FORUM-BERICHT

Sunfire: Vom Labor in die Industrie

Mit dem Spatenstich am 19. August begann im Industriepark Lausitz in Schwarzheide der Bau einer Testanlage von Sunfire. Das Dresdner Unternehmen will dort seine Hochtemperatur-Elektrolyse (SOEC) unter realen industriellen Bedingungen erproben. Für die Lausitz ist es ein Zeichen des Strukturwandels.

15 Jahre Entwicklung im Praxistest

Die Anlage übernimmt für Sunfire eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur breiten industriellen Nutzung.
„Hier ist gewissermaßen das Beste aus 15 Jahren Entwicklung in eine Testanlage eingeflossen“, sagt CEO Nils Aldag. Über einen längeren Zeitraum sollen Betriebsdaten gesammelt und die Technologie validiert werden. Die Ergebnisse seien nötig, um Anlagen in kommerzieller Größenordnung mit den Garantien und Servicepaketen anbieten zu können, die Industriekunden erwarten. Aldag spricht von der „finalen Validierung des Besten, was wir in 15 Jahren entwickelt haben“.
Die SOEC-Technologie nutzt Wasserdampf und damit weniger Strom als herkömmliche Verfahren. Industrielle Abwärme kann einen Teil des Energiebedarfs decken. Nach Angaben von Sunfire sind Wirkungsgrade von bis zu 89 Prozent möglich. Zudem kann die Technologie Wasserdampf und CO direkt zu Synthesegas verarbeiten, einem Ausgangsstoff der Chemieindustrie. So können erneuerbare Ausgangsstoffe fossiles Erdgas ersetzen.

Entscheidend ist der Dauerbetrieb

In Schwarzheide geht es nicht allein um Spitzenwerte. Ein zentraler Meilenstein ist der Nachweis, dass die Technik im dauerhaften Industrieeinsatz zuverlässig arbeitet.
„Wir wollen nachweisen, wie gut das von uns gebaute Equipment über einen langen Zeitraum hält – nicht nur über ein Jahr, sondern idealerweise deutlich länger“, erklärt Aldag.
Neben Effizienz und Robustheit sollen auch Investitions- und Betriebskosten verbessert werden. Gelingt der Praxistest, schafft er eine wichtige Grundlage für große Kundenprojekte.

Warum Schwarzheide?

Für Schwarzheide sprachen viele Faktoren: Dampf und Strom sind verfügbar, die Infrastruktur ist vorhanden, Genehmigungsfragen lassen sich mit erfahrenen Partnern lösen. Hinzu kommen Fachkräfte für den kontinuierlichen Betrieb komplexer Anlagen und die Nähe zum Hauptsitz in Dresden.
„Wir haben hier einfach gute Menschen mit tiefen technischen Kenntnissen kennengelernt“, sagt Aldag.
Die Partner am Standort hätten in der Verhandlungsphase mit Kompetenz, Pragmatismus und Tempo überzeugt.
Auch das wissenschaftliche Umfeld gab den Ausschlag. Sunfire kooperiert mit Hochschulen und Forschungsclustern in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Aldag nennt die TU und HTW Dresden, die TU Bergakademie Freiberg sowie Hochschulen in Cottbus und Chemnitz. Der Industriepark ergänzt dieses Netzwerk um Infrastruktur, Standortservices und Erfahrung im Anlagenbetrieb.

Ein Signal für den Industriestandort Lausitz

Für den Industriepark ist Sunfire eine der ersten Ansiedlungen seit seiner Öffnung für Unternehmen außerhalb der BASF. Der Spatenstich steht für mehr als den Beginn einer Baustelle.
„Er steht für Wandel in der Lausitz, für den Mut der Industrie zu zukunftsweisenden Investitionen und für die Bereitschaft, die Transformation der Energiewende aktiv zu gestalten“, sagt Jens Krause, Generalmanager der IHK Cottbus und Sprecher des Wasserstoffnetzwerks Lausitz DurcH2atmen.
Der Artikel von Jörg Tudyka ist nachzulesen im FORUM 10/2026