlin und Dresden wie auch die Nähe zu Polen helfen. Aber die politische Unsicherheit, in Deutschland strategische Vorhaben zu planen, wird inzwischen offen von Investoren angesprochen. „Der Strukturwandel findet hier statt – die Märkte aber nicht. Unsere Produkte müssen europaweit bestehen. Das ist die Herausforderung.“
Sie sehen sich dennoch auf einem guten Weg. Wie sehen die Kommunikation ihres Engagements wie auch dem Ihrer Verbündeten – kommt das „draußen“ an?
Ruta: Gute Nachrichten haben es schwerer. Wir bespielen LinkedIn, nutzen klassische PR-Instrumente und zeigen bewusst auch Erfolge anderer, die auf die Marke Lausitz einzahlen. Entscheidend ist sicher Nutzen und Beispiele besser auf das Alltagsverständnis auch der KMUs und der Bürgerschaft herunterzubrechen.
Schwerin: Kommunikation ist dabei kein Arbeitsnachweis, sondern ebenfalls Teil des Standortmarketings – das muss zielgruppengenau, ehrlich, wiederholbar sein.
Welche Branchen sehen Sie vorn in der Lausitz?
Schwerin: Energie- und Kreislaufwirtschaft, Batterie- und Chemie-Wertschöpfung, digitale Produktion – alles mit Anschluss an Silicon Saxony.
Ruta: Wasserstoff und Batterien bleiben Kernthemen – nur die Zeitschiene war offensichtlich zu ambitioniert. Jetzt geht es um Tempo bei Erneuerbaren und verlässliche Rahmenbedingungen.
Erlauben Sie sich eine Vision- wie sieht die Ansiedlungslandschaft der Region in zehn Jahren aus?
Ruta: Eine große Batteriezellfertigung plus Zulieferökosystem, die Lausitz als Battery Valley Europe – aber diverser und deshalb widerstandsfähiger.
Schwerin: Und Akzeptanz als Standortfaktor. Wenn Tempo und Nutzen spürbar sind, kippt die Stimmung pro Entwicklung.
Schwerin: Und Akzeptanz als Standortfaktor. Wenn Tempo und Nutzen spürbar sind, kippt die Stimmung pro Entwicklung.
Ganz persönlich: Wann ist ein Arbeitstag für Sie gelungen?
Ruta: Wenn mal pünktlich Feierabend ist. (Beide lachen.)
Schwerin: Wenn ein schwieriges Thema für einen Investor durch mit Hilfe unseres Netzwerk und die Vermitttlung klarer Fakten lösbar wird.
Ruta: Wenn Team- und Ländergrenzen nicht spürbar gewesen sind. Denn unser Grundsatz heißt: „Lausitz zuerst.“
Fazit: Das Lausitz Investor Center ist mehr als ein Standortbüro: Es ist die gemeinsame Visitenkarte zweier Länder und ein Labor dafür, wie Strukturwandel praktisch funktioniert – mit Service, Tempo und Haltung.
Schwerin: „Investoren brauchen Tempo und Verlässlichkeit.“
Ruta: „Und eine Region, die an sich glaubt.“
Danke für das Gespräch, viel Erfolg für Ihre Arbeit weiterhin!
Das Gespräch führte Jörg Tudyka für das FORUM 1+2 | 2026